BP-Gewinn im dritten Quartal fast vervierfacht dank starker Raffineriemargen
Der Ölkonzern meldet 8,5 Milliarden Dollar zugrunde liegenden Gewinn und übertrifft die Analystenerwartungen von 6,191 Milliarden Dollar deutlich.

Der britische Ölkonzern BP hat am Freitag die Erwartungen für das dritte Quartal deutlich übertroffen. Volatile Energiemärkte und hohe Verarbeitungsmargen ließen den Gewinn im Jahresvergleich fast auf das Vierfache steigen. BP meldete einen zugrunde liegenden Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten (underlying replacement cost profit) von 8,5 Milliarden Dollar – ein Wert, der im Markt als Näherung für den Nettogewinn herangezogen wird.
Damit übertraf der Konzern den von Analysten im Konsens der Datenplattform LSEG prognostizierten Wert von 6,191 Milliarden Dollar deutlich. Im Vorjahr hatte BP an dieser Stelle 2,2 Milliarden Dollar ausgewiesen. Nach Angaben des Unternehmens spiegelt das Ergebnis vor allem die bessere Performance im Gas- und Marketing-Trading sowie „deutlich höhere“ realisierte Verarbeitungsmargen wider.
Verarbeitungsmargen bezeichnen den Gewinn, der aus der Umwandlung von Rohöl in Produkte wie Diesel, Kerosin und Benzin entsteht. Sie sind derzeit außergewöhnlich hoch. Die Wettbewerber Shell und TotalEnergies hatten bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass ihre Verarbeitungsmargen historisch hohe Niveaus erreicht haben.
Die Details
Im Zentrum des Quartalsergebnisses steht die Raffinerieperformance. BP-Chef O’Neill bezeichnete die Verarbeitungsmarge des Konzerns für das Quartal in der CNBC-Sendung „Squawk Box Europe“ als „unglaublich stark“. Sie habe bei 46,7 Dollar pro Barrel gelegen und deute „auf die Nachfrage nach unseren produzierten Produkten“ hin. Unterstützt wurde dies laut O’Neill durch eine Raffinerieverfügbarkeit von über 96 Prozent.
Auf der Ebene der Bilanz zeigt sich ebenfalls eine deutliche Verbesserung. Der operative Cashflow belief sich in den ersten neun Monaten des Jahres auf 28,55 Milliarden Dollar, gegenüber 16,89 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Die Nettoverschuldung sank im selben Zeitraum von 26,05 Milliarden Dollar auf 13,87 Milliarden Dollar.
Hinter dem starken Raffinerieergebnis stehen Angebotsengpässe. Ausfälle und Schäden an Raffinerien infolge globaler Konflikte – vom russisch-ukrainischen Krieg bis zum Nahen Osten – haben in diesem Jahr zu Engpässen auf den globalen Kraftstoffmärkten geführt. Dadurch sind die Preise für raffinierte Produkte im Verhältnis zu Rohöl stark gestiegen. Die Prämie für raffinierte Produkte gegenüber Rohöl liegt nach wie vor auf einem Zehnjahreshoch.
Auch die Benchmark-Rohölpreise waren in diesem Jahr extrem volatil. Händler reagierten schnell auf unvorhersehbare Nachrichtenströme aus dem Krieg zwischen den USA und Israel sowie Iran; die Notierungen liegen nach wie vor nahezu doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Analysten hinterfragen zunehmend, wann und ob die hohen Energiepreise letztlich zur Zerstörung der Nachfrage führen werden. Ein solcher Nachfrageeinbruch würde den Druck auf die knappkapazitären Raffinerien entlasten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen setzen eine Reihe starker Quartale fort. Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass BP für das zweite Quartal 2026 einen bereinigten Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten von 5,73 Milliarden US-Dollar gemeldet hatte. Damit übertraf das Unternehmen die Analystenprognosen von 5,11 Milliarden Dollar deutlich und verzeichnete ein Plus von über 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es war das stärkste Quartalsergebnis des Konzerns seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022.
Noch weiter zurück liegt der Bericht vom 28.04.2026. Damals meldete BP für das erste Quartal 2026 einen bereinigten Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten von 3,2 Milliarden US-Dollar – mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorquartal, in dem lediglich 1,54 Milliarden Dollar ausgewiesen wurden. Analysten hatten im Konsens mit 2,67 Milliarden Dollar gerechnet. Treiber war vor allem die Ölhandelseinheit des Konzerns in der Sparte „Customers and Products“, die einen Quartalsgewinn von 2,5 Milliarden Dollar nach 1,4 Milliarden Dollar im Vorquartal erzielte.
