Jensen Huang: Nvidia hat bessere Nachfrage-Einblicke und wagt Jahresprognose
Nvidia überrascht mit erstmaliger Prognose für das gesamte Geschäftsjahr – CEO Jensen Huang verweist auf deutlich bessere Einschätzbarkeit der Nachfrage.

Nvidia hat in seinem jüngsten Quartalsbericht einen für das Unternehmen beispiellosen Schritt vollzogen: Der Chiphersteller gab eine Prognose für das darauffolgende Geschäftsjahr ab. Als Begründung nannte CEO Jensen Huang eine „deutlich bessere Einschätzbarkeit“ der Nachfragelage. Damit stellt sich die Frage, ob diese Zuversicht die Bewertung von Nvidia auf Prämienniveau rechtfertigt – genau damit setzt sich der US-Analysedienst The Motley Fool in einem aktuellen Beitrag auseinander.
Hintergrund: Die Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia sind die grundlegende Hardware, die die künstliche Intelligenz (KI) antreibt. Neben seiner führenden Position bei fortschrittlichen KI-GPUs baut das Unternehmen seine Stellung auch in den Bereichen Central Processing Units (CPUs) und anderer Hardware aus, die in den Technologie-Stacks von Rechenzentren eingesetzt werden. Die Nachfrage nach seinen auf KI ausgerichteten Hardwareprodukten ist nach Darstellung des Berichts sehr stark.
Die Nvidia-Aktie ist im vergangenen Jahr um rund 27% gestiegen, die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei 5,77 Billionen US-Dollar. Das forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt etwa 25,6. Der Durchschnitt des S&P-500-Index liegt beim forward-KGV bei rund 19. Nvidia wird also mit einer Prämie gehandelt – die Frage ist, ob daraus automatisch eine Überbewertung folgt.
Die Details
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. Juli endete, stieg der bereinigte Gewinn je Aktie (nicht-GAAP) um 120%. Der Umsatz legte im selben Zeitraum um 106% zu. Der Gewinn wuchs damit schneller als der Umsatz, was für eine hohe operative Hebelwirkung spricht.
Für das laufende Quartal liegt die mittlere Schätzung des Unternehmens bei einem Umsatz von rund 108 Milliarden US-Dollar. Das deutet auf ein jährliches Wachstum von etwa 89% in diesem Zeitraum hin. Entscheidend ist dabei, dass Nvidia seine Bruttomarge weiterhin auf sehr hohem Niveau hält.
Für das nächste Geschäftsjahr erwartet Nvidia ein jährliches Umsatzwachstum von rund 70% bei anhaltender Stärke der Bruttomargen. Die Guidance für die Bruttomarge liegt zwischen 72% und 73%. Huang bezeichnet diese Prognose als kühn und führt sie auf die verbesserte Transparenz bezüglich der Nachfragelage zurück.
Bei einem Umsatzwachstum auf diesem Niveau besteht nach Einschätzung des Autors eine gute Chance, dass Nvidia im Geschäftsjahr 2028 ein bereinigtes Gewinnwachstum je Aktie von mehr als 70% verzeichnet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.08.2026 berichtete aktien.news, dass Nvidia mit einer Marktkapitalisierung von 5,3 Billionen Dollar das größte börsennotierte Unternehmen der Welt sei. Damals diskutierten Analysten und Investoren, ob die Aktie auf dem seinerzeitigen Kursniveau trotz dieser Bewertung noch ein günstiger Kauf sein könnte; Grundlage dieser These seien starke Finanzzahlen.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news über drei Gründe, die nach Einschätzung von The Motley Fool im Herbst für einen Einstieg bei Nvidia sprachen. Angeführt wurde die Liste von einer Bewertung, die trotz jüngster Kursgewinne nicht überteuert erscheine: Die Aktie notierte demnach zum 14-fachen des bereinigten Gewinns für das kommende Geschäftsjahr. Die Fundamentaldaten des Konzerns verbesserten sich sogar noch schneller als der Aktienkurs.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass Nvidia eine Erhöhung seiner Aktienrückkauf-Freigabe um 150 Milliarden US-Dollar genehmigt habe. Nach Einschätzung von The Motley Fool deute diese massive Freigabe darauf hin, dass die Aktie unterbewertet sei; der Schritt gelte als historisch und könnte für Anleger ein Kaufsignal sein.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news, dass The Motley Fool Nvidia zu seiner Wahl für den Monat Oktober erklärt habe. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass das Unternehmen trotz seiner Größe und seines Rufs als teure Aktie aktuell unterbewertet sei.
Was das für Anleger bedeutet
Auf den ersten Blick wirkt das forward-KGV von Nvidia von etwa 25,6 im Vergleich zum S&P 500 mit rund 19 teuer. Der entscheidende Punkt: Nvidia steigert seine Gewinne schneller als fast jedes andere Unternehmen im Index. Hinzu kommt, dass das Geschäftsmodell bereits stark skaliert ist und das Unternehmen die größte Marktkapitalisierung aller Firmen weltweit aufweist – ein Umstand, der das Tempo des Gewinnwachstums zusätzlich bemerkenswert macht.
Daraus leitet der Beitrag die These ab, dass Nvidia gemessen an der Rate, mit der es seine Gewinne ausbaut, möglicherweise noch immer erheblich unterbewertet sein könnte. Die Aktie könnte demnach ein deutlich höheres Bewertungs-Multiple verdienen, als sie aktuell ausweist.
Anleger sollten dabei beachten, dass in den vorliegenden Berichten unterschiedliche Bewertungskennzahlen genannt werden: Der aktuelle Beitrag nennt ein forward-KGV von etwa 25,6, während sich der Bericht vom 21.09.2026 auf das 14-fache des bereinigten Gewinns für das kommende Geschäftsjahr bezog. Beide Angaben stammen aus unterschiedlichen Zeitpunkten und beziehen sich auf unterschiedliche Bezugszeiträume. Dies ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Nvidia erwartet für das nächste Geschäftsjahr ein jährliches Umsatzwachstum von rund 70% und eine Bruttomarge zwischen 72% und 73%. Für das Geschäftsjahr 2028 hält der Autor ein bereinigtes Gewinnwachstum je Aktie von mehr als 70% für gut möglich, sollten diese Erwartungen eintreten. Die neu hinzugekommene Prognose für das gesamte Geschäftsjahr, die Huang mit der deutlich besseren Einschätzbarkeit der Nachfrage begründet, ist der zentrale neue Baustein dieser Erwartung. Weitere Konzernzahlen oder Termine nennt der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- GPU: Grafikprozessor, ein spezialisierter Rechenchip, der viele Berechnungen parallel ausführt und deshalb für KI-Anwendungen genutzt wird.
- Forward-KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis, das den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zu den für die Zukunft erwarteten Gewinnen setzt.
- Bruttomarge: Verhältnis von Umsatz zu den direkten Kosten der verkauften Produkte, angegeben als Prozentwert des Umsatzes.
- Nicht-GAAP-Gewinn: um Sondereffekte bereinigter Gewinn, der die operative Entwicklung ohne Einmaleffekte abbildet.
