Ramaphosa fordert engere Zusammenarbeit zwischen Südafrika und Namibia
Auf der vierten Sitzung der binationalen Kommission betonte Präsident Ramaphosa gemeinsame Chancen bei Mineralien, Energie und Handel.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat bei der vierten Sitzung der binationalen Kommission (BNC) zwischen Südafrika und Namibia am 17. Juli die Bedeutung einer vertieften bilateralen Zusammenarbeit unterstrichen. Die gemeinsam mit der namibischen Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah geleitete Sitzung stellte die gemeinsame Geologie, geografische Nähe und wirtschaftliche Komplementarität beider Länder in den Mittelpunkt. Ramaphosa sieht darin überzeugende Argumente für eine engere Kooperation bei Exploration, Infrastrukturentwicklung, Kompetenzaufbau und Investitionsförderung.
Der südafrikanische Präsident betonte, dass Afrika in der globalen Wahrnehmung zunehmend an strategischer Bedeutung gewinne. „Südafrika und Namibia haben sowohl die Chance als auch die Verantwortung, sicherzustellen, dass unsere natürlichen Ressourcen zu Motoren für Industrialisierung, Innovation, Kompetenzentwicklung und menschenwürdige Arbeit werden", sagte Ramaphosa. Dabei hob er den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten sowie die Verarbeitung und Veredelung von Rohstoffen im südlichen Afrika als zentrale Ziele hervor.
Orange-Becken und grüner Wasserstoff als Schlüsselprojekte
Besondere Aufmerksamkeit widmete Ramaphosa dem Orange-Becken, das er als eine der weltweit vielversprechendsten neuen Energiegrenzen bezeichnete. Die Erschließung dieses Beckens biete beiden Ländern die Möglichkeit, eine integrierte regionale Energiewirtschaft aufzubauen – von der Exploration über Ingenieurwesen und Raffination bis hin zu Petrochemie, Logistik, maritimen Dienstleistungen und fortschrittlicher Fertigung. „Vor uns liegen grenzenlose Möglichkeiten", erklärte der Präsident.
Im Bereich grüner Wasserstoff verwies Ramaphosa auf Südafrikas Tiefwasserhafen Boegoebaai und das dortige Entwicklungsprogramm als wichtige Kooperationsgelegenheit. Gemeinsam könnten beide Länder einen weltweit wettbewerbsfähigen grünen Industriekorridor aufbauen, der Südafrika und Namibia miteinander verbindet. Grüner Wasserstoff gilt international als Schlüsseltechnologie für die Energiewende und eröffnet exportorientierten Ländern mit erneuerbaren Energiequellen erhebliche wirtschaftliche Perspektiven.
Bergbau und kritische Mineralien im Fokus
Im Bergbausektor hob Ramaphosa Namibias wachsendes Portfolio an kritischen Mineralien hervor. Dieses biete Möglichkeiten für gemeinsame Explorationen, geologische Kartierungen, wissenschaftliche Forschung und nachgelagerte Wertschöpfung. Der Abschluss einer Absichtserklärung zwischen beiden Ländern über Geologie und Bergbau soll dafür einen wichtigen Rahmen schaffen. Ramaphosa sprach sich dafür aus, dass die geowissenschaftlichen Räte beider Länder eng zusammenarbeiten, um gemeinsame wissenschaftliche Bewertungen vorzunehmen und neue Investitionsmöglichkeiten zu erschließen.
Kritische Mineralien – darunter Lithium, Kobalt, Mangan und seltene Erden – sind für die globale Energiewende und die Elektroindustrie unverzichtbar. Sowohl Südafrika als auch Namibia verfügen über bedeutende Vorkommen und positionieren sich zunehmend als strategische Lieferanten für Europa und Asien.
Handel, Investitionen und regionale Integration
Ramaphosa betonte auch die Bedeutung von Handel und Investitionen für die bilateralen Beziehungen. Er begrüßte die wachsende Präsenz südafrikanischer Unternehmen in Namibia und rief gleichzeitig zu verstärkten namibischen Investitionen in Südafrika auf. „Gemeinsam können wir bankfähige Projekte in den Bereichen Infrastruktur, Logistik, Landwirtschaft, Fertigung, erneuerbare Energien und digitale Technologien identifizieren", so der Präsident.
Für die Nutzung des vollen Potenzials der afrikanischen Kontinental-Freihandelszone (AfCFTA) forderte Ramaphosa den Abbau unnötiger Handelshemmnisse, eine verbesserte Grenzeffizienz und stärkere Transportkorridore. Beide Länder wollen innerhalb der Zollunion des Südlichen Afrika (SACU), der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) und der Afrikanischen Union (AU) weiterhin die regionale Integration und die Ziele der Agenda 2063 vorantreiben.
Abschließend sprach Ramaphosa das Thema Migration an, das er als gemeinsame kontinentale Herausforderung bezeichnete. Südafrika bekenne sich zur konsequenten, fairen und verfassungskonformen Durchsetzung seiner Einwanderungsgesetze. Dauerhafter Dialog, verstärkte Grenzzusammenarbeit, geordnete Arbeitskräftemobilität und inklusive wirtschaftliche Entwicklung seien die wirksamsten langfristigen Antworten auf den Migrationsdruck auf dem Kontinent, betonte er.
