Starboard sieht großes Aufwärtspotenzial bei Skyworks nach Qorvo-Übernahme
Der aktivistische Investor Starboard Value hält Skyworks Solutions nach dem Zusammenschluss mit Qorvo für unterbewertet, berichtet Bloomberg.

Der aktivistische Investor Starboard Value sieht erhebliches Aufwärtspotenzial in Skyworks Solutions (NASDAQ:SWKS). Das berichtete Bloomberg News am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Voraussetzung für die Einschätzung ist allerdings, dass der Hersteller von Funkchips die Kosten- und Margenziele seiner Fusion mit Qorvo einhält.
Skyworks gilt als Apple-Chipzulieferer. Nach dem Abschluss der Übernahme von Qorvo in diesem Monat sei das Unternehmen aus Sicht von Starboard weiterhin unterbewertet, heißt es in dem Bericht. Der Investor halte die Bewertung damit für nicht ausreichend an die neue Größe und Ertragskraft des Konzerns angepasst.
Starboard sehe zudem Wachstumschancen durch die komplementären Produktportfolios der beiden Unternehmen. Nach Einschätzung des Investors haben die Marktteilnehmer das Potenzial dieser Kombination noch nicht vollständig erkannt, so Bloomberg weiter. Starboard ist bekannt dafür, mit Beteiligungen und öffentlichem Druck auf operative Kennzahlen zu wirken.
Die Details
Die Fusion enthält ein Ziel von mindestens 500 Millionen Dollar an jährlichen Kosteneinsparungen innerhalb von drei Jahren. Diese Einsparungen sollen aus dem Zusammenschluss der beiden Chipkonzerne entstehen. Zusätzlich hat das Management operative Margen von 30 Prozent bis 35 Prozent innerhalb von zwei bis drei Jahren in Aussicht gestellt. An diesen beiden Zielgrößen misst Starboard offenbar den Erfolg der Transaktion.
Skyworks hatte sich im vergangenen Jahr zur Übernahme von Qorvo verpflichtet. Das kombinierte Unternehmen wurde dabei mit etwa 22 Milliarden Dollar bewertet. Der Zusammenschluss fällt in eine Phase, in der beide Unternehmen mit verlangsamtem Wachstum konfrontiert waren. Als Grund nennt der Bericht den Wechsel von Apple zu intern entwickelten Chips, der die bisherige Geschäftsgrundlage der Zulieferer verändert hat.
Für den Markt ist die Transaktion damit mehr als eine reine Größenerweiterung. Sie ist der Versuch, über Skaleneffekte und ein breiteres Produktportfolio eine neue Ertragsbasis zu schaffen, nachdem der wichtigste Abnehmer einen Teil der Wertschöpfung ins eigene Haus verlagert hat. Die von Starboard genannten Ziele sind entsprechend ambitioniert: Sie setzen voraus, dass die Integration schnell greift und die Margen spürbar steigen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Starboard Value ist kein unbekannter Akteur am US-Kapitalmarkt. Bereits am 28.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien der Flowserve Corporation (NYSE: FLS) am Donnerstag um 1 Prozent zulegten, nachdem Starboard eine bedeutende Beteiligung an dem Unternehmen bekannt gegeben hatte. Der Investor übermittelte dem Vorstand damals einen Brief, in dem er operative Verbesserungen und eine Beschleunigung der Margenausweitung forderte. Starboard hob dabei die anhaltende Underperformance von Flowserve trotz günstiger Marktbedingungen hervor und verwies auf attraktive Endmärkte wie Reindustrialisierung, Stromerzeugung, Kernenergie und Energiesicherheit.
Ein ähnliches Muster zeigte sich am 09.03.2026: Wie aktien.news berichtete, baute Starboard eine beträchtliche Beteiligung am Pommes-Frites-Hersteller Lamb Weston auf und drängte das Unternehmen zu schnelleren Verbesserungen sowie Kostensenkungen. Starboard bestätigte die Beteiligung an einem Montag und zählte damit zu den größten Aktionären des Unternehmens; die genaue Höhe der Beteiligung wurde nicht offengelegt. In einem Brief an das Management erklärte der Investor, bereits seit geraumer Zeit investiert zu sein und zuletzt weitere Aktien erworben zu haben.
Auch beim Bauunternehmen Knife River wurde Starboard aktiv. Am 24.09.2026 meldete aktien.news, dass der Investor einen bedeutenden Anteil an dem Unternehmen mit Sitz in Bismarck im US-Bundesstaat North Dakota erworben hat und das Management dazu drängen will, die Margen zu verbessern oder einen Verkauf zu prüfen. Knife River kam damals auf eine Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden US-Dollar, die Aktie hatte im laufenden Jahr fast 30 Prozent an Wert eingebüßt. Der Fall zeigt, dass Starboard seine Positionen typischerweise mit klaren Forderungen an die Ertragskraft verbindet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem ein Signal zur Bewertungsfrage. Starboards These steht und fällt mit der Umsetzung der Integrationsziele: Bleiben die Kosten- und Margenziele hinter dem Plan zurück, entfällt die Grundlage für die erhoffte Neubewertung der Aktie. Umgekehrt würde eine planmäßige Umsetzung die Kennzahlen des kombinierten Unternehmens deutlich verändern.
Zu beachten ist die Abhängigkeit vom Großkunden Apple, die im Bericht ausdrücklich als Wachstumsbremse genannt wird. Der Wechsel zu intern entwickelten Chips hat bei beiden Fusionspartnern Spuren hinterlassen. Ein breiteres Produktportfolio soll diese Abhängigkeit abfedern, beseitigt sie aber nicht automatisch.
Hinzu kommt der Charakter der Meldung: Sie stützt sich auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, nicht auf eine offizielle Stellungnahme von Starboard oder Skyworks. Anleger sollten solche Berichte entsprechend einordnen. Die Aktie notiert in US-Dollar an der NASDAQ, wodurch für deutsche Anleger zusätzlich ein Währungsrisiko entsteht. Dieser Artikel ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Der Abschluss der Qorvo-Übernahme wird in diesem Monat erwartet. Danach entscheidet sich, ob die angekündigten Einsparungen von mindestens 500 Millionen Dollar jährlich innerhalb von drei Jahren und die operativen Margen von 30 Prozent bis 35 Prozent innerhalb von zwei bis drei Jahren erreicht werden. Starboard dürfte diese Kennzahlen nach Einschätzung aus dem Bloomberg-Bericht eng verfolgen. Ob der Markt das Potenzial der Kombination tatsächlich höher bewertet, bleibt abzuwarten.
Kurz erklärt
- Aktivisteninvestor: Ein Investor, der sich mit einer größeren Beteiligung in die Unternehmensführung einbringt und Veränderungen fordert.
- Operative Marge: Der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz und damit ein Maß für die Ertragskraft des laufenden Geschäfts.
- Kostensynergien: Einsparungen, die durch den Zusammenschluss zweier Unternehmen entstehen, etwa durch den Wegfall doppelter Strukturen.
- Komplementäre Produktportfolios: Produktangebote, die sich sinnvoll ergänzen, statt sich direkt Konkurrenz zu machen.
