Singapurs US-Aktien-Programm startet mit enttäuschenden Handelsvolumina
Singapurs SDR-Programm für US-Aktien startet mit enttäuschenden Handelsvolumina.

Singapur wollte mit einem neuen Programm den Handel mit US-Aktien während der asiatischen Handelszeiten ermöglichen. Doch die ersten Wochen zeigen: Das Interesse der Anleger hält sich in sehr engen Grenzen.
Die Singapore Exchange (SGX) listete im Juli ihre ersten drei US-Aktien über das Programm für Singapur Depository Receipts (SDR) – darunter lokal denominierte Anteile von Grab, Sea Ltd und SpaceX. Doch die Handelszahlen sind ernüchternd. Seit der Notierung wechselten bis zum 18. September nur SDRs von SpaceX im Wert von rund 2,3 Millionen US-Dollar den Besitzer. Das ist ein verschwindend geringer Bruchteil des durchschnittlichen täglichen SGX-Umsatzes von umgerechnet etwa 1,6 Milliarden US-Dollar.
Zum Vergleich: In den USA wurden im selben Zeitraum SpaceX-Aktien im Wert von rund 336,6 Milliarden US-Dollar gehandelt. Der gesamte SpaceX-Handel in Singapur entspricht damit gerade einmal 0,0007 Prozent des US-Handelsvolumens. Auch bei Grab und Sea fällt die Bilanz ähnlich aus: Insgesamt wurden SDRs im Wert von rund 24 Millionen US-Dollar gehandelt – gegenüber 26 Milliarden US-Dollar in den USA.
Herausforderungen für das SDR-Programm
Das 2023 gestartete SDR-Programm ist Teil einer umfassenderen Strategie Singapurs, den heimischen Aktienmarkt zu stärken. Dieser hinkt dem Status der Stadt als einem der dynamischsten Finanzzentren Asiens seit Langem hinterher. Bislang umfasst das Programm 38 SDR-Notierungen, darunter auch thailändische, indonesische und Hongkonger Aktien. Die SGX betont, die SDRs böten Zugang zu globalen Unternehmen während der asiatischen Handelszeiten und seien nicht darauf ausgelegt, die Volumina der Heimatmärkte zu replizieren.
Doch das ausbleibende Interesse der Anleger hält die Liquidität niedrig. Chris Forbes, Leiter Asien und Naher Osten bei CMC Markets in Singapur, bezeichnete den Start der SDRs als „enttäuschend“. Seine Analyse fällt deutlich aus: „Sie sind zu spät zur Party gekommen. Alle anderen haben bereits Alternativen entwickelt.“
Tatsächlich haben Broker, Börsen und Kryptounternehmen weltweit auf die hohe Nachfrage nach US-Aktien reagiert und bieten Derivate sowie andere Produkte für den rund-um-die-Uhr-Handel an. Nasdaq und NYSE Arca bereiten die Einführung ihres 24-Stunden-Handelsprogramms für den 6. Dezember vor. Die London Stock Exchange will ihr eigenes Programm in der ersten Jahreshälfte 2025 starten.
Bekanntheitsgrad und fehlende Indexaufnahme als Hürden
Carmen Lee, Leiterin der Aktienforschung bei OCBC, sieht ein weiteres Problem: „Viele Investoren in Singapur sind mit SDRs noch immer nicht ganz vertraut.“ Zudem seien lokale Anleger normalerweise mit Unternehmen vertrauter, die direkt an der heimischen Börse notiert sind. Ein weiterer Nachteil: Die SDRs sind nicht in wichtigen Benchmarks wie dem Straits Times Index oder den MSCI-Indizes enthalten, was institutionelle Anleger abschrecken dürfte.
Luke Lim, Geschäftsführer des singapurischen Brokers Phillip Securities, der von der SGX mit der Erstellung von SDRs beauftragt wurde, zeigt sich dennoch zuversichtlich und erwartet weitere Einführungen. Die Unternehmen selbst – Grab, Sea und SpaceX – waren an den SDR-Listings nicht direkt beteiligt. Grab und Sea lehnten eine Stellungnahme ab, SpaceX reagierte nicht auf Anfragen.
Das Beispiel Singapur zeigt, wie schwierig es für regionale Börsen ist, sich einen Anteil an der globalen Nachfrage nach US-Aktien zu sichern – besonders wenn die Konkurrenz bereits etablierte Produkte bietet und die großen Börsen selbst auf einen 24-Stunden-Handel zusteuern.
