Serbiens Ölkonzern NIS erhält US-Sanktionsausnahme bis zum 11. Dezember
Die neue OFAC-Genehmigung erlaubt dem Unternehmen weitere Rohölimporte, bis der russische Mehrheitsanteil an MOL verkauft ist.

Der serbische Ölkonzern NIS hat eine neue Ausnahmegenehmigung gegen die US-Sanktionen erhalten. Sie gilt bis zum 11. Dezember. Das berichtete das staatliche Fernsehen RTS am Freitag. Die vorherige Genehmigung des US-Finanzministeriums für ausländische Vermögenswerte (OFAC) läuft an diesem Freitag aus.
Die neue Erlaubnis gestattet es NIS, weiter Rohöl zu importieren. Diese Regelung gilt so lange, bis der russische Mehrheitsanteil an dem Unternehmen an den ungarischen Energiekonzern MOL verkauft ist. MOL ist an der Budapester Börse unter dem Kürzel MOLB gelistet.
NIS betreibt die einzige Ölraffinerie Serbiens und deckt rund 80% der Marktnachfrage in Serbien ab. Damit ist das Unternehmen für die Energieversorgung des Landes von zentraler Bedeutung. Fällt die Raffinerie aus oder stocken die Rohöllieferungen, wirkt sich das unmittelbar auf den gesamten serbischen Markt aus.
Das OFAC sanktionierte NIS im Oktober 2025
Das OFAC hatte NIS im Oktober 2025 im Rahmen breiterer Maßnahmen gegen den russischen Energiesektor wegen des Krieges in der Ukraine sanktioniert. Seitdem hat das Amt mehrere Ausnahmeregelungen für NIS verlängert. Ziel dieser Verlängerungen ist es, die Veräußerung des kombinierten Anteils von 56% zu ermöglichen, den Russlands Gazprom Neft (MOEX: SIBN) und Gazprom (MOEX: GAZP) an dem Unternehmen halten.
Die Sanktionen treffen NIS also nicht wegen des eigenen Geschäfts, sondern wegen der russischen Eigentümerstruktur. Solange Gazprom Neft und Gazprom zusammen 56% an NIS halten, unterliegt der Konzern den US-Maßnahmen. Erst ein Verkauf dieses Anteils würde die Grundlage der Sanktionen beseitigen. Genau dafür wurden die Ausnahmegenehmigungen wiederholt verlängert.
Bei den Rohölimporten ist NIS breit aufgestellt. Das Unternehmen importiert Öl hauptsächlich aus Kasachstan, Aserbaidschan, Nigeria, Guyana, Norwegen, den USA, Libyen und Irak. Diese Vielfalt an Lieferquellen ist wichtig, weil die Raffinerie in Serbien kontinuierlich versorgt werden muss. Die neue Ausnahme erlaubt es NIS, diese Importe bis zum Verkauf des russischen Anteils fortzusetzen.
Bereits am 19.05.2026 berichtete aktien.news über neue US-Ausnahmen
Die jüngste Entscheidung fügt sich in eine Reihe früherer Berichte von aktien.news ein. Bereits am 19.05.2026 berichtete aktien.news, dass die USA eine neue Ausnahmegenehmigung für den Handel mit russischem Rohöl erteilt hatten. Das OFAC stellte damals eine sogenannte Generallizenz aus, die den Verkauf von russischem Rohöl und Mineralölprodukten erlaubte – sofern diese bereits auf Tanker geladen waren. Diese Regelung galt bis zum 17. Juni 2026.
Am selben Tag, dem 19.05.2026, berichtete aktien.news zudem, dass das US-Finanzministerium die Ausnahmeregelung von den Sanktionen für russisches Öl auf dem Seeweg um weitere 30 Tage verlängerte. Die Regelung war am Samstag ausgelaufen, bevor Washington sie erneut in Kraft setzte. Mehrere Länder hatten zuvor um mehr Zeit für den Kauf von russischem Öl gebeten. Hintergrund der Verlängerungsanträge war die angespannte Versorgungslage in der Golfregion, unter anderem durch den Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus.
