S&P 500 nahe Rekordhoch: Aktien laut Experten weiterhin günstig
Trotz Rekordniveau: Sinkendes KGV und starkes Gewinnwachstum machen Aktien attraktiv.

Der S&P 500 notiert nur knapp unter seinem Rekordhoch, doch viele Experten sehen Aktien weiterhin als günstig bewertet an. Grund dafür ist das starke Gewinnwachstum der im Index gelisteten Unternehmen, das die Kursgewinne zuletzt übertroffen hat.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 ist seit Jahresbeginn um 11 Prozent gefallen. Dies deutet darauf hin, dass das Gewinnwachstum bei Amerikas größten Unternehmen die Kurssteigerungen in letzter Zeit überflügelt hat, wie Analysten von LPL Financial in einer aktuellen Studie feststellten. Dies könnte bedeuten, dass Aktien „günstiger“ geworden sind und noch erhebliches Aufwärtspotenzial besitzen, so die Analysten.
Gewinnwachstum übertrifft Kursentwicklung
LPL Financial bezeichnete die Gewinnmeldungen im zweiten Quartal als „außergewöhnlich gut“. Der S&P 500 liegt auf einem Pfad, um ein jährliches Gewinnwachstum von über 30 Prozent zu verzeichnen. Analysten von FactSet fanden zudem heraus, dass rund 87 Prozent der S&P-500-Unternehmen ihre Schätzungen zum Gewinn je Aktie (EPS) im zweiten Quartal übertroffen haben.
Dieser Schwung könnte anhalten. Der LPL-Bericht nennt ein Potenzial für weiteres Gewinnwachstum von mehr als 20 Prozent im dritten und vierten Quartal. Dieses Wachstum habe die Basis für den Index gehoben, da Investoren zunehmend eine starke Grundlage an Gewinnen vorfänden, in die sie investieren könnten, so LPL.
Bedenken um KI-Ausgaben und Zinsen belasten
Trotz der positiven Gewinnentwicklung gibt es Faktoren, die Anleger zurückhaltend agieren lassen. Laut dem Bericht könnten Sorgen darüber, dass die größten Unternehmen des Marktes stark in KI-Infrastruktur investieren, ein Grund dafür sein. Die Ausgaben für Künstliche Intelligenz waren am Montag eines der Top-Themen an den Märkten. Kommentare führender Industrieunternehmen zu einer Verlangsamung der Modellentwicklung warfen Bedenken bezüglich eines Rückgangs der Hardwareausgaben auf.
Analysten von Wolfe Research verwiesen zudem auf steigende Ölpreise, Staatsanleiherenditen auf einem mehrjährigen Hoch sowie die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung dieser Woche. Diese Faktoren könnten die weitere Entwicklung der Aktienmärkte bremsen.
Ausblick: Analysten heben Schätzungen an
Die jüngsten Gewinne des S&P 500, die ihn in Rekordniveau geführt haben, hätten zudem die Decke für zukünftige Höchststände des Index angehoben, so LPL. Analysten haben ihre Volljahres-Gewinnschätzungen für 2026 in den letzten Monaten allgemein angehoben, wie ein Bericht von FactSet Anfang dieses Monats zeigt. „Analysten erhöhen EPS-Schätzungen für S&P-500-Unternehmen im zweiten Quartal in Folge“, heißt es dort.
Für deutsche Anleger bleibt der US-Markt damit ein wichtiger Gradmesser. Die Kombination aus sinkender Bewertung und starkem Gewinnwachstum könnte dem S&P 500 weiteren Auftrieb verleihen – sofern die konjunkturellen und geldpolitischen Risiken nicht überhandnehmen.
