Reuters-Umfrage: Bank of Japan hebt Zinsen bis Juni auf 1,00%
Fast zwei Drittel der befragten Ökonomen erwarten eine Zinserhöhung der BoJ bis Ende Juni – der Iran-Krieg erhöht den Inflationsdruck.

Die Bank of Japan (BoJ) steht vor einer richtungsweisenden geldpolitischen Entscheidung. Laut einer Reuters-Umfrage vom 7. bis 14. April prognostizieren 65% der befragten Ökonomen – 46 von 71 –, dass der japanische Leitzins bis Ende Juni 2025 auf 1,00% steigen wird. Im März lag dieser Anteil noch bei 60%, im Februar bei 58%. Die Erwartungen an eine weitere Zinsstraffung nehmen damit kontinuierlich zu.
Die nächste geldpolitische Sitzung der BoJ findet am 27. und 28. April statt. Von den 40 Ökonomen, die einen genauen Zeitpunkt für die Zinserhöhung nannten, entschieden sich 38% für April und 35% für Juni. Im Vormonat hatte noch der Juni mit 32% vorn gelegen, gefolgt vom Juli mit 30% und dem April mit 27%. Die Unsicherheit darüber, wann genau die BoJ handeln wird, ist damit groß.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Notenbank voraussichtlich deutlich weniger Forward Guidance – also zukunftsorientierte Orientierungshilfen – geben wird als bei früheren Entscheidungen. Dies erhöht das Risiko einer Überraschung für die Märkte erheblich.
Iran-Krieg als neuer Unsicherheitsfaktor
Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran am 28. Februar hat sich die geldpolitische Lage in Japan verändert. Der Konflikt hat die restriktiven Zinserwartungen paradoxerweise eher noch verstärkt: Befürchtungen über steigende Energiepreise, erneuten Inflationsdruck und eine weitere Schwäche des Yen treiben die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung an. Der Yen hat seit Kriegsbeginn gegenüber dem US-Dollar rund 2% an Wert verloren.
Hiroshi Namioka, Chefstratege bei T&D Asset Management, hält eine Zinserhöhung bereits in der nächsten Woche für möglich. Er betonte, dass die Entscheidungsträger besorgt seien, „behind the curve" zu geraten – also der wirtschaftlichen Entwicklung hinterherzulaufen. Ein schwächerer Yen stärke die Argumente für ein frühzeitiges Handeln.
Junki Iwahashi, Senior Economist bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank, sieht das anders. „Während ein sprunghafter Anstieg der Rohölpreise infolge der Verschlechterung der Lage im Nahen Osten die Inflation durch Kostendruck vorübergehend in die Höhe treiben würde, würde dies auch die Wirtschaft belasten und die Entscheidung über eine Zinserhöhung erschweren", sagte Iwahashi, der einen Schritt im Juni prognostiziert. Die BoJ werde „etwas mehr Zeit haben wollen, um die Situation zu bewerten".
Langfristiger Zinspfad und Inflationshintergrund
Über den Juni hinaus zeigen die Medianprognosen der Umfrage, dass die BoJ die Kreditkosten im vierten Quartal 2025 auf 1,25% anheben wird – etwas früher als bisher erwartet. Eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte auf 1,50% wird laut Medianwerten für das dritte Quartal 2027 erwartet. Einige wenige Ökonomen rechnen sogar mit einem Anstieg auf 1,75%.
Der Hintergrund für den Zinserhöhungskurs ist klar: Die Inflation in Japan lag in den vergangenen vier Jahren zumeist über dem Zielwert der BoJ. Gleichzeitig liegt der aktuelle Leitzins mit 0,75% noch unter dem neutralen Zinssatz – jenem Niveau, das die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst. Bei einer Inflation von rund 2% riskiert die BoJ eine Überhitzung der Wirtschaft, wenn sie die realen Kreditkosten tief im negativen Bereich belässt.
Im Gegensatz zu den Zentralbanken in den USA und Europa, die ihre Zinsen bereits deutlich angehoben haben, befindet sich Japan noch in einer frühen Phase der geldpolitischen Normalisierung. Die importabhängige japanische Wirtschaft ist dabei besonders anfällig für steigende Energiepreise und Währungsschwankungen – beides Risiken, die der anhaltende Konflikt im Nahen Osten weiter verschärft. In der Umfrage gaben 62% der Befragten – 18 von 29 – an, dass der Iran-Krieg den japanischen Kernverbraucherpreisindex (CPI) in den nächsten Monaten beeinflussen werde.
