Bank of America warnt: Investmentbanking-Gebühren brechen deutlich ein
CEO Moynihan prognostiziert über zehn Prozent weniger Gebühren – Bankaktien geraten unter Druck.

Die Bank of America (BofA) hat die Erwartungen für das dritte Quartal gedämpft und damit für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. Wie CEO Brian Moynihan auf der Barclays Global Financial Services Conference mitteilte, dürften die Gebühren im Investmentbanking im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als zehn Prozent auf 1,6 bis 1,8 Milliarden US-Dollar sinken. Im Vorjahr lagen diese noch bei zwei Milliarden US-Dollar.
Die Erträge aus dem Handelsgeschäft werden voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres von 5,4 Milliarden US-Dollar stagnieren. Diese Prognose steht in starkem Kontrast zum zweiten Quartal, in dem die Bank noch einen Anstieg der Investmentbanking-Gebühren um 50 Prozent und der Handelserträge um 33 Prozent verzeichnet hatte. Die Ankündigung löste einen Kursrutsch bei Bankaktien aus; die Aktie der Bank of America verlor 5,14 Prozent, während der S&P 500 Banks Index um 2,7 Prozent nachgab.
Branchenweite Abkühlung oder Einzelfall?
Analysten diskutieren nun, ob es sich um ein spezifisches Problem der BofA oder um ein Anzeichen für eine branchenweite Abkühlung handelt. Daten von Jefferies vom 3. September stützen die Sorge vor einer breiteren Schwäche: Die aggregierten Erträge von acht großen globalen Banken lagen bereits 15 Prozent unter dem Vorjahreswert und 27 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals.
Als Hauptursachen für die Flaute gelten eine allgemeine Marktabkühlung, rückläufige Finanzierungsaktivitäten – insbesondere im Bereich Asia Prime Brokerage – sowie die Auswirkungen der „Higher-for-longer“-Zinspolitik auf die Transaktionspipelines. Dennoch bleibt die Lage heterogen: Während Citigroup-CFO Gonzalo Luchetti für das dritte Quartal ein leichtes Wachstum im Investmentbanking („low-single-digit“) und im Handel („mid-single-digit“) in Aussicht stellte, konnte die Royal Bank of Canada (RBC) mit einem Rekordergebnis im Kapitalmarktgeschäft (plus 16 Prozent im Jahresvergleich) glänzen, was auf die Stärke des Rohstoffsektors zurückzuführen ist.
Divergenz zwischen den großen Banken
Strukturell zeigt sich eine zunehmende Divergenz: Goldman Sachs und JPMorgan gelten aufgrund ihrer breiten Aufstellung in der M&A-Beratung und ihrer dominanten Positionen im Bereich Equity Capital Markets (ECM) weiterhin als „sichere Häfen“. Gleichzeitig verlieren europäische Banken laut Goldman Sachs weiter an Boden; die drei größten US-Banken sind mittlerweile 2,5- bis 5-mal so groß wie ihre europäischen Pendants im Aktiengeschäft.
Trotz der aktuellen Turbulenzen betonte Moynihan, dass die Pipeline für Transaktionen, insbesondere im Mittelstand, weiterhin robust sei. Dies wirft die Frage auf, ob der jüngste Boom im Kapitalmarktgeschäft lediglich eine kurzfristige Korrektur erfährt. Für Anleger bleibt die Lage angespannt: Die Signale aus den USA deuten auf eine mögliche Branchenkonsolidierung hin, während die weitere Zinsentwicklung und die wirtschaftliche Dynamik die entscheidenden Faktoren für die zweite Jahreshälfte sein dürften.
