Rettungskosten explodieren: Kostendeckel soll GKV-Budget entlasten
Erstmals über zehn Milliarden Euro: Die Notfallrettung wird zum Kostentreiber für die gesetzliche Krankenversicherung.

Die Kosten der Notfallrettung in Deutschland haben erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro überschritten. Nach einer Prognose des Bundesgesundheitsministeriums belastet der Rettungsdienst im Jahr 2025 das Budget der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit mehr als zehn Milliarden Euro. Damit steigen die Ausgaben für den Fahrdienst deutlich stärker als für andere Gesundheitsbereiche.
Treibende Kräfte hinter dieser Entwicklung sind vor allem die Personalkosten. Eine jederzeitige Fahrbereitschaft und hohe Qualitätsstandards erfordern gut ausgebildetes Personal, dessen Entlohnung in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen ist. Hinzu kommen gestiegene Kraftstoffpreise und höhere Mindestlöhne, die die Kosten zusätzlich in die Höhe treiben.
Kostendeckel ab 2027 beschlossen
Die Bundesregierung hat reagiert und noch vor der Sommerpause eine Reform verabschiedet, die den Kostendruck begrenzen soll. Kernstück ist ein verbindlicher Deckel, der ab 2027 greift. Die Erstattungspflicht der GKV wird künftig an die Einnahmenentwicklung der Krankenversicherung gekoppelt. Steigen die Rettungskosten stärker als der durchschnittliche Mittelzufluss pro Versicherten, ist die GKV nicht mehr zur Finanzierung des Differenzbetrags verpflichtet.
Bis einschließlich 2029 darf die GKV sogar einen zusätzlichen Prozentpunkt ihres Einnahmenwachstums einbehalten. Der neue Kostendeckel ist jedoch nicht unumstritten. Der Gesundheitsausschuss des Bundestages warnte vor einer möglichen Finanzierungslücke, die die Leistungsfähigkeit des Rettungsdienstes gefährden könnte.
Personalkosten als Haupttreiber
Mike Mann, Bereichsleiter Rettungsdienst & Notfallmanagement beim hessischen Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes in Wiesbaden, äußerte die Befürchtung, dass Tarifsteigerungen aufgrund des Kostendeckels künftig nicht mehr vollumfänglich finanzierbar seien. Die Personaldecke stellt den mit Abstand größten Kostenblock dar. Mit deutlichem Abstand folgen die Kosten für die Fahrzeugflotte als zweitgrößter Ausgabenposten.
Laut einem Bericht der vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzten „FinanzKommission Gesundheit“ sind die zuletzt hohen Tarifabschlüsse für Rettungsdienstberufe, der angehobene Mindestlohn sowie die hohen Kraftstoffpreise dafür verantwortlich, dass die Rettungskosten in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches stärker gestiegen sind als die Zahl der Einsätze.
Regionale Unterschiede und Ineffizienzen
Die pro Einsatz anfallenden Kosten sind deutschlandweit sehr unterschiedlich. Da die Organisation des Rettungsdienstes in der Verantwortung der Länder und Kommunen liegt, folgen diese jeweils eigenen Kalkulationsregeln. Diese Heterogenität verursacht aus Sicht der Kommission des Bundesgesundheitsministeriums eine „Vielzahl von Ineffizienzen“.
Ein Gesetz, das die Notfallversorgung strukturell reformieren und effizienter machen soll, ist bereits angestoßen und befindet sich derzeit auf dem parlamentarischen Verfahrensweg. Für Anleger bleibt der Gesundheitssektor damit ein Bereich mit politischem Risiko, aber auch mit Potenzial für Unternehmen, die Effizienzlösungen für das angespannte System anbieten.