Am 14.07.2026 berichtete aktien.news, dass BP für das zweite Quartal deutlich höhere Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sowie stark gestiegene Raffineriemargen erwartete. Zugleich sank die Nettoverschuldung bis Ende Juni auf 22 bis 23 Milliarden Dollar – nach noch 25,3 Milliarden Dollar Ende März. Bis Ende des kommenden Jahres sollte der Schuldenberg weiter auf 14 bis 18 Milliarden Dollar schrumpfen.
Erst am 13.10.2026 folgte ein Handels-Update für das dritte Quartal. Darin kündigte BP erhebliche Netto-Wertberichtigungen in den Sparten Gas und kohlenstoffarme Energie an, die nach Steuern zwischen 3,0 Milliarden und 4,5 Milliarden Dollar liegen sollten. Ursache waren Umstrukturierungen in diesen Bereichen. Gleichzeitig stellte der Konzern einen signifikanten Abbau der Nettoverschuldung in Aussicht. Die vollständigen Ergebnisse für den Zeitraum bis zum 30. September sollten am 30. Oktober vorgelegt werden.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist das Ergebnis vor allem vor dem Hintergrund der veränderten Unternehmensstrategie relevant. BP hatte im vergangenen Jahr eine neue Strategie angekündigt, die vorsieht, dass sich der Energiekonzern wieder stärker auf seine traditionellen Öl- und Gasgeschäfte konzentriert und sich von Erneuerbaren Energien abwendet. Zudem wurde eine Konsolidierung der Führungsstruktur und eine Schuldenreduzierung bekannt gegeben.
O’Neill sagte am Freitag gegenüber CNBC, BP konzentriere sich darauf, die Bilanz zu stärken, um Aktionären „das Vertrauen zu geben, dass sie durch den Zyklus hinweg belohnt werden können“. Dazu gehöre auch die Erfüllung finanzieller Verpflichtungen, einschließlich der 5,9 Milliarden Dollar, die BP noch der US-Regierung und Bundesstaaten für Vergleiche im Zusammenhang mit der Ölpest der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010 schulde. Sie kündigte an, dafür zusätzliches Geld zurückzuhalten (Ringfencing).
Zu beachten ist, dass die hohen Raffineriemargen ein zyklischer Faktor sind. Sie hängen maßgeblich von Ausfällen und geopolitischen Konflikten ab. Analysten stellen bereits die Frage, ob und wann die hohen Energiepreise die Nachfrage brechen – ein Szenario, das die Margen wieder sinken ließe. Die weitere Entwicklung dürfte daher stark davon abhängen, wie lange die angespannte Lage auf den globalen Kraftstoffmärkten anhält.
Ausblick
BP hat sich zum Ziel gesetzt, die Bilanz weiter zu stärken. Aus dem Handels-Update vom 13.10.2026 geht hervor, dass der Konzern einen signifikanten Abbau der Nettoverschuldung erwartet. Bereits im Juli 2026 hatte BP in Aussicht gestellt, den Schuldenberg bis Ende des kommenden Jahres auf 14 bis 18 Milliarden Dollar zu drücken.
Darüber hinaus will BP die 5,9 Milliarden Dollar für die Vergleiche im Zusammenhang mit der Deepwater-Horizon-Ölpest bedienen und dafür zusätzliche Mittel zurücklegen. Ob und wann die außergewöhnlich hohen Raffineriemargen nachgeben, hängt aus Sicht der Analysten davon ab, ob die hohen Energiepreise die Nachfrage dämpfen.
Kurz erklärt
- Underlying Replacement Cost Profit: Bereinigter Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten, der im Ölsektor als Näherung für den Nettogewinn dient.
- Raffineriemarge: Der Gewinn, der aus der Verarbeitung von Rohöl zu Produkten wie Diesel, Kerosin oder Benzin entsteht.
- Nettoverschuldung: Die um liquide Mittel bereinigte Gesamtschuld eines Unternehmens.
- Ringfencing: Das Zurücklegen oder Separieren von Mitteln für einen fest definierten Zweck.
