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Schneider Electric kauft PTC für 22,6 Milliarden Dollar

Schneider Electric übernimmt den US-Softwarehersteller PTC für 22,6 Milliarden Dollar – mit einer Prämie von 42,3 Prozent auf den letzten Schlusskurs.

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Schneider Electric kauft PTC für 22,6 Milliarden Dollar

Der französische Industriekonzern Schneider Electric hat am Montag eine Einigung über die Übernahme des US-amerikanischen Herstellers von Industriesoftware PTC (Nasdaq:PTC) bekannt gegeben. Der Kauf erfolgt als reine Bargeldtransaktion und bewertet das Unternehmen auf etwa 22,6 Milliarden US-Dollar. Schneider Electric zahlt 205 US-Dollar pro PTC-Aktie.

Das entspricht einer Prämie von 42,3 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs von 144,03 US-Dollar vor Bekanntgabe des Deals, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Einschließlich Schulden und sonstiger Verbindlichkeiten bewertet die Transaktion PTC auf rund 23,7 Milliarden US-Dollar. Der Abschluss wird voraussichtlich im dritten Quartal 2027 erfolgen.

Der Zukauf fällt in eine Phase, in der Schneider Electric von einem Boom bei Investitionen in Rechenzentren im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz profitiert. Das französische Unternehmen hat seine Präsenz in Rechenzentren durch Produkte für Energiemanagement, Kühlung und andere Infrastrukturen ausgeweitet. Mit dem Deal baut der Konzern nun zugleich sein Softwaregeschäft für die Industrie aus.

Die Details

PTC entwickelt Software, die Herstellern dabei hilft, physische Produkte zu entwerfen, zu bauen und zu verwalten. Mit seinen Tools können Unternehmen Produkte digital erstellen, Ingenieur- und Produktinformationen verwalten sowie Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verfolgen. Schneider Electric erklärte, dass die Akquisition sein Portfolio an Industriesoftware ergänzen würde.

Zum bestehenden Portfolio zählen AVEVA sowie der vorgeschlagene Kauf von Cognite. Gemeinsam soll eine breitere Plattform entstehen, die Produktdesign, Engineering, Betrieb und Energiedaten verbindet. Schneider Electric erwartet, dass die Transaktion bis zum dritten Jahr jährliche Kostensynergien in Höhe von 250 Millionen Euro und Umsatzsynergien in Höhe von etwa 800 Millionen Euro generieren wird.

Das Unternehmen geht zudem davon aus, dass die Transaktion im ersten vollständigen Konsolidierungsjahr, vor Berücksichtigung der Kaufpreisallokation, den bereinigten Gewinn je Aktie sofort um niedrige einstellige Prozentpunkte erhöhen wird.

Neben PTC verfolgt Schneider Electric ein zweites Übernahmeziel: Das französische Unternehmen strebt den Kauf des bulgarischen Herstellers von Smart-Home-Geräten Shelly Group für 70 Euro pro Aktie an. Das entspricht einer Bewertung von rund 1,27 Milliarden Euro. Das Angebot für Shelly, das einer Prämie von etwa 4 Prozent gegenüber dem Aktienkurs vor der Bekanntgabe entspricht, ist davon abhängig, dass mindestens 95 Prozent der Anteile des Unternehmens erworben werden und die behördlichen Genehmigungen erteilt werden.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Transaktionen stehen in einer Reihe von Meldungen, die aktien.news in den vergangenen Monaten zum französischen Konzern veröffentlicht hat. Bereits am 26.02.2026 berichtete aktien.news, dass Schneider Electric im vierten Quartal 2025 die Erwartungen der Analysten übertraf: Der Umsatz stieg organisch um 10,7 Prozent auf 11,10 Milliarden Euro gegenüber einer Analystenprognose von 10,90 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITA für das Gesamtjahr erreichte 7,52 Milliarden Euro und lag damit über dem Konsens von 7,48 Milliarden Euro. Treiber des Wachstums war vor allem das Rechenzentrum-Segment, in dem Schneider ein dreistelliges Nachfragewachstum im Jahresvergleich verzeichnete. Das Unternehmen liefert für diese Infrastruktur unter anderem Kühleinheiten, Server-Racks und kritische Stromverteilungsanlagen.

