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Schneider Electric kauft PTC und wird zum Siemens-Rivalen

Der französische Industriekonzern übernimmt die US-Softwarefirma für mehr als 21 Milliarden Euro und baut sein Automatisierungsgeschäft aus.

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Schneider Electric kauft PTC und wird zum Siemens-Rivalen

Schneider Electric kauft die US-Softwarefirma PTC für mehr als 21 Milliarden Euro. Mit dem Zukauf will der französische Industriekonzern sein Automatisierungs- und Softwaregeschäft deutlich stärken und seine Kompetenz bei künstlicher Intelligenz und Software ausbauen. Damit tritt Schneider in direkte Konkurrenz zu Siemens im Geschäft mit Product Lifecycle Management (PLM), also Software für die Verwaltung von Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus.

An der Börse kam der Schritt zunächst schlecht an: Die Schneider-Aktie verlor am Montag zehn Prozent. Das ist ein spürbarer Dämpfer für ein Papier, das in den vergangenen drei Jahren mehr als 90 Prozent zugelegt hat. Der französische Leitindex CAC 40 legte im selben Zeitraum rund 20 Prozent zu.

Schneider Electric war lange vor allem für Sicherungen und Schutzschalter bekannt. Heute liefert der Konzern die Infrastruktur für Rechenzentren – von der Kühlung über Serverschränke bis zur Stromverteilung. Genau diese Nachfrage, vor allem aus den USA, treibt Gewinn und Umsatz. Im Softwaregeschäft war das Unternehmen dagegen bislang schwach aufgestellt. Diese Lücke im eigenen Portfolio soll der PTC-Kauf schließen.

Die Details

PTC beschäftigt 7000 Mitarbeiter und entwickelt Software für Produktentwicklung, Fertigung und Wartung. Schneider Electric bietet 205 Dollar je PTC-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 42,3 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Der Kaufpreis liegt damit bei mehr als 21 Milliarden Euro. Rechnet man die erwarteten jährlichen Einsparungen von 250 Millionen Euro ein, will Schneider einen Teil des Preises über Synergien zurückholen.

Finanziert werden soll die Transaktion nach Angaben des Unternehmens durch Eigenkapital und neue Schulden. Der Zukauf ist Teil einer ganzen Serie: Bereits im Juni kaufte Schneider die norwegische Industriesoftware-Firma Cognite für 2,8 Milliarden Euro. Im September folgte die bulgarische Shelly Group, ein Spezialist für Smart-Home-Geräte, für 1,2 Milliarden Euro.

Das operative Geschäft läuft dabei rund. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz organisch um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach einem Rekordhalbjahr hob der Konzern seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr an. Konzernchef Olivier Blum spricht von "das branchenweit umfassendste Software- und KI-Powerhouse", das sein Unternehmen mit dem Zukauf aufbaue.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Rechenzentrum-Nachfrage ist schon länger der Wachstumsmotor. Bereits am 26.02.2026 berichtete aktien.news, dass Schneider Electric im vierten Quartal 2025 die Erwartungen der Analysten übertroffen habe: Der Umsatz stieg organisch um 10,7 Prozent auf 11,10 Milliarden Euro und lag damit über der Analystenprognose von 10,90 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITA für das Gesamtjahr erreichte 7,52 Milliarden Euro und übertraf den Konsens von 7,48 Milliarden Euro. Im reinen Rechenzentrumgeschäft verzeichnete das Unternehmen ein dreistelliges Nachfragewachstum im Jahresvergleich.

Auch auf der Finanzierungsseite war Schneider zuletzt aktiv. Am 04.06.2026 meldete aktien.news die geplante Emission von Wandelanleihen im Wert von 800 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2034. Die Transaktion setzte auf die starke Kursentwicklung der eigenen Aktie, die zuvor auf ein Rekordhoch gestiegen war.

Beim jüngsten Zukauf in Europa ging es Schritt für Schritt. Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Shelly Group bereit sei, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von 70 Euro je Aktie zu unterstützen. Auf dieser Basis belief sich der Unternehmenswert laut Bloomberg auf rund 1,27 Milliarden Euro. Das Angebot sollte von einer Tochtergesellschaft ausgehen, die mittelbar vollständig im Besitz von Schneider Electric ist, und war an Bedingungen geknüpft – unter anderem an eine Mindestannahmequote von 95 Prozent der ausgegebenen Aktien.

