Pfund Sterling erreicht höchsten Stand seit dem Brexit-Referendum 2016
Der Sterling-Index klettert auf 86,4 Punkte – den höchsten Wert seit Juni 2016, vor der erwarteten Zinserhöhung der Bank of England.

Das Pfund Sterling hat seinen höchsten Gesamtwert seit dem Brexit-Referendum vor mehr als einem Jahrzehnt erreicht. In den vergangenen Wochen ist die britische Währung gegenüber dem Euro und dem Dollar deutlich gestiegen – im Vorfeld einer erwarteten Zinserhöhung der Bank of England. Damit setzt das Pfund seinen Erholungskurs fort, nachdem es in den Jahren nach dem EU-Austrittsvotum mehrfach unter Druck geraten war.
Laut Angaben der Bank of England erreichte die am häufigsten beobachtete Kennzahl für den Wert der britischen Währung gegenüber einem Korb aus 18 der wichtigsten Weltwährungen diese Woche ihr gemeinsames Höchstniveau seit dem Referendum im Juni 2016. Der Indexwert belief sich auf 86,4, wobei ein Indexstand von 100 den Wert aus dem Jahr 2005 repräsentiert. Die Bank wird die Berechnung offiziell am Donnerstag bestätigen.
Zum Zeitpunkt von 04:15 Uhr GMT am Donnerstag lag das Pfund um 0,13 Prozent gegenüber dem Dollar bei 1,3495 US-Dollar und um 0,16 Prozent unter dem Euro bei 1,1979 Euro. Die jüngste Aufwertung fällt zeitlich mit der Sitzung des geldpolitischen Gremiums der britischen Notenbank zusammen, die an diesem Donnerstag über den Leitzins entscheidet.
Der Sterling-Index markiert den höchsten Stand seit Juni 2016
Nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 fiel der Wert des Sterling erheblich. Während des anschließenden Brexit-Prozesses sowie während der Covid-Pandemie und der Mini-Haushaltsplanung im Jahr 2022 erreichte die Währung weitere Tiefststände. Sterling hat in den letzten Jahren stark auf Brexit-Entwicklungen und politische Unsicherheiten reagiert.
Einige Händler sagten, dass das Vereinigte Königreich angesichts relativer politischer Stabilität, solider Wachstumsraten und der Annäherung an die Europäische Union nun in einem anderen Licht gesehen werde. Diese Einschätzung stützt die aktuelle Aufwertung der britischen Währung gegenüber den beiden wichtigsten Referenzwährungen.
Jim O'Neill, Ökonom und ehemaliger Schatzkanzlei-Minister, sagte: „Ich bin nicht überrascht. Die Menschen haben – und in geringerem Maße tun sie es immer noch – die verbesserte Dynamik in Großbritannien unterschätzt." Seine Aussage deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer die konjunkturelle Entwicklung des Landes lange Zeit zu pessimistisch bewertet haben.
Ein stärkeres Pfund kann dazu beitragen, die Inflation zu dämpfen und die Kaufkraft der Verbraucher bei Importen und im Urlaub zu erhöhen. Für die britische Notenbank ist dies ein relevanter Faktor, da ein festerer Wechselkurs importierte Preissteigerungen abmildern kann.
Das britische Wachstum hat in diesem Jahr bisher alle Prognosen übertroffen, doch gibt es Anzeichen dafür, dass die höheren Energie- und Kraftstoffpreise nun das Verbrauchervertrauen belastet haben. Diese Entwicklung könnte die weitere Dynamik der britischen Wirtschaft und damit auch die Perspektive für das Pfund beeinflussen.
Bereits am 24.07.2026 berichtete aktien.news von einer breiten Dollarstärke
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Reihe von Berichten über die britische Währung. Bereits am 24.07.2026 berichtete aktien.news, dass das Britische Pfund am Freitag leicht fester notierte, während der Euro kaum vom Fleck kam. Damals legte GBP/USD um 0,08 Prozent auf 1,3325 zu, EUR/USD verharrte stabil bei 1,1377. Im Hintergrund dominierte eine breite Dollarstärke das Devisengeschehen – angetrieben durch steigende Erwartungen an eine geldpolitische Straffung der US-Notenbank Federal Reserve sowie durch anhaltend hohe Energiepreise. Chris Turner, Global Head of Markets bei ING, erklärte damals: „Der Dollar entwickelt sich weiterhin gut, da hohe Energiepreise die Erwartungen an eine Reaktion der Zentralbanken schüren."
Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass das Pfund Sterling gestiegen war und damit überraschend starke Wachstumsdaten aus Großbritannien verarbeitet hatte. Auch der Euro legte damals zu, während der US-Dollar nachgab. Belastet wurde die US-Währung von wachsenden Sorgen über die Schuldenlast von Unternehmen im KI-Sektor. Gegen 05:00 Uhr ET (09:00 Uhr GMT) kletterte das Sterling um 0,51 Prozent auf 1,3259 gegenüber dem Dollar, während der Euro um 0,56 Prozent auf 1,1216 gewann. Den entscheidenden Impuls lieferten die Zahlen des Office for National Statistics (ONS): Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im August um 0,1 Prozent – entgegen einer Konsensprognose, die einen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet hatte.
Bereits am 03.02.2026 berichtete aktien.news, dass sich das Britische Pfund vor der Zinsentscheidung der Bank of England stabil zeigte. Der Sterling notierte damals bei 1,3672 US-Dollar und konnte im bisherigen Jahresverlauf um 1,4 Prozent zulegen. Marktteilnehmer rechneten damals damit, dass die britische Notenbank die Leitzinsen bei 3,75 Prozent belassen würde. Lee Hardman, Devisenanalyst bei der japanischen Bank MUFG, ging davon aus, dass die BoE wahrscheinlich bis Mai mit weiteren Zinssenkungen warten würde.
Am 16.01.2026 berichtete aktien.news, dass das Pfund Sterling seine Erholungsrally fortgesetzt hatte und bei 1,3402 US-Dollar notierte, ein Plus von 0,13 Prozent. Auf Wochensicht steuerte die britische Währung damals auf einen Gewinn von 0,3 Prozent zu, nachdem sie zuvor zwei Wochen in Folge Verluste verbuchen musste. Gegenüber dem Euro zeigte sich das Pfund ebenfalls stärker: Die Gemeinschaftswährung gab um 0,06 Prozent auf 86,69 Pence nach.
Für deutsche Anleger bleibt das Pfund ein sensibler Faktor im Portfolio
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung des Pfunds vor allem dann relevant, wenn sie in britische Werte investiert sind, denn Wechselkursbewegungen wirken sich auf den in Euro gerechneten Gegenwert aus. Der Quelltext nennt als positiven Effekt eines stärkeren Pfunds die höhere Kaufkraft der Verbraucher bei Importen und im Urlaub. Zugleich hat Sterling in den letzten Jahren stark auf Brexit-Entwicklungen und politische Unsicherheiten reagiert, was die Währung anfällig für Stimmungsschwankungen macht. Anleger sollten daher sowohl die geldpolitischen Entscheidungen als auch die politische Lage im Vereinigten Königreich im Blick behalten.
Am Donnerstag entscheidet der neunköpfige Geldpolitische Ausschuss über die Zinsen
Der neunköpfige Geldpolitische Ausschuss (Monetary Policy Committee) der Bank of England steht am Donnerstag vor einer wichtigen Entscheidung zu den Zinsen. Eine erste Erhöhung seit drei Jahren wird weithin erwartet. Die Bank of England will zudem die offizielle Berechnung des Sterling-Index am Donnerstag bestätigen.
Ob das Pfund seinen Höhenflug fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie die Notenbank ihre Entscheidung begründet und wie sich die britische Konjunktur weiter entwickelt. Das britische Wachstum hat in diesem Jahr bisher alle Prognosen übertroffen, doch die höheren Energie- und Kraftstoffpreise könnten das Verbrauchervertrauen belasten.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Devisenmarkts
- Sterling: Der Sterling ist die britische Währung, die international auch als Pfund bezeichnet wird.
- Devisenindex: Ein Devisenindex misst den Wert einer Währung gegenüber einem Korb mehrerer anderer Währungen.
- Leitzins: Der Leitzins ist der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, der die Geldpolitik eines Landes steuert.
