Pfund unverändert: BoE hebt Zinsen um 25 Basispunkte an
Die Bank of England erhöht den Basiszins auf 4%, das Pfund reagiert kaum, der Euro gibt leicht nach.

Das Pfund Sterling hat am Donnerstag kaum auf die Zinsentscheidung der Bank of England (BoE) reagiert. Die britische Notenbank hob den Basiszins wie erwartet um 25 Basispunkte auf 4% an, doch die Reaktion an den Devisenmärkten fiel gedämpft aus. Um 07:15 Uhr ET (12:15 Uhr GMT) notierte das Pfund gegenüber dem Dollar 0,01% höher bei 1,3472 Dollar.
Der Euro gab dagegen leicht nach und sank um 0,04% auf 1,1223 Dollar. Die dollarbezogene Korrektur nach den Halbzeitwahlen in den USA hielt nahe dem Niveau von 101,5 im DXY an. Die Marktteilnehmer richten ihren Fokus nun auf die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktzahlen.
Der Anstieg des Pfunds vom Mittwoch war nach Einschätzung von HSBC vor allem durch die Schwäche des Dollars getrieben und weniger durch britische Fundamentaldaten. Die Bank verwies zudem auf die Erwartungen an einen Zinsschritt der BoE sowie auf abnehmende Sorgen bezüglich der Fiskalpolitik.
Die BoE hob den Leitzins mit einer Stimme Mehrheit auf 4% an
Der geldpolitische Ausschuss der BoE stimmte mit 8 zu 1 Stimmen für die Anhebung um 25 Basispunkte auf 4%. Catherine Mann votierte dagegen und befürwortete eine Anhebung um 50 Basispunkte. Diese Aufteilung war hawkischer als die von ING erwarteten 7 zu 2 Stimmen.
Die Protokolle der Sitzung boten gemischte Hinweise auf weitere Verschärfungen der Geldpolitik. Huw Pill, Chefvolkswirt der BoE, sagte: "Ein einzelner Schritt um 25 Basispunkte wird wahrscheinlich nicht ausreichend sein." Megan Greene betonte, dass "künftig zusätzliche Zinserhöhungen erforderlich werden". Alan Taylor widersprach dieser Einschätzung und erklärte, dies sei "nicht der Beginn eines Erhöhungszyklus", sondern eine "einmalige Absicherungsmaßnahme".
Die BoE rechnet damit, dass die Inflationsrate (CPI) bis Mitte 2027 auf rund 5% steigen wird. Die nächste Zinsentscheidung steht am 17. Dezember an.
ING rechnet mit einer Folgeerhöhung im Februar
Das Basisszenario von ING sieht weiterhin eine Folgeerhöhung im Februar vor, die bereits vollständig eingepreist ist. "Die Hürde für ein hawkisches Überraschungsmoment, das das Pfund stärkt, scheint recht hoch zu sein", sagte Francesco Pesole, FX-Stratege bei ING.
Der demokratische Sweep bei den Halbzeitwahlen hat die von ING vorhergesagte Dollar-Schwäche bewirkt. Die Bank sieht jedoch nur begrenztes Potenzial für eine weitere Ausweitung dieser Tendenz. "Unserer Ansicht nach müssen die Zinsen beginnen, sich gegen den Dollar zu bewegen, um eine größere Anpassung zu rechtfertigen", sagte Pesole.
Fallende Ölpreise sind nach Einschätzung von ING nicht eindeutig dollar-negativ. Als der Rohölpreis am Mittwoch um 8% fiel, sanken die Zweijahres-USD-Swap-Sätze um 5 Basispunkte, während die EUR-, GBP- und NZD-Swaps um 8 bis 10 Basispunkte fielen. "Das ist das überzeugendste Argument gegen das Nachjagen eines deutlich niedrigeren Dollars", sagte Pesole.
Die US-Konjunkturdaten stützen die Erwartungen an eine Fed-Straffung
Die Daten unterstützen weiterhin die Erwartungen an eine Verschärfung der Geldpolitik durch die Fed, was als hawkisch interpretiert wird. Der ISM-Dienstleistungsindex lag etwas unter den Erwartungen, aber der Beschäftigungsunterindex stieg auf 51,4, den höchsten Stand seit Februar. Die ADP-Beschäftigungszahlen lagen bei 86.000.
