Russlands Zentralbank erhöht Leitzins auf 21 Prozent
Unerwartet starker Zinsschritt soll hartnäckige Inflation eindämmen

Die russische Zentralbank hat den Leitzins unerwartet stark angehoben und damit auf das höchste Niveau seit über zwei Jahrzehnten gebracht. Der Schlüsselsatz stieg um zwei Prozentpunkte auf nunmehr 21 Prozent, wie die Währungshüter am Freitag in Moskau mitteilten. Diese Entscheidung fiel stärker aus als von Ökonomen zuvor prognostiziert. Experten, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragt worden waren, hatten mit einer Anhebung gerechnet, jedoch lediglich auf 20 Prozent. Die Zentralbank signalisiert zugleich, dass weitere Zinserhöhungen auf der kommenden Sitzung nicht ausgeschlossen sind.
Die Maßnahme zielt darauf ab, die hartnäckig hohe Inflation in Russland in den Griff zu bekommen. Im September lag die Inflationsrate bei 9,8 Prozent und entfernte sich damit weiter vom Ziel der Zentralbank, das bei vier Prozent liegt. Mit der aktuellen Hochzinspolitik verfolgt die Notenbank das Ziel, die Teuerungsrate im kommenden Jahr auf vier bis 4,5 Prozent zu senken. Zentralbankchefin Elwira Nabiullina, die den Zinsschritt verkündete, zeigte sich entschlossen, die Inflationsrate durch strikte Maßnahmen zu dämpfen.
Die hohe Inflation ist ein Ergebnis verschiedener Faktoren, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben. Insbesondere die anhaltenden Auswirkungen des Konflikts in der Ukraine haben zu tiefgreifenden Veränderungen in der russischen Wirtschaft geführt. Präsident Wladimir Putin hat in diesem Zusammenhang die Industrie auf eine Art Kriegswirtschaft umgestellt, was das Preisgefüge stark beeinflusst hat. Die erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften hat dazu geführt, dass viele Unternehmen, die nicht zur Rüstungsindustrie gehören, hohe Löhne zahlen müssen, um ihre Belegschaft zu halten.
Wirtschaftsexperten warnen vor der Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation weiter anheizen könnte. In dieser Spirale steigen die Löhne und Preise gleichzeitig an, ohne dass eine echte Produktivitätssteigerung stattfindet. Die Zentralbank weist darauf hin, dass die Arbeitsproduktivität nicht im gleichen Maße zunimmt wie das Lohnwachstum, was langfristig ein Risiko für die wirtschaftliche Stabilität darstellt. Die Währungshüter stehen vor der Herausforderung, die Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Inflationsbekämpfung zu finden.