Am 13.10.2026 berichtete aktien.news, dass die USA und Russland eine Vereinbarung getroffen hatten, die den globalen Dieselmarkt spürbar bewegte. US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass Russland seine Diesellieferungen auf den Weltmärkten deutlich ausweiten wird. Dafür setzte die US-Regierung vorübergehend Sanktionen gegen russische Kraftstoffe aus. Laut dem stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Alexander Nowak könnte Russland die Exporte bis Ende des Jahres auf 3,0 bis 3,5 Millionen Tonnen pro Monat steigern.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass Serbien rund 5.000 metrische Tonnen Diesel aus seinen staatlichen Reserven freigeben wird, um Engpässen entgegenzuwirken. Diese waren durch Unterbrechungen in der globalen Lieferkette entstanden, wie Energieministerin Dubravka Djedovic Handanovic mitteilte. Die weltweiten Dieselvorräte wurden durch die Kriege im Iran und in der Ukraine gestört, wodurch die Lagerbestände auf historische Tiefstände fielen und die Preise auf Rekordhöhen getrieben wurden.
Der geplante Verkauf an MOL entscheidet über das Ende der US-Sanktionen
Für Anleger ist die Meldung vor allem ein Signal für Kontinuität im serbischen Energiemarkt. Solange die Ausnahmegenehmigung gilt, kann NIS Rohöl importieren und die einzige Raffinerie des Landes weiter betreiben. Das reduziert kurzfristig das Risiko von Versorgungsengpässen in Serbien, die sich auch auf die regionale Energieversorgung auswirken könnten.
Interessant ist die Verbindung zum ungarischen Energiekonzern MOL, der an der Budapester Börse notiert ist. Der geplante Verkauf des 56%-Anteils von Gazprom Neft und Gazprom an MOL ist der eigentliche Kern der wiederholten Ausnahmeregelungen. Gelingt der Verkauf, würde die russische Beteiligung an NIS enden – und damit auch die Grundlage der US-Sanktionen gegen das Unternehmen. Bis dahin bleibt NIS auf befristete Genehmigungen angewiesen.
Anleger sollten beachten, dass die Ausnahmen stets befristet sind und mehrfach verlängert wurden. Jede Verlängerung ist nur eine Zwischenlösung, keine dauerhafte Befreiung von den Sanktionen. Die Unsicherheit über die künftige Eigentümerstruktur von NIS bleibt damit bestehen, bis der Anteilsverkauf tatsächlich vollzogen ist.
Der Verkauf des russischen Anteils bleibt der entscheidende Termin
Der maßgebliche Zeitpunkt bleibt der Verkauf des kombinierten Anteils von 56% an MOL. Die neue Genehmigung ist ausdrücklich daran geknüpft, dass NIS bis zu diesem Verkauf weiter Rohöl importieren darf. Konkrete Angaben dazu, wann der Verkauf abgeschlossen sein soll, enthält der Bericht des staatlichen Fernsehens RTS nicht.
Klar ist: Die aktuelle Ausnahme gilt bis zum 11. Dezember. Läuft sie aus, ohne dass der Verkauf vollzogen ist, müsste das OFAC erneut eine Verlängerung ausstellen, damit NIS weiter importieren kann. Beobachter richten ihren Blick daher auf zwei Dinge – den Fortgang des Anteilsverkaufs an MOL und die Frage, ob das OFAC die Genehmigung ein weiteres Mal verlängert.
Drei zentrale Begriffe ordnen die Sanktionsmeldung ein
- OFAC: Das Office of Foreign Assets Control ist eine Behörde des US-Finanzministeriums, die Sanktionen gegen ausländische Personen, Unternehmen und Staaten verwaltet.
- Generallizenz: Eine allgemeine Ausnahmegenehmigung, die bestimmte ansonsten verbotene Geschäfte unter festgelegten Bedingungen erlaubt.
- Rohölraffinerie: Eine Anlage, in der Rohöl zu Produkten wie Benzin, Diesel oder Heizöl weiterverarbeitet wird.
