Nippon Paint kauft AkzoNobel-Lacksparte in Südostasien für 1,35 Milliarden Dollar
Nippon Paint übernimmt AkzoNobels Dekorationslack-Geschäfte in Südostasien, Australien und Papua-Neuguinea für rund 1,35 Milliarden Dollar.

Die Aktien von Nippon Paint Holdings sind am Montag gestiegen, nachdem sich der japanische Lackhersteller auf den Kauf der Dekorationslack-Geschäfte von AkzoNobel in Südostasien, Australien und Papua-Neuguinea geeinigt hat. Das gab das Unternehmen laut einem Bericht von Investing.com bekannt. Die Papiere legten um 1% auf 1.169 Yen zu, blieben damit aber hinter der allgemeinen Entwicklung des japanischen Marktes zurück. Der Nikkei 225 gewann am Montag 2,28%.
Die Transaktion umfasst die Dekorationslack-Aktivitäten von AkzoNobel in Vietnam, Indonesien, Malaysia, Thailand, Singapur, Papua-Neuguinea und Australien. Sie entspricht einem Unternehmenswert von rund 1,35 Milliarden Dollar. Für Anleger ist vor allem die Bewertungsdifferenz interessant: AkzoNobel bewertete das Geschäft mit dem 21-fachen des EBITDA für 2025, während Nippon Paint den Kaufpreis auf etwa das 16-fache des prognostizierten EBITDA für 2026 ansetzte.
Laut Nippon Paint erzielten die übernommenen Geschäfte im Jahr 2025 einen Umsatz von 291 Millionen Dollar und ein EBITDA von 65 Millionen Dollar. Daraus ergibt sich eine EBITDA-Marge von etwa 22%. Nippon Paint gab an, dass die Übernahme nach Abschluss voraussichtlich gewinnsteigernd wirken wird. Das Unternehmen sieht Möglichkeiten zur Kosteneinsparung durch gemeinsame Beschaffung, Produktion und Logistik, durch Cross-Selling sowie durch niedrigere Gemeinkosten.
Finanzierung ohne Verwässerung
Die Übernahme soll durch Cash und Bankkredite finanziert werden, anstatt neue Aktien auszugeben. Dadurch wird eine sofortige Verwässerung für bestehende Aktionäre begrenzt. Für Investoren ist das ein wichtiger Aspekt, da Unternehmenszukäufe häufig über Kapitalerhöhungen finanziert werden und den Anteil der Altaktionäre verwässern.
Auch beim Zeitplan gibt es Besonderheiten. Die Transaktion in Indonesien wird voraussichtlich Ende 2026 separat abgeschlossen. Die restlichen Transaktionen werden Mitte 2027 erwartet, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Der Abschluss verteilt sich damit über mehrere Jahre und mehrere Jurisdiktionen, was die regulatorische Komplexität des Deals unterstreicht.
Ein Teilerfolg nach gescheitertem Großversuch
Der Deal markiert einen Teilerfolg für Nippon Paint. Das Unternehmen hatte zuvor versucht, das gesamte Dekorationslack-Geschäft von AkzoNobel zu übernehmen. Akzo hatte Angebote abgelehnt, die dieses breitere Geschäft mit etwa 7,5 Milliarden Euro bewerteten. Nippon Paint und Sherwin-Williams gaben zudem früher in diesem Jahr einen gemeinsamen Versuch auf, das gesamte Unternehmen zu übernehmen.
Mit dem nun vereinbarten Zukauf erweitert Nippon Paint seinen regionalen Fußabdruck in den südostasiatischen Wachstumsmärkten sowie in Australien und Papua-Neuguinea. Der japanische Konzern stärkt damit sein Standbein in einem Markt, der für die Bau- und Renovierungsbranche eine wichtige Rolle spielt. Die dekorative Lacksparte ist traditionell stark von der Bautätigkeit und dem privaten Renovierungsbedarf abhängig.
Für deutsche Anleger ist der Deal vor allem vor dem Hintergrund der Konsolidierung in der globalen Lackindustrie von Bedeutung. AkzoNobel gehört zu den weltweit führenden Anbietern, und die Abgabe von Regionalgeschäften zeigt, wie sich Wettbewerber auf rentable Kernmärkte konzentrieren. Nippon Paint baut sein Portfolio dagegen gezielt durch Zukäufe aus und setzt auf Skaleneffekte, um Margen zu verbessern. Ob die angestrebten Kosteneinsparungen tatsächlich realisiert werden, wird sich erst nach Abschluss der einzelnen Transaktionen zeigen.