Der Wettbewerber rüstet ebenfalls auf. Am 29.09.2026 berichtete aktien.news über Siemens, der sich unter Konzernchef Roland Busch mit der Strategie "One Tech Company" neu ausrichtet und dabei die sogenannte physische KI in den Mittelpunkt stellt – den Einsatz künstlicher Intelligenz in Robotern und Maschinen. Die Sparte Digital Industries bündelt Automatisierung und Industriesoftware und bildet das Herzstück des Umbaus. Siemens-Vorstandsmitglied Cedrik Neike sieht den Turnaround seiner Sparte als geschafft an.

Die Personalie an der Konzernspitze erklärt einen Teil der neuen Gangart. Jean-Pascal Tricoire führte Schneider Electric 17 Jahre lang ab 2006 und fokussierte den Konzern auf Energiemanagement und Industrieautomatisierung. Auf ihn folgte Peter Herweck, ein ehemaliger Siemens-Manager, der abrupt entlassen wurde. In Marktkreisen wird vermutet, dass er zu wenig auf Übernahmen in Wachstumssegmenten gesetzt hatte. Sein Nachfolger Blum kauft nun fast im Monatsrhythmus zu. Hintergrund ist auch ein technologischer Trend: KI-Anwendungen werden zunehmend in physische Produkte, Maschinen, Prozesse und Energiesysteme integriert.

Was das für Anleger bedeutet

Der PTC-Kauf lässt sich als Reaktion auf die Siemens-Übernahme des US-Anbieters Altair lesen, mit der die Münchner ihren PLM-Bereich gestärkt haben. Neben Dassault gilt PTC als wichtigster Siemens-Wettbewerber in diesem Feld. Analyst Ben Uglow von Oxcap nennt den PTC-Kauf eine "All-In"-Wette auf Industriesoftware und äußert zugleich Zweifel: "Wo sollen die Synergien herkommen? Für das Zusammenspiel von Hard- und Software sind die bisher unbewiesen."

Für Anleger ist das ein wichtiger Hinweis. Schneider Electric war stark bei Hardware, aber schwach bei Software – die Übernahmen sollen dieses Ungleichgewicht korrigieren. Ob das gelingt, ist offen. Die Investmentbank JPMorgan weist darauf hin, dass große Übernahmen bei europäischen Investoren zunächst auf Skepsis stoßen. Der Kursrückgang am Montag passt in dieses Muster. Anleger sollten deshalb weniger auf die Ankündigung als auf die Integration achten: ob die versprochenen Einsparungen tatsächlich erzielt werden und ob das Softwaregeschäft die Erwartungen erfüllt.

Ein zweiter Punkt betrifft die Bilanz. Die Strategie kostet Geld und erhöht die Verschuldung – ein Risiko, das bei aller Wachstumsfantasie mitgelesen werden sollte. Zugleich bleibt der Konzern auf das Rechenzentrumsgeschäft angewiesen, das den Gewinn trägt. Wer die Aktie bewertet, muss beide Seiten zusammen betrachten.

Ausblick

Kurzfristig entscheidend bleibt das Rechenzentrumsgeschäft, vor allem die Nachfrage aus den USA. Sie hat zuletzt Gewinn und Umsatz getrieben und die Anhebung der Jahresprognose ermöglicht. Auf der anderen Seite steht Siemens: Die Sparte Smart verzeichnete laut Quelle Auftragseingänge von plus 40 Prozent, der Auftragsbestand liegt bei 132 Milliarden Euro. Siemens muss seinen Vorsprung halten.

Bei Siemens sieht man sich gut aufgestellt. Konzernchef Roland Busch sagte laut Quelle, das Momentum scheine anzuhalten. Schneider Electric will mit dem PTC-Kauf und den vorangegangenen Zukäufen den Anschluss in der Industriesoftware herstellen. Ob die Wette auf Industriesoftware aufgeht, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

Kurz erklärt

  • Product Lifecycle Management (PLM): Software, die alle Daten und Prozesse rund um die Entwicklung, Fertigung und Pflege eines Produkts verwaltet.
  • Wandelanleihe: festverzinsliches Wertpapier, das der Inhaber zu einem vorab festgelegten Preis in Aktien des Unternehmens umtauschen kann.
  • EBITA: Gewinnkennzahl vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte.
  • Organisches Wachstum: Umsatzwachstum aus eigener Kraft, ohne Zukäufe oder Währungseffekte.
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