SpaceX will 40 Milliarden Dollar für Nvidia-Chips leihen
Der Raketen- und KI-Konzern sucht laut Berichten Kredite und Anleihen – trotz eines Cash-Pools von 100 Milliarden Dollar.

SpaceX plant offenbar, rund 40 Milliarden US-Dollar frisches Kapital aufzunehmen, um Nvidia-Chips zu kaufen. Das berichtet The Motley Fool unter Berufung auf entsprechende Berichte. Konkret sucht das Unternehmen demnach nach Bankkrediten in Höhe von 10 Milliarden Dollar sowie nach Anleihen mit Investment-Grade-Rating im Volumen von 30 Milliarden Dollar.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Transaktion: SpaceX beendete den Juni mit liquiden Mitteln, Kassenäquivalenten und marktgängigen Wertpapieren in Höhe von 100 Milliarden Dollar. Das Unternehmen sitzt also auf einem enormen Cash-Pool – und nimmt dennoch zusätzliche Schulden auf, um seine KI-Infrastruktur auszubauen.
Die Zinsaufwendungen von SpaceX beliefen sich im zweiten Quartal auf 629 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatten sie noch bei 411 Millionen Dollar gelegen. Die Finanzierungskosten des Konzerns steigen damit bereits deutlich, bevor die neuen Kredite und Anleihen überhaupt aufgenommen sind.
Die Details
Die berichtete Finanzierung besteht aus zwei Bausteinen. Zum einen sucht SpaceX nach Bankkrediten in Höhe von 10 Milliarden Dollar. Zum anderen sollen Anleihen mit Investment-Grade-Rating im Wert von 30 Milliarden Dollar begeben werden. Zusammen ergibt das die genannten 40 Milliarden Dollar, die nach Angaben aus den Berichten für den Kauf von Nvidia-Chips verwendet werden sollen.
Der Verwendungszweck ist bemerkenswert konkret: Das Geld fließt nicht in die Raketenentwicklung oder in das Satellitenkommunikationsgeschäft Starlink, sondern in Rechenleistung für künstliche Intelligenz. Nvidia-Chips gelten als die zentrale Hardware für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle.
Auf der anderen Seite steht die Bilanz. Mit 100 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, Kassenäquivalenten und marktgängigen Wertpapieren zum Ende des Juni verfügt SpaceX über eine außergewöhnlich komfortable Liquiditätsausstattung. Warum ein Unternehmen mit einem derartigen Polster zusätzlich Fremdkapital aufnimmt, beantwortet der Bericht nicht.
Klar ist jedoch: Die Zinslast wächst. Im zweiten Quartal summierte sich der Zinsaufwand auf 629 Millionen Dollar, nach 411 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Anstieg um mehr als die Hälfte – eine Entwicklung, die bei einer weiteren Schuldenaufnahme an Bedeutung gewinnt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.05.2026 berichtete aktien.news über den Börsenprospekt von SpaceX. Das Dokument offenbarte, wie stark Gründer Elon Musk auf künstliche Intelligenz setzt – und wie teuer dieser Kurs bislang ist. Im ersten Quartal erzielte SpaceX bei einem Umsatz von 4,69 Milliarden Dollar einen operativen Gesamtverlust von 1,94 Milliarden Dollar. Haupttreiber dieser Verluste war die KI-Sparte, die im ersten Quartal Verluste von 2,47 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von lediglich 818 Millionen Dollar verbuchte. Ursache war vor allem die Übernahme von Musks KI-Unternehmen xAI im Februar.
Am 15.08.2026 meldete aktien.news, dass Nvidia eine SpaceX-Beteiligung im Wert von 21 Milliarden Dollar hält. Nvidia hatte in einer SEC-Meldung offengelegt, dass das Unternehmen Ende Juni fast 123 Millionen Aktien von SpaceX besaß. Der Wert dieser Beteiligung belief sich zu diesem Zeitpunkt auf knapp 21 Milliarden US-Dollar. Da die SpaceX-Aktien seit dem Börsengang im Juni stark gefallen sind, war Nvidias Anteil inzwischen noch rund 17 Milliarden US-Dollar wert. Die Beteiligung geht auf Nvidias Investition in xAI zurück, die im Januar abgeschlossen wurde – kurz bevor Elon Musk das KI-Labor mit SpaceX fusionierte.
