Kontroverse um Lindners Altersvorsorgedepot
Versicherer warnen vor Risiken, Fondsanbieter loben höhere Renditechancen und Flexibilität

Das vom Bundesfinanzminister Christian Lindner vorgeschlagene Altersvorsorgedepot hat in der Finanzbranche eine Kontroverse ausgelöst. Versicherer und Fondsgesellschaften haben bis vor kurzem ihre Stellungnahmen zu der geplanten Reform der geförderten privaten Altersvorsorge abgegeben. Diese Reform wird nun in der Bundesregierung diskutiert, wobei das zentrale Thema das Altersvorsorgedepot ist, das höhere Renditechancen bieten soll. Durch die Einführung dieses Depots soll es Bürgern ermöglicht werden, verstärkt in Fonds, ETFs und Aktien zu investieren, was bisher aufgrund des höheren Risikos oft nicht erlaubt war.
Ein wesentlicher Punkt der Reform sieht vor, dass der Staat jeden eingezahlten Euro mit 20 Cent bezuschusst, bis zu einer jährlichen Höchstgrenze von 3000 Euro Eigenbetrag. Dadurch könnten maximal 600 Euro jährlich als staatliche Förderung gewährt werden. Zudem sollen ab 2030 Eigenbeiträge bis zu 3500 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Besonders für Eltern, junge Menschen und einkommensschwache Personen soll es zusätzliche Förderungen geben. Ein weiterer Aspekt der Reform betrifft die Steuerfreiheit in der Ansparphase, während Steuern erst in der Auszahlphase anfallen sollen.
Das geplante Altersvorsorgedepot soll langfristig die Riester-Rente ersetzen, welche Anfang der 2000er Jahre eingeführt wurde, um die gesetzliche Rente zu ergänzen. Bis heute wurden rund 16 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen, die meist mit Versicherungen oder versicherungsgebundenen Finanzprodukten gekoppelt sind. Das neue Modell setzt stärker auf Eigenverantwortung und ermöglicht es Sparern, auf ihr angespartes Kapital erst ab einem Alter von 62 oder 65 Jahren zuzugreifen.
Während die Fondsanbieter die geplanten Änderungen größtenteils positiv bewerten, kritisieren die Versicherer bestimmte Aspekte. Insbesondere die Abschaffung der Garantie auf eine lebenslange Rente stößt bei Versicherungsunternehmen auf Ablehnung. Sie argumentieren, dass diese Garantie den Sparern eine zuverlässige Altersabsicherung biete. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Versichererverbands GDV, Moritz Schumann, betonte, dass die Lebensversicherungen weiterhin die sicherste Lösung für die Altersvorsorge darstellten.
Demgegenüber betonen die Fondsanbieter die höheren Renditechancen von Investmentfonds und ETFs. Laut einer Studie des Fondsverbands BVI bieten Fondsrenten nicht nur höhere Renditen, sondern auch mehr Flexibilität als lebenslang garantierte Renten.
