Reedereien trotzen Huthi-Blockade: Krisen gehören zum Geschäft
Die Blockade am Bab al-Mandab belastet die Schifffahrt – doch die Branche zeigt sich gewohnt resilient.

Die anhaltende Blockade der Huthi-Rebellen am Bab al-Mandab stellt die globale Schifffahrt vor immense Herausforderungen. Für die Reedereien kommt die Eskalation jedoch nicht überraschend. Martin Kröger, Experte der Reederei-Branche, erklärte im Gespräch mit tagesschau.de, dass die Sicherheitslage rund um das Rote Meer bereits seit etwa drei Jahren angespannt sei. Die Huthi hätten schon früher auf Handelsschiffe geschossen und dabei erhebliche Schäden verursacht. Viele Reedereien mieden die Passage daher bereits seit längerem.
Die Kosten der Umleitung
Die Reaktion der Branche ist pragmatisch: Statt durch den Suezkanal fahren die Schiffe nun um den afrikanischen Kontinent herum. Diese Routenanpassung verlängert die Reisezeit je nach Geschwindigkeit des Schiffes um zehn bis vierzehn Tage. Die Folge sind zeitliche Verzögerungen und deutlich höhere Kosten in der gesamten Lieferkette.
Die finanziellen Belastungen sind erheblich. Laut Kröger liegen die Mehrkosten für eine einfache Fahrt im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich. Für Hin- und Rückfahrt summiert sich die Umrundung Afrikas auf eine siebenstellige Summe. Diese setzt sich aus höheren Versicherungs- und Treibstoffkosten sowie gestiegenen Betriebsmittelausgaben zusammen.
Weitergabe der Mehrkosten
Die Reedereien geben die zusätzlichen Belastungen jedoch weiter. "Die Mehrkosten sind erheblich bei den Reedereien. Aber sie bleiben nicht dort hängen", so Kröger. Sie werden an die Auftraggeber der Schiffe und letztlich an die Endverbraucher und Unternehmen weitergereicht. Allerdings fällt der Preisanstieg für Verbraucher vergleichsweise moderat aus. Die Masse der Transportkapazität gleicht den Preisanstieg aus, sodass die Erhöhungen im Cent-Bereich bleiben. Deutlich spürbar würden die Folgen erst, wenn eine Strecke gar nicht mehr bedient werden könne.
Begrenzte Schutzmöglichkeiten
Ein zentrales Problem bleibt die Sicherheit der Schiffe. "Handelsschiffe sind zivile Schiffe. Das heißt, wir sind unbewaffnet", betont Kröger. Eine Ausnahme bildet die Bedrohung durch Piraterie, bei der private Sicherheitsleute an Bord helfen können. Gegen Drohnen, Raketen und Unterseegeschosse sind Handelsschiffe jedoch machtlos. Sie können keine Raketenabschuss-Einrichtungen an Bord haben. In solchen Gewässern bleibt nur die Umfahrung.
Resilienz als Geschäftsprinzip
Die Schifffahrt zeige sich in der Krise gewohnt robust. "In der Schifffahrt sind wir Krisen und Kriege gewohnt. Wir fahren ständig durch Gebiete, wo die Lage angespannt ist. Wir machen das schon seit Jahrhunderten", erklärt Kröger. Die Branche sei resilient, weil sie fast immer einen Weg finde, Krisengebiete zu umfahren. Mit großen Schiffen und der Fähigkeit zum Umrouten könnten Verzögerungen und Verlängerungen ausgeglichen werden.
Geopolitische Perspektive
Mit Blick auf andere Spannungsherde wie die Straße von Taiwan zeigt sich Kröger verhalten optimistisch. Er hofft, dass allen beteiligten Ländern bewusst sei, wie sehr sie auf eine freie und sichere Seeschifffahrt angewiesen sind. Der Seehandel könne sogar ein ausgleichendes Element in der internationalen Geopolitik sein. Für Anleger bleibt die Lage dennoch risikobehaftet: Die anhaltenden Umwege und Kostensteigerungen belasten die Margen der Reedereien kurzfristig, während die langfristige Resilienz der Branche für Stabilität sorgen dürfte.
