Deutschlands Wirtschaft stagniert: IWF senkt Wachstumsprognose weiter
Schwache Konjunktur, Fachkräftemangel und Konsumflaute belasten die Prognosen für 2025

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland weiter gesenkt. Während die Weltwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr um knapp über drei Prozent wachsen soll, wird in Deutschland für das laufende Jahr kein Wachstum erwartet. Laut der neuesten Prognose des IWF wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2024 stagnieren, was im Vergleich zur vorherigen Vorhersage einer Verschlechterung von 0,2 Prozentpunkten entspricht. Damit zeigt Deutschland das schwächste Wachstum unter den führenden westlichen G7-Staaten. Für das Jahr 2025 rechnet der IWF mit einem geringen Anstieg von 0,8 Prozent, was ebenfalls um 0,5 Prozentpunkte unter den Prognosen vom Juli liegt.
Die deutsche Wirtschaft leidet laut IWF unter strukturellen Problemen wie dem Fachkräftemangel und einer Konsumzurückhaltung. Zudem belasten die Haushaltskonsolidierung und der Rückgang der Immobilienpreise die Wirtschaftsentwicklung. Diese Faktoren sorgen dafür, dass Deutschland im nächsten Jahr gemeinsam mit Italien das Schlusslicht in der Eurozone bilden könnte. Auch für die Eurozone insgesamt fallen die Aussichten des IWF schlechter aus als zuvor, was hauptsächlich auf die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland zurückzuführen ist.
Im Gegensatz zum IWF ist die deutsche Bundesregierung optimistischer. Sie erwartet für das kommende Jahr ein Wachstum von 1,1 Prozent und rechnet in diesem Jahr sogar mit einer leichten Rezession. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) teilt die Einschätzung der Bundesregierung weitgehend und prognostiziert ebenfalls ein Wachstum von rund einem Prozent für das Jahr 2025.
Für die Weltwirtschaft sieht der IWF hingegen stabilere, wenn auch nicht rosige, Aussichten. Ein Wachstum von 3,2 Prozent wird für dieses und nächstes Jahr erwartet. Allerdings weist der IWF auf Unsicherheiten und Risiken hin, die von geopolitischen Konflikten wie in der Ukraine und im Nahen Osten ausgehen. Gleichzeitig entspannen sich die Inflationsraten, die laut IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas ihren Höhepunkt im dritten Quartal 2022 erreicht hatten. Bis Ende 2025 könnte die globale Inflation auf 3,5 Prozent sinken, was unter dem Schnitt der letzten 20 Jahre vor der Pandemie liegt. Dies eröffnet Spielräume für mögliche Zinssenkungen in den Industriestaaten.
