Steigende Staatsschulden belasten ärmste Länder weltweit
IWF warnt vor wachsenden Schuldenlasten und begrenztem finanziellen Spielraum für Entwicklungsländer

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank befassen sich auf ihrer Jahrestagung intensiv mit dem Problem der weltweit steigenden Staatsschulden. Laut Prognosen des IWF wird die globale Verschuldung bis Ende 2024 die Marke von 100 Billionen US-Dollar überschreiten, was etwa 93 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Dieser Trend wird voraussichtlich bis zum Ende des Jahrzehnts anhalten, da vor allem China und die USA weiterhin hohe Schulden aufnehmen. Besonders betroffen sind dabei die ärmsten Länder, die durch steigende Zinsen stark belastet werden. Laut IWF-Chefin Kristalina Georgiewa schrumpft in Ländern mit niedrigem Einkommen der finanzielle Spielraum überproportional.
Entwicklungsländer müssen zunehmend höhere Zinsen zahlen, weil sie eine geringere Kreditwürdigkeit haben. Im Jahr 2022 zahlten sie 49 Milliarden US-Dollar mehr an ihre Gläubiger zurück, als sie an neuen Krediten erhielten. Gleichzeitig geben viele dieser Länder mehr für die Tilgung ihrer Schulden aus als für essenzielle Bereiche wie Gesundheit und Bildung. Ein Viertel der Länder weltweit befindet sich in dieser prekären Lage. Vor allem die ärmsten Länder stehen im Fokus des IWF, da ihre Schuldenkrise trotz internationaler Hilfsbemühungen in den letzten Jahren weiter eskaliert ist. Länder wie Mali haben im Verhältnis zu ihrem BIP zwar geringere Schulden als Industrienationen, jedoch ist ihre finanzielle Lage aufgrund höherer Zinssätze und fehlender wirtschaftlicher Stärke kritisch.
Ein weiteres Thema der Jahrestagung ist die Finanzierung des Kampfes gegen den Klimawandel. Der IWF und die Weltbank fordern in diesem Zusammenhang mehr Investitionen in Maßnahmen zur Stabilisierung des Wirtschaftswachstums. Gleichzeitig wird davor gewarnt, öffentliche Investitionen zu kürzen, da dies langfristig die Produktionskapazitäten und somit die wirtschaftliche Entwicklung gefährden könnte. Es gibt jedoch auch Reformansätze: Die Vereinten Nationen haben kürzlich eine Reform der internationalen Finanzarchitektur beschlossen, die Entwicklungsländern den Zugang zu Krediten erleichtern soll. Der „Pakt für die Zukunft“ fordert zudem eine gerechtere Verteilung der Entscheidungsbefugnisse in IWF und Weltbank, was die Position der Länder des Globalen Südens stärken soll.
Der IWF hat bereits angekündigt, die Kreditkosten für einige hochverschuldete Staaten zu senken, insbesondere durch eine Reduktion der Strafzinsen um 36 Prozent. Eine vollständige Abschaffung dieser Strafzinsen wird allerdings nicht erwartet.
