BP: Gewinnsprung im dritten Quartal dank Ölpreis und Raffineriemargen
Der britische Ölkonzern übertrifft die Analystenerwartungen deutlich, die Aktie legt zu, doch neue Aktienrückkäufe bleiben aus.

BP hat im dritten Quartal einen deutlichen Gewinnsprung erzielt. Der bereinigte Nettogewinn stieg auf knapp 8,5 Milliarden US-Dollar, nach 2,21 Milliarden US-Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das teilte der britische Ölkonzern am Freitag in London mit. Betrachtet wurde der Zeitraum der drei Monate bis Ende September.
Mit diesem Ergebnis übertraf BP die Erwartungen der Analysten deutlich. Als wichtigste Treiber gelten hohe Ölpreise und gestiegene Raffineriemargen. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung: Mehr als die Hälfte des Gewinns stammt aus dem Raffinerie- und Handelsgeschäft und damit nicht aus der reinen Förderung.
An der Börse kam die Nachricht gut an. Die BP-Aktie legte knapp 2 Prozent zu. Einen Dämpfer gab es allerdings bei der Kapitalrückgabe: BP kündigte keine weiteren Aktienrückkäufe an – anders als Wettbewerber, die solche Schritte bereits beschlossen haben.
Die Details
Der bereinigte Nettogewinn von knapp 8,5 Milliarden US-Dollar entspricht knapp 7,6 Milliarden Euro. Damit hat sich das Ergebnis im Jahresvergleich mehr als verdreifacht. Für den Sprung sorgen gleich mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.
Der Ölpreis liegt aktuell über 100 Dollar je Barrel. Die Kraftstoffpreise sind sogar noch stärker gestiegen als der Rohölpreis. Das erklärt, warum BP und andere Ölkonzerne wie Shell von der Preisentwicklung überdurchschnittlich profitieren. Die Raffinerien arbeiten nahezu an ihrer Kapazitätsgrenze – ein Umstand, der die Margen zusätzlich stützt.
Hinzu kommen Störungen auf der Angebotsseite. Der Iran-Krieg und ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien verknappen das Angebot an raffinierten Produkten. Die Schifffahrt weicht deshalb auf andere und längere Routen aus, was die Transportwege verlängert. Zugleich überbrückt die Freigabe strategischer und kommerzieller Reserven zeitweise die entstandenen Versorgungslücken.
An der Unternehmensspitze steht seit April Meg O'Neill – die erste Frau an der Spitze von BP. Sie hat seither damit begonnen, Kosten zu senken, Vermögenswerte zu verkaufen und Schulden abzubauen. In der Mitteilung zu den Quartalszahlen ordnet sie das Umfeld ein: "Wir leben in dynamischen Zeiten, in denen Volatilität und Störungen der Handelsströme weiterhin die Energiemärkte prägen".
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen setzen eine Serie starker Ergebnisse fort. Bereits am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass BP seinen Gewinn im ersten Quartal 2026 mehr als verdoppelt hat. Als treibende Kraft galt damals der starke Anstieg der Ölpreise seit Ausbruch des Iran-Krieges. BP wies für den Zeitraum von Januar bis März einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar aus, nach 1,38 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
Am selben Tag meldete aktien.news weitere Details: Der bereinigte Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten lag im ersten Quartal bei 3,2 Milliarden US-Dollar und übertraf die Analystenerwartungen von 2,67 Milliarden Dollar. Treiber war vor allem die Ölhandelseinheit des Konzerns, die in der Sparte "Customers and Products" angesiedelt ist.
Am 05.08.2026 folgte der nächste Bericht: BP übertraf mit einem bereinigten Gewinn von 5,73 Milliarden US-Dollar für das zweite Quartal 2026 die Analystenprognosen von 5,11 Milliarden Dollar deutlich – ein Plus von über 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es war das stärkste Quartalsergebnis des Konzerns seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022. Auch damals wirkten der Iran-Krieg und außergewöhnlich starke Raffineriemargen als Rückenwind.
Und am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass auch der französische Konzern TotalEnergies für das dritte Quartal einen massiven Gewinnsprung erwartete. Grund war die Raffineriemarge, die sich laut TotalEnergies fast vervierfacht haben dürfte – auf 33,2 Dollar je Barrel nach 8,4 Dollar je Barrel im Vorjahreszeitraum. Hintergrund war die faktische Schließung der Straße von Hormus als eine der wichtigsten Öltransportrouten. Auch Shell stellte damals eine Rekord-Raffineriemarge in Aussicht.
Was das für Anleger bedeutet
Die BP-Zahlen machen deutlich, wie stark das Ergebnis eines Ölkonzerns von zwei Größen abhängt: dem Rohölpreis und der Raffineriemarge. Beide sind derzeit außergewöhnlich hoch, weil geopolitische Konflikte das Angebot verknappen. Das erklärt den Gewinnsprung – verweist aber zugleich auf die Abhängigkeit von einem Umfeld, das sich schnell ändern kann.
Für Privatanleger lohnt daher ein genauer Blick auf die Zusammensetzung des Gewinns. Ein großer Teil stammt aus dem Raffinerie- und Handelsgeschäft, also aus Bereichen, die besonders stark auf Preisschwankungen reagieren. Diese Erlöse können in ruhigeren Marktphasen wieder sinken. Die reine Förderung liefert dagegen stabilere, aber weniger spektakuläre Beiträge.
Ein zweiter Punkt ist die Kapitalrückgabe. Aktienrückkäufe stützen den Kurs, weil sie die Zahl der ausstehenden Aktien verringern. Dass BP diesmal keine weiteren Rückkäufe ankündigte, während Wettbewerber solche Schritte beschlossen haben, ist für Anleger ein wichtiges Signal zur Verwendung der hohen Erlöse. Die Aktie legte trotzdem knapp 2 Prozent zu – der Markt bewertete das operative Ergebnis also positiv.
Wer in Ölwerte investiert, sollte zudem die langfristige Strategie im Blick behalten. Der Konzern arbeitet unter seiner neuen Chefin an Kostensenkungen, dem Verkauf von Vermögenswerten und dem Schuldenabbau. Diese Maßnahmen zielen auf eine robustere Bilanz – ein Thema, das in Phasen hoher Gewinne oft in den Hintergrund tritt, in schwächeren Zeiten aber entscheidend wird.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Am 15. Dezember will Meg O'Neill ein strategisches Update vorlegen. Dort dürfte der Konzern darlegen, wie es mit Kostenprogramm, Vermögensverkäufen und Schuldenabbau weitergeht. Für Anleger ist dieses Datum deshalb besonders relevant, weil es Aufschluss über die künftige Ausrichtung von BP geben wird. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie sich Ölpreis und Raffineriemargen entwickeln.
Kurz erklärt
- Raffineriemarge: die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und dem Erlös für daraus hergestellte Produkte wie Benzin oder Diesel.
- Bereinigter Nettogewinn: ein um Sondereffekte bereinigter Gewinn, der die operative Entwicklung eines Konzerns besser vergleichbar macht.
- Aktienrückkauf: der Erwerb eigener Aktien durch ein Unternehmen, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Anteile verringert.
- Barrel: das international gebräuchliche Mengenmaß für Rohöl.
