Manus sammelt über 500 Millionen Dollar nach Meta-Abspaltung ein
Das KI-Startup Manus erhält in seiner ersten Finanzierungsrunde seit der erzwungenen Trennung von Meta mehr als 500 Millionen US-Dollar.

Das KI-Startup Manus hat in seiner ersten Finanzierungsrunde seit der erzwungenen Trennung von Meta Platforms mehr als 500 Millionen US-Dollar eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von der Private-Equity-Firma Boyu Capital und dem Venture-Investor IDG Capital. Das gab Butterfly Effect, die Muttergesellschaft von Manus, am Donnerstag bekannt. Auch bestehende Aktionäre beteiligten sich mit Folgeinvestitionen, darunter Tencent, HSG und ZhenFund.
Eine Bewertung nach der Finanzierung nannte das Unternehmen nicht. Bloomberg hatte im vergangenen Monat berichtet, dass Manus seine Bewertung in dieser Runde auf 4 Milliarden Dollar verdoppeln wolle. Gelingt dieses Ziel, wäre Manus der wertvollste Hersteller von KI-Agenten des Landes.
Die Kapitalbeschaffung deutet darauf hin, dass Investoren sich von Pekings beispiellosem Erlass nicht abschrecken ließen. Die chinesischen Behörden hatten Metas kurzlebigen Erwerb im Volumen von 2 Milliarden US-Dollar untersagt. Meta hatte zu diesem Zeitpunkt bereits damit begonnen, das Team und die Technologie von Manus in seine eigenen Strukturen zu integrieren, als die Behörden den Deal blockierten. Die Runde zeigt zudem, dass die Nachfrage nach KI-Agent-Startups stabil geblieben ist, obwohl sich die zugrunde liegenden Foundation Models schnell verbessern und der Preiswettbewerb intensiver wird.
Die Details
Zu den Geldgebern der Runde gehören damit zwei unterschiedliche Investorentypen: mit Boyu Capital eine Private-Equity-Gesellschaft und mit IDG Capital ein klassischer Venture-Investor. Beide führen die Finanzierung an. Auf der Seite der Bestandsgesellschafter kamen Tencent, HSG und ZhenFund hinzu. Über die genauen Anteile oder die Höhe der einzelnen Beiträge machte Butterfly Effect keine Angaben, ebenso wenig über die Bewertung des Unternehmens nach Abschluss der Runde.
Manus wurde Anfang 2025 in China gegründet und verlagerte seinen Personalbestand anschließend nach Singapur, nachdem das Unternehmen Unterstützung vom US-Venture-Unternehmen Benchmark erhalten hatte. Meta kündigte den Erwerb im Dezember an. Chinesische Regulierungsbehörden blockierten ihn später. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission erklärte, sie habe beschlossen, „ausländische Investitionen im Projekt Manus zu verbieten“.
Seit der Trennung hat Manus nach eigenen Angaben mehrere Produkte vorgestellt. Dazu zählt Manus 2.0, das auf einem neuen, hauseigenen Ausführungssystem namens Cascade basiert. Hinzu kommt Cue, eine eigenständige Personal-Agent-App, bei der jeder Agent über eine eigene E-Mail-Adresse, Telefonnummer und mobile Geldbörse verfügt. Meta wiederum hat mit seinem eigenen persönlichen KI-Agenten weitergemacht und Ende September seinen Muse-Agenten eingeführt, der am Open-Source-KI-Agenten OpenClaw modelliert ist.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 27.04.2026 berichtete aktien.news, dass China die geplante Übernahme des Agentic-KI-Startups Manus durch Meta Platforms blockiert hat. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission ordnete die Absage des rund zwei Milliarden US-Dollar schweren Deals an. Der Schritt galt als überraschend und markierte einen seltenen direkten Eingriff der chinesischen Staatsplanung in eine ausländische Investitionstransaktion. Die Behörde veröffentlichte eine einzeilige Bekanntmachung, in der sie erklärte, ausländische Investitionen in das Startup im Einklang mit Gesetzen und Vorschriften zu untersagen. Weitere Einzelheiten oder Begründungen nannte die Kommission nicht.
Am 28.04.2026 folgte ein weiterer Bericht von aktien.news: China wies Meta Platforms an, die Übernahme des KI-Startups Manus rückgängig zu machen. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission erklärte am 27. April, sie werde „ausländische Investitionen in Manus im Einklang mit Gesetzen und Vorschriften untersagen“, und forderte die beteiligten Parteien auf, die Transaktion zurückzuziehen. Das Deal-Volumen belief sich auf rund 2 Milliarden US-Dollar. Manus war von den Ingenieuren Red Xiao und Ji Yichao vor etwa einem Jahr unter einer chinesischen Muttergesellschaft gegründet worden und erlangte im Silicon Valley Aufmerksamkeit, weil seine KI-Agenten komplexe Aufgaben übernehmen.