Der Konsens für die Beschäftigungszahlen am Freitag liegt bei 65.000, die "Whisper Number" bei 70.000. Heute stehen zudem die Challenger-Kündigungen und die Arbeitskosten pro Produktionseinheit im dritten Quartal an.
Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news über eine vorsichtige BoE
Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass das Pfund fiel, nachdem die BoE ihren Leitzins unverändert ließ und die begleitenden Protokolle eine überraschend vorsichtige Haltung signalisierten. Das Währungspaar GBP/USD notierte damals um 13:20 Uhr deutscher Zeit bei 1,3350 und gab um 0,23 Prozent nach, während der FTSE 100 um 0,7 Prozent zulegte. Analysten werteten den Kursrückgang trotz einer breiteren Rallye bei Risikowährungen als klares Zeichen dafür, dass die Märkte die Protokolle als eher dovish einstuften.
Am 11.06.2026 berichtete aktien.news, dass Pfund und Euro unter Druck standen, nachdem die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte der Gemeinschaftswährung keinen Auftrieb verleihen konnte. GBP/USD notierte damals um 08:31 Uhr ET (12:31 Uhr GMT) 0,13% niedriger bei 1,3352, EUR/USD gab um 0,08% auf 1,1528 nach. Die EZB hob ihren Einlagenzins auf 2,25% an und verwies dabei auf die durch den Krieg im Nahen Osten getriebene Energieinflation.
Am 07.08.2026 berichtete aktien.news, dass das Britische Pfund nachgab, während der Euro nahezu unverändert notierte, im Mittelpunkt stand die Positionierung der Händler vor dem US-Arbeitsmarktbericht. Um 09:10 Uhr MEZ fiel GBP/USD auf 1,3443 Dollar, ein Minus von 0,11 Prozent, EUR/USD hielt sich bei rund 1,1525 Dollar. Francesco Pesole von ING erklärte damals, der Dollar habe im Vorfeld der Veröffentlichung wieder etwas an Boden gewonnen.
Am 03.02.2026 berichtete aktien.news, dass sich das Britische Pfund vor der Zinsentscheidung der BoE stabil zeigte. Der Sterling notierte damals bei 1,3672 US-Dollar und konnte im bisherigen Jahresverlauf um 1,4 Prozent zulegen. Marktteilnehmer rechneten damit, dass die Notenbank die Leitzinsen bei 3,75 Prozent belassen würde.
Für deutsche Anleger bleibt das Pfund ein Zinsthema
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung des Pfunds vor allem über die Zinsdifferenz zum Dollar und zum Euro relevant. Die BoE hat den Basiszins auf 4% angehoben, während die Protokolle gleichzeitig gemischte Signale zur weiteren Straffung senden. Wer in britischen Anleihen oder Pfund-Anlagen engagiert ist, muss daher sowohl die hawkishen Stimmen im Ausschuss als auch die skeptische Position von Alan Taylor im Blick behalten.
Die von ING erwartete Folgeerhöhung im Februar ist bereits vollständig eingepreist. Das begrenzt nach Einschätzung der Bank das Potenzial für weitere Kursgewinne des Pfunds. Gleichzeitig sieht ING nur begrenztes Potenzial für eine weitere Dollar-Schwäche, solange sich die Zinsen nicht gegen den Dollar bewegen.
Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag steht im Mittelpunkt
Der nächste wichtige Termin ist der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Der Konsens liegt bei 65.000, die "Whisper Number" bei 70.000. Bereits heute stehen die Challenger-Kündigungen und die Arbeitskosten pro Produktionseinheit im dritten Quartal an.
Für die BoE steht die nächste Zinsentscheidung am 17. Dezember an. Die Notenbank rechnet damit, dass die Inflationsrate bis Mitte 2027 auf rund 5% steigen wird. ING erwartet im Basisszenario eine Folgeerhöhung im Februar.
Drei Fachbegriffe erklären die Zinsentscheidung der BoE
- Basispunkt: Ein Basispunkt ist die kleinste Einheit, in der Zinsänderungen an den Finanzmärkten gemessen werden.
- DXY: Der DXY ist ein Index, der den Wert des US-Dollars gegenüber einem Korb wichtiger Weltwährungen abbildet.
- Hawkish: Eine hawkishe Geldpolitik neigt zu strafferen Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen.
