SpaceX will 40 Milliarden Dollar Schulden für Nvidia-KI-Chips aufnehmen
Laut Financial Times verhandelt SpaceX über 40 Milliarden US-Dollar, um Nvidia-Chips zu kaufen und Cloud-Anbieter zu werden.

SpaceX befindet sich nach einem Bericht der Financial Times in Verhandlungen über die Aufnahme von 40 Milliarden US-Dollar. Mit dem Kapital sollen fortschrittliche Chips des Grafikprozessor-Spezialisten Nvidia sowie damit verbundene Systeme finanziert werden. Das von Elon Musk geleitete Raumfahrtunternehmen, das unter dem Kürzel SPCX geführt wird, verfolgt damit das Ziel, ein bedeutender Akteur im Bereich der künstlichen Intelligenz und ein Anbieter von Cloud-Diensten zu werden.
Die Financial Times beruft sich in ihrem Bericht auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach plant SpaceX, rund 10 Milliarden US-Dollar über Bankkredite aufzunehmen. Weitere 30 Milliarden US-Dollar sollen über Investment-Grade-Anleihen eingesammelt werden. Zusammen ergibt sich daraus das angestrebte Volumen von 40 Milliarden US-Dollar, das vollständig in den Erwerb der Rechenhardware fließen soll.
Der Schritt ist bemerkenswert, weil SpaceX damit hohe Schulden aufnimmt, um in eine Infrastruktur zu investieren, die erst mittelfristig Erträge abwerfen dürfte. Der Bericht spricht von „erstaunlichen“ KI-Renditen, die das Unternehmen anstrebt. Ob und wann sich diese Renditen einstellen, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Die Details
Im Zentrum der Transaktion stehen zwei Finanzierungsbausteine. Der erste ist ein Bankkredit in Höhe von etwa 10 Milliarden US-Dollar. Der zweite ist eine Anleiheemission von zusätzlich 30 Milliarden US-Dollar, die im Investment-Grade-Segment platziert werden soll. Investment-Grade bedeutet, dass die Papiere von Ratingagenturen als vergleichsweise kreditwürdig eingestuft werden – eine Voraussetzung dafür, dass institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds überhaupt zeichnen dürfen.
Mit dem Erlös will SpaceX fortschrittliche Grafikprozessoren von Nvidia erwerben. Grafikprozessoren, kurz GPUs, sind die zentrale Hardware für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle. Der Kauf umfasst laut Bericht neben den Chips auch damit verbundene Systeme, also die übrige Recheninfrastruktur, die für den Betrieb der Prozessoren notwendig ist.
Als Zeitpunkt der Verhandlungen nennt die Quelle den 7. Oktober 2026. Die Gespräche sind dem Bericht zufolge noch nicht abgeschlossen. Ob und zu welchen Konditionen die Finanzierung tatsächlich zustande kommt, ist damit offen. SpaceX selbst hat sich zu dem Bericht nicht geäußert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Finanzierungsrunde steht nicht isoliert. Bereits am 24.06.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX Investment-Grade-Anleihen im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar platziert hatte. Das Volumen war über den Bloomberg Terminal bekannt geworden. Damals hieß es, Musk erhöhe die Gesamtverschuldung seines Unternehmensimperiums und senke gleichzeitig die jährliche Zinslast. Der Schritt galt als letzter in einer Reihe von Refinanzierungsmaßnahmen, mit denen ältere und teurere Verbindlichkeiten durch günstigere Konditionen ersetzt werden sollten.
Am 18.07.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX Gespräche mit dem US-Verteidigungsministerium über die Bereitstellung von Rechenzentrumskapazitäten im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar führt. Grundlage war ein Bericht des Wall Street Journal. Ziel einer solchen Vereinbarung wäre es, dem Pentagon den Betrieb von KI-Modellen zu ermöglichen. SpaceX ist bereits ein wichtiger Partner des Pentagons für Raketenstarts sowie satellitengestützte Kommunikation und Raketenverfolgung.
Am 15.08.2026 berichtete aktien.news über eine SEC-Meldung von Nvidia. Darin legte der Chiphersteller offen, dass er Ende Juni fast 123 Millionen Aktien von SpaceX besaß. Der Wert dieser Beteiligung belief sich zu diesem Zeitpunkt auf knapp 21 Milliarden US-Dollar. Da die SpaceX-Aktien seit dem Börsengang im Juni stark gefallen sind, war Nvidias Anteil inzwischen noch rund 17 Milliarden US-Dollar wert. Die Beteiligung geht auf Nvidias Investition in xAI zurück, die im Januar abgeschlossen wurde – kurz bevor Elon Musk das KI-Labor mit SpaceX fusionierte.
Am 28.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Kapitalmärkte von gewaltigen Investitionszyklen im Bereich der künstlichen Intelligenz dominiert werden. Dabei stünden mit Tesla, SpaceX und Nvidia drei Unternehmen im Fokus, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Besonders spannend sei das Zusammenspiel zwischen SpaceX und Nvidia. SpaceX sei nach der Fusion mit xAI zu einem bedeutenden Akteur im KI-Bereich aufgestiegen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung aus mehreren Gründen relevant. Erstens zeigt sie, dass SpaceX den Weg in die KI-Infrastruktur nicht über Eigenkapital, sondern über Fremdkapital sucht. Das erhöht die Verschuldung und damit das finanzielle Risiko des Unternehmens. Zweitens ist Nvidia doppelt betroffen: als Lieferant der Chips und als Anteilseigner von SpaceX. Die engen Verflechtungen zwischen beiden Unternehmen werden damit weiter verstärkt.
Drittens verändert sich das Geschäftsmodell von SpaceX. Das Unternehmen war bislang vor allem als Raketen- und Satellitenanbieter bekannt. Mit dem Aufbau eigener Rechenkapazitäten und dem Ziel, Cloud-Anbieter zu werden, tritt es in einen Markt ein, der von großen Technologiekonzernen dominiert wird. Ob SpaceX dort bestehen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob die angepeilten KI-Renditen tatsächlich erzielt werden.
Zu beachten ist, dass die Informationen auf einem Medienbericht unter Berufung auf anonyme Quellen basieren. Es handelt sich nicht um eine bestätigte Transaktion. Anleger sollten solche Meldungen daher mit der gebotenen Vorsicht einordnen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der Bericht nennt keine konkreten Termine für einen Abschluss der Finanzierung. Offen bleibt auch, wann die Nvidia-Chips geliefert und in Betrieb genommen werden sollen. Aus den früheren Berichten von aktien.news geht hervor, dass SpaceX bereits im Juni 2026 eine 25-Milliarden-Anleihe platziert hat und im Juli 2026 Gespräche mit dem Pentagon über Rechenzentrumskapazitäten führte. Sollte die nun diskutierte 40-Milliarden-Finanzierung zustande kommen, würde sich die Verschuldung des Unternehmens deutlich erhöhen. Weitere Angaben zu Plänen oder Erwartungen enthält die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Investment-Grade-Anleihe: Eine Anleihe, die von Ratingagenturen als vergleichsweise kreditwürdig eingestuft wird und deshalb von vielen institutionellen Investoren gezeichnet werden darf.
- Grafikprozessor (GPU): Ein spezialisierter Rechenchip, der vor allem für das Training und den Betrieb von KI-Modellen eingesetzt wird.
- Cloud-Anbieter: Ein Unternehmen, das Rechenleistung und Speicher über das Internet zur Verfügung stellt, statt sie auf lokalen Geräten zu betreiben.