Am 10.03.2026 meldete aktien.news, dass die US-Investmentbank J. P. Morgan europäische Unternehmen aus dem Elektrifizierungssektor als besonders gut positionierte Industriewerte identifizierte. Netzmodernisierung, Energiewende und der steigende Stromverbrauch gelten dabei als strukturelle Rückenwind für den gesamten Sektor. Besonders im Fokus stand Schneider Electric, das J. P. Morgan als einen der stärksten Akteure im Bereich Elektrifizierung hervorhob.

Auch die Finanzierung des Konzerns war bereits Thema: Am 04.06.2026 berichtete aktien.news, dass Schneider Electric SE die Emission von Wandelanleihen im Wert von 800 Millionen Euro (rund 930 Millionen US-Dollar) plante. Die neuen Wandelanleihen haben eine Laufzeit bis 2034. Der Konzern setzte damit auf die starke Kursentwicklung der eigenen Aktie, die zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegen war.

Zum Shelly-Engagement liegt ebenfalls eine frühere Meldung vor: Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Shelly Group bereit ist, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in Höhe von 70 Euro pro Aktie zu unterstützen. Auf dieser Basis belief sich der Unternehmenswert nach Angaben von Bloomberg auf rund 1,27 Milliarden Euro. Das Angebot soll von einer Tochtergesellschaft ausgehen, die mittelbar vollständig im Besitz von Schneider Electric ist. Die Investitionsvereinbarung sieht vor, dass diese Tochter das Angebot unter zwei Bedingungen startet: Mindestens 95 Prozent der ausgegebenen Aktien müssen erreicht werden.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Transaktion vor allem eine Wette auf zwei Trends: die Digitalisierung der Industrie und den wachsenden Strombedarf von Rechenzentren. Schneider Electric verbindet mit dem PTC-Kauf Software für Produktdesign und Engineering mit seinem bestehenden Geschäft rund um Energiemanagement und Automatisierung. Das Unternehmen erwartet, dass sich die Übernahme bereits im ersten vollständigen Konsolidierungsjahr positiv auf den bereinigten Gewinn je Aktie auswirkt – allerdings vor Berücksichtigung der Kaufpreisallokation, also vor möglichen Abschreibungen auf das erworbene Vermögen.

Auffällig ist die hohe Prämie von 42,3 Prozent auf den letzten Schlusskurs von PTC. Solche Aufschläge erhöhen den Rechtfertigungsdruck, die erwarteten Synergien tatsächlich zu heben. Schneider Electric veranschlagt jährliche Kostensynergien von 250 Millionen Euro und Umsatzsynergien von etwa 800 Millionen Euro bis zum dritten Jahr. Ob diese Ziele erreicht werden, dürfte für die Bewertung der Aktie entscheidend sein.

Hinzu kommt der Zeitfaktor: Der Abschluss wird erst im dritten Quartal 2027 erwartet. Anleger müssen also Geduld mitbringen, bis PTC vollständig in die Bilanz einfließt. Bei der Shelly-Übernahme hängt der Vollzug ausdrücklich von zwei Bedingungen ab – einer Beteiligung von mindestens 95 Prozent der Anteile und den behördlichen Genehmigungen. Das zeigt, dass aufsichtsrechtliche Hürden den Zeitplan beeinflussen können. Diese Einordnung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Der Konzern nennt konkrete Zeitpunkte und Ziele: Der PTC-Abschluss wird für das dritte Quartal 2027 erwartet. Die erwarteten Kostensynergien von 250 Millionen Euro und Umsatzsynergien von etwa 800 Millionen Euro sollen bis zum dritten Jahr anfallen. Die Steigerung des bereinigten Gewinns je Aktie um niedrige einstellige Prozentpunkte wird für das erste vollständige Konsolidierungsjahr in Aussicht gestellt. Beim Shelly-Angebot bleiben die beiden Bedingungen maßgeblich – mindestens 95 Prozent der Anteile sowie die behördlichen Genehmigungen.

Kurz erklärt

  • Bereinigter Gewinn je Aktie: Gewinn pro Aktie, bei dem Sondereffekte herausgerechnet werden, um die operative Ertragskraft vergleichbar zu machen.
  • Kostensynergien: Einsparungen, die durch den Zusammenschluss zweier Unternehmen entstehen, etwa beim Einkauf oder in der Verwaltung.
  • Kaufpreisallokation: Die buchhalterische Verteilung des Kaufpreises auf die übernommenen Vermögenswerte und Schulden, aus der sich Abschreibungen ergeben können.
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