SNB lässt Leitzins trotz Nahost-Krise bei null Prozent
UBS-Ökonomen erwarten unveränderten Schweizer Leitzins – Franken-Aufwertung und Ölpreise neutralisieren sich gegenseitig.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird ihren Leitzins bei der geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag voraussichtlich bei 0% belassen. Dies prognostizieren die UBS-Ökonomen Maxime Botteron und Alessandro Bee trotz des gestiegenen Aufwertungsdrucks auf den Schweizer Franken. Der Konflikt im Nahen Osten hat zwar die Energiepreise in die Höhe getrieben und den Franken gestärkt, doch beide Effekte gleichen sich laut den Experten weitgehend aus.
Seit Beginn des Konflikts sind die Brent-Ölpreise auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen – ein Plus von mehr als 50% in Schweizer Franken. Auf Jahressicht liegen die Ölpreise rund 30% höher, was die Schweizer Inflation nach UBS-Schätzungen um maximal 0,3 Prozentpunkte erhöhen dürfte. Sollten die Preise bis ins zweite Quartal 2026 auf diesem Niveau verharren, könnte der Inflationsbeitrag auf 0,4 Prozentpunkte steigen.
Franken-Aufwertung als Gegengewicht
Gleichzeitig hat der Schweizer Franken gegenüber dem Euro deutlich zugelegt. Das Währungspaar EURCHF fiel am Montag unter die Marke von 0,90 – der Franken hat sich seit dem SNB-Zinsentscheid im Dezember um mehr als 3,5% gegenüber dem Euro verteuert. Dies entspricht einer geschätzten Verringerung der Gesamtinflation um rund 0,35 Prozentpunkte, sofern der Wechselkurs auf diesem Niveau bleibt.
Die Schweizer Inflation lag im Februar ohnehin nur bei 0,1% im Jahresvergleich – ein Niveau, das kaum Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen lässt. Die direkten Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf Energiepreise und Franken neutralisieren sich nach Einschätzung der UBS-Ökonomen weitgehend. Der Inflationsausblick für die Schweiz bleibt damit im Wesentlichen unverändert.
Die Abwärtsrisiken haben jedoch zugenommen. Höhere Energiepreise könnten das Wirtschaftswachstum dämpfen und deflationären Druck erzeugen. Der stärkere Franken belastet zudem die Schweizer Exportwirtschaft und trübt die allgemeinen Wachstumsaussichten.
SNB setzt auf Devisenmarktinterventionen statt Zinssenkungen
Die SNB hat signalisiert, dass ihre Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt gestiegen ist. Die UBS-Ökonomen erwarten daher, dass die Notenbank Fremdwährungen kaufen wird, um dem Aufwertungsdruck des Frankens entgegenzuwirken – anstatt die Zinsen weiter zu senken. Geopolitische Spannungen und ihre Auswirkungen auf Energiepreise seien typischerweise kurzfristiger Natur, so die Begründung.
Sollten sich die globalen Wachstumsaussichten jedoch deutlich verschlechtern – etwa durch anhaltend hohe Energiepreise – würde eine Senkung des Leitzinses in den negativen Bereich wahrscheinlicher. Die UBS-Ökonomen gehen in ihrem Hauptszenario davon aus, dass erhöhte Staatsausgaben in Deutschland das Wachstum der Eurozone und den Euro stützen werden. Dies soll dazu führen, dass EURCHF über den Prognosezeitraum auf 0,93 steigt – unter der Annahme, dass die Ölpreise wieder auf rund 70 Dollar pro Barrel zurückfallen.
