Russland wählt – doch der Wahlausgang steht bereits fest
Der Kreml inszeniert die Abstimmung, Dissens ist illegal – ein Sieg von Einiges Russland gilt als sicher.

Russland führt in dieser Woche seine erste Wahl für die 450 Sitze im Staatlichen Duma seit Beginn der großflächigen Invasion der Ukraine im Jahr 2022 durch. Der Ausgang steht bereits fest: Ein deutlicher Sieg der Kreml-Partei „Einiges Russland“ gilt als sicher. Die Unzufriedenheit mit dem Konflikt und der Wirtschaft steigt zwar, doch dies wird sich in den Wahlergebnissen nicht widerspiegeln.
Die Abstimmung wird vom Kreml stark inszeniert. Dissens in Russland ist illegal, und die einzige, sehr mäßig kriegskritische Partei wurde von der Stimmzettelliste gestrichen. Damit ist der Wahlausgang praktisch vorbestimmt. Die Wahlen sind Teil einer Reihe von demokratischen Ereignissen in diesem Herbst, zu denen auch die hart umkämpften US-Mittelwahlen im November gehören – ein Kontrast, der die fehlende politische Freiheit in Russland umso deutlicher macht.
Zentralbanken im Fokus: Fed, BoE und BoJ
Abseits der russischen Politik stehen drei bedeutende Zinsankündigungen der US-Notenbank Federal Reserve, der Bank of England und der Bank of Japan im Mittelpunkt der Ereignisse dieser Woche. Die steigenden Kosten für die Staatsverschuldung der USA haben den Druck auf Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh erhöht. Auch die besser als erwartet ausgefallenen August-Beschäftigungsdaten tragen dazu bei. Ein Ausbleiben einer Zinserhöhung am Mittwoch könnte als Nachgeben gegenüber dem Druck von Präsident Donald Trump gewertet werden.
Der Federal Open Market Committee hatte auf seiner letzten Sitzung im Juli beschlossen, den Zielbereich für den Leitzins für Übernachtkredite zwischen Banken bei 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Anhaltende wirtschaftliche Schwäche dürfte die Bank of England dazu bewegen, die britischen Zinssätze am Donnerstag bei 3,75 Prozent zu halten. Die Zukunft ist jedoch weniger sicher: Nach einer volatilen Woche erwarten Händler vier viertelprozentige Zinserhöhungen im kommenden Jahr, verglichen mit zwei Erhöhungen zu Wochenbeginn.
BoE-Gouverneur Andrew Bailey warnte Mitglieder des Treasury-Ausschusses im Unterhaus, dass Krieg und extreme Wetterereignisse einen weiteren Inflationsanstieg befeuern könnten. Diese Faktoren lassen einen Zinsanstieg bei der nächsten Sitzung am 5. November zunehmend wahrscheinlich erscheinen – nur wenige Tage nach der ersten Haushaltserklärung von Finanzminister John Healey.
Bank of Japan vor Zinserhöhung
Es wird erwartet, dass die Bank of Japan ihren Leitzinssatz am Freitag auf 1,25 Prozent anhebt. Die Erwartungen wurden durch die Veröffentlichung eines hawkischen Zusammenfassungsentwurfs geschürt. Die Zinsentscheider halten fest, dass die Risiken für die Inflation weiterhin nach oben gerichtet sind, das japanische Wirtschaftswachstum stark bleibt und die politische Einstellung weiterhin expansiv ist. Beobachter erwarten, dass die BoJ die Geldpolitik in diesem Jahr mindestens ein weiteres Mal verschärft.
Inflationsdaten und Unternehmensberichte
Inflation ist das Hauptthema der wirtschaftlichen Datenreihe dieser Woche. Es gibt Aktualisierungen für die EU, Großbritannien, Frankreich, Indien, Kanada und Japan, wobei allgemein mit Anstiegen gerechnet wird. Großbritannien veröffentlicht am Dienstag zudem seine neuesten monatlichen Beschäftigungszahlen. Die Earnings-Saison hat sich auf einen dünnen Strom verlangsamt. Der Gewinnwarnungsaufruf des Einzelhändlers Next wird genau beobachtet werden, um zu sehen, ob die herausragende Erfolgsgeschichte der britischen High Street ihre Fähigkeit, die Erwartungen zu übertreffen, fortsetzen kann.
Weitere Ereignisse der Woche
Neben den Finanzmärkten gibt es zahlreiche weitere Ereignisse: Die IAEA-Generalversammlung beginnt in Wien, das Europäische Arktis-Gipfeltreffen findet in Rovaniemi statt, und die WTO veröffentlicht ihren Welthandelsbericht. In Deutschland startet das 191. Oktoberfest in München, und es finden Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin sowie im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern statt. Die London Fashion Week beginnt, und die NATO-Militärausschuss-Konferenz tagt in Kopenhagen.