Am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass Manus in seiner ersten Finanzierungsrunde seit der Anordnung Pekings, sich von Meta Platforms zu trennen, eine Verdopplung seiner Bewertung auf vier Milliarden Dollar anstrebt. Damit wollte das Unternehmen einen Neuanfang nach einer Verstrickung in geopolitische Spannungen einleiten. Die geplante Finanzierungsrunde im Umfang von 500 Millionen Dollar sollte in Kürze abgeschlossen werden. Sollte sie gelingen, würde Manus zum wertvollsten Startup Chinas im Bereich der sogenannten agentic AI aufsteigen, wie mit der Sache vertraute Personen berichteten.
Was das für Anleger bedeutet
Manus selbst ist nicht börsennotiert, deutsche Privatanleger können sich an dem Unternehmen also nicht direkt beteiligen. Sichtbar wird die Entwicklung für Anleger über die beteiligten Investoren: Zu den Geldgebern der neuen Runde zählt mit Tencent ein Unternehmen, das an der Börse gehandelt wird. Die Bewertung von Manus nach der Runde ist nicht öffentlich, der von Bloomberg genannte Zielwert von 4 Milliarden Dollar bleibt damit eine berichtete Erwartung und keine bestätigte Zahl.
Bemerkenswert ist aus Marktsicht die Signalwirkung. Der Erlass aus Peking, der Metas 2-Milliarden-Dollar-Erwerb untersagte, hat offenbar nicht dazu geführt, dass Kapitalgeber sich von KI-Agent-Startups zurückziehen. „Die Kapitalbeschaffung zeigt, dass die kurzfristigen Folgen des Meta-Falls eingedämmt wurden und Investoren bereit sind, Manus als unabhängiges Unternehmen zu unterstützen“, sagte Dan Wang, China-Direktor bei Eurasia Group, und verwies dabei auch auf das wiedererstarkte Vertrauen in das kommerzielle Potenzial von KI-Agenten.
Gleichzeitig bleibt die Gemengelage für Unternehmen, die zwischen den Regulierungsbehörden in Peking und Washington unter Druck geraten, anspruchsvoll. Einmal als Blaupause für chinesische Startups mit globaler Reichweite gesehen, ist Manus zu einer Warnung für genau solche Firmen geworden. Für Anleger bedeutet das: Politische Risiken können den Wert einer Beteiligung unabhängig von der technologischen Qualität eines Produkts verändern.
Ausblick
Analysten zufolge könnte Manus langfristig einen Börsengang anstreben. Die unmittelbarere Aufgabe besteht nach Einschätzung von Beobachtern jedoch darin, die Geschäfts- und Besitzstruktur zu überarbeiten, um Profitabilität nachzuweisen und den regulatorischen Anforderungen Pekings gerecht zu werden. „Die unmittelbare Aufgabe für Manus besteht nun darin, Skalierbarkeit, Profitabilität und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben nachzuweisen“, sagte Han Lin, Country Director China bei The Asia Group.
Anfang dieses Monats erklärte Manus, dass es seine unabhängigen Operationen nach der Trennung von Meta wieder aufgenommen habe und dass das Gründungsteam weiterhin generative KI-Agenten für Nutzer weltweit vorantreiben werde. Matthias Hendrichs, ein in Singapur ansässiger Berater für globale KI-Unternehmen, sieht die Verbindung zwischen beiden Seiten ohnehin nicht vollständig gekappt: „Die ‚enge Integration‘ mit Manus verschwindet nicht, wenn die Transaktion rückgängig gemacht wird. Man kann Unternehmen trennen, aber man kann Ingenieure nicht dazu bringen, vergessen zu lernen.“
Kurz erklärt
- KI-Agent: Eine Software, die eigenständig komplexe Aufgaben für Nutzer ausführt, statt nur einzelne Anfragen zu beantworten.
- Foundation Model: Ein großes Basismodell für künstliche Intelligenz, auf dem spezialisierte Anwendungen aufbauen.
- Private Equity: Beteiligungskapital, das außerbörslich in Unternehmen investiert wird, häufig mit langfristigem Horizont.
- Venture Capital: Wagniskapital, das vor allem junge, wachstumsstarke Unternehmen in frühen Phasen finanziert.