Am 28.08.2026 berichtete aktien.news über den KI-Infrastruktur-Boom, in dessen Zentrum Tesla, SpaceX und Nvidia stehen. Besonders spannend sei das Zusammenspiel zwischen SpaceX und Nvidia, das neue Maßstäbe setzen könnte. SpaceX ist nach der Fusion mit xAI zu einem bedeutenden Akteur im KI-Bereich aufgestiegen.
Am 15.09.2026 folgte der Bericht, dass SpaceX 15,8 Milliarden Dollar auf KI setzt und orbitale Rechenzentren als Trumpf positioniert. Im zweiten Quartal beliefen sich die gesamten Kapitalausgaben (Capex) von SpaceX auf rund 18,4 Milliarden Dollar. Davon entfielen satte 15,8 Milliarden Dollar auf das KI-Geschäft des Unternehmens. Zum Vergleich: Für Starlink wurden 1,4 Milliarden Dollar aufgewendet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall mehrere Spannungsfelder auf. Erstens: Ein hoher Cash-Bestand bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen keine Schulden aufnimmt. Fremdkapital kann günstiger sein als die Bindung eigener Mittel, oder es dient der Steuerung der Kapitalstruktur. Der Bericht nennt für die konkrete Entscheidung von SpaceX allerdings keine Begründung.
Zweitens rückt die Zinslast in den Fokus. Steigt der Zinsaufwand weiter, belastet das den Gewinn – und SpaceX ist bislang ein Unternehmen, das im KI-Segment hohe Verluste schreibt. Die Kombination aus steigenden Finanzierungskosten und hohen Investitionen ist ein Risikofaktor, den Anleger im Blick behalten sollten.
Drittens ist die enge Verflechtung mit Nvidia relevant. Nvidia hält eine SpaceX-Beteiligung, SpaceX wiederum will Nvidia-Chips kaufen. Solche wechselseitigen Abhängigkeiten können in beide Richtungen wirken: Sie stabilisieren Geschäftsbeziehungen, machen die Beteiligten aber auch anfälliger für Schocks des jeweils anderen.
Wichtig ist der Hinweis, dass es sich bei der 40-Milliarden-Finanzierung bislang um Berichte handelt. Eine offizielle Bestätigung von SpaceX liegt nicht vor. Anleger sollten die weitere Entwicklung daher anhand belastbarer Unternehmensangaben verfolgen und nicht allein auf Medienberichte setzen. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Konkrete Termine für die Aufnahme der Bankkredite oder die Platzierung der Anleihen nennt der Bericht nicht. Auch Angaben dazu, wann die Nvidia-Chips geliefert werden sollen oder welchen Umfang die Bestellung hat, enthält der Bericht nicht.
Aus den früheren Berichten von aktien.news ergibt sich jedoch ein klarer strategischer Rahmen: SpaceX hat im zweiten Quartal rund 18,4 Milliarden Dollar investiert, davon 15,8 Milliarden Dollar in das KI-Geschäft. Orbitale Rechenzentren gelten dabei als potenziell revolutionärer Leistungstreiber. Die nun berichtete Finanzierung würde sich in diese Strategie einfügen – vorausgesetzt, sie wird tatsächlich umgesetzt.
Kurz erklärt
- Investment-Grade-Anleihe: Eine Anleihe, die von Ratingagenturen als besonders kreditwürdig eingestuft wird und deshalb meist niedrigere Zinsen bietet.
- Liquide Mittel: Guthaben und kurzfristig verfügbare Werte, die ein Unternehmen sofort für Zahlungen einsetzen kann.
- Zinsaufwand: Die Summe aller Zinsen, die ein Unternehmen in einem Zeitraum für aufgenommene Schulden zahlen muss.
- Capex: Investitionen in langfristige Vermögenswerte wie Anlagen, Maschinen oder Rechenzentren.
