Rohstoffmärkte brechen ein: Gold, Silber und Öl unter massivem Druck
Fed-Personalentscheidung und Iran-Entspannung lösen heftige Verkaufswelle aus. Edelmetalle verlieren zweistellig.

Die globalen Rohstoffmärkte erlebten am Montag einen dramatischen Einbruch. Gold fiel um fast 4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit vier Wochen, während Silber knapp 5 Prozent verlor. Rohöl gab mehr als 4 Prozent nach und auch Industriemetalle wie Kupfer verzeichneten Verluste von 4 Prozent an der London Metal Exchange.
Auslöser der Verkaufswelle war die Ernennung von Kevin Warsh zum künftigen Fed-Vorsitzenden durch US-Präsident Donald Trump am Freitag. Warsh, ein ehemaliger Gouverneur der Federal Reserve, gilt als Inflationsfalke und wird nicht die erwartete aggressive Lockerung der Geldpolitik verfolgen. Diese Entscheidung stärkte den US-Dollar erheblich und machte Rohstoffe für internationale Investoren deutlich teurer.
"Ein stärkerer US-Dollar erhöht den Druck auf Edelmetalle und andere Rohstoffe, einschließlich Öl und Basismetalle", erklärte Vivek Dhar, Rohstoffstratege bei der Commonwealth Bank of Australia. Eine restriktive Fed-Politik bedeutet längerfristig höhere Zinsen, was die Opportunitätskosten für das Halten von Gold und Silber erhöht.
Historischer Absturz bei Edelmetallen
Die Verluste hatten bereits am Freitag begonnen, als Gold den stärksten eintägigen Rückgang seit 1983 verzeichnete – ein Minus von über 9 Prozent. Silber brach sogar um 27 Prozent ein, der größte Tagesverlust seit Beginn der Aufzeichnungen. Zuvor waren beide Metalle im Januar auf Rekordhöhen geklettert: Gold um 30 Prozent, Silber sogar um 71 Prozent.
Die CME Group verschärfte die Situation zusätzlich durch eine Erhöhung der Margin-Anforderungen für Metall-Futures ab Börsenschluss am Montag. Diese Maßnahme zwingt Händler, mehr Kapital zu hinterlegen, was häufig zur Auflösung von Positionen führt. "Das Ausmaß der Positionsauflösung bei Gold habe ich seit der globalen Finanzkrise 2008 nicht mehr erlebt", sagte Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG.
Entspannung im Iran-Konflikt belastet Ölpreise
Die Energiemärkte gerieten durch mehrere Faktoren unter Druck. Milderes Wetter in den USA reduzierte die Nachfrage, während Anzeichen einer Entspannung zwischen Washington und Teheran die geopolitische Risikoprämie schmälerten. Trump erklärte am Wochenende, der Iran führe "ernsthafte Gespräche" mit den USA.
Zudem berichteten iranische Quellen, dass die Revolutionsgarden keine Schießübungen mit scharfer Munition in der strategisch wichtigen Straße von Hormus planen. Diese Nachrichten beruhigten die Märkte und ließen die Ölpreise von ihren Mehrmonatshochs zurückfallen.
Industriemetalle leiden unter China-Sorgen
Kupfer und Eisenerz standen zusätzlich unter Druck durch Sorgen um die chinesische Nachfrage. Hohe Lagerbestände und gedämpfte Aktivität vor dem chinesischen Neujahrsfest am 15. Februar belasten die Preise. China ist der weltweit größte Abnehmer von Industrie- und Massenmetallen.
Auch Agrarrohstoffe blieben nicht verschont. Chicagoer Weizen verlor 2 Prozent aufgrund des festeren Dollars, während Mais und Sojabohnen unter schwächeren Energiepreisen litten. Beide Produkte sind wichtige Ausgangsstoffe für Biokraftstoffe.
Kaufgelegenheit oder Trendwende?
"Die entscheidende Frage ist, ob dies den Beginn eines strukturellen Abschwungs oder lediglich eine Korrektur darstellt", analysiert Dhar von der CBA. Seine Einschätzung: "Wir sehen es als Korrektur und Kaufgelegenheit und nicht als fundamentalen Wandel."
Die US-Aktienmärkte zeigten sich resilient. Nach anfänglichen Verlusten durch Positionsauflösungen schlossen sie höher, während der Dollar weiter zulegte. Anleger hatten andere Vermögenswerte verkauft, um Verluste bei Edelmetallen zu decken.
