Oxfam-Studie: Zahl der Milliardäre steigt auf Rekordhoch
Die weltweite Vermögenskonzentration erreicht neue Dimensionen: Laut Oxfam-Bericht besitzen rund 3.000 Milliardäre nun 18,3 Billionen Dollar – ein Plus von 16 Prozent. Gleichzeitig lebt fast die Hälfte der Menschheit in Armut.

Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter: Die Entwicklungsorganisation Oxfam meldet in ihrem aktuellen Bericht zur sozialen Ungleichheit einen historischen Höchststand beim Vermögen der Superreichen. Etwa 3.000 Milliardäre weltweit verfügen mittlerweile über ein Gesamtvermögen von 18,3 Billionen US-Dollar (rund 15,75 Billionen Euro).
Besonders bemerkenswert: Seit 2020 ist das Vermögen der Milliardäre inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr allein betrug das Wachstum 16 Prozent. Für die Studie führte Oxfam Daten von Forbes, der Weltbank und dem UBS-Weltvermögensreport zusammen.
Extreme Vermögenskonzentration
Die zwölf reichsten Menschen der Welt besitzen inzwischen mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – das sind über vier Milliarden Menschen. Am Beispiel des reichsten Mannes der Welt, Tesla-CEO Elon Musk, verdeutlicht Oxfam die Dimension: Musk verdient in vier Sekunden so viel wie ein Durchschnittsmensch in einem ganzen Jahr.
Während die Vermögen der Superreichen explodieren, lebt fast die Hälfte der Menschheit weiterhin in Armut. Diese Entwicklung birgt erhebliche gesellschaftliche Risiken, warnt die Organisation.
Deutschland mit viertmeisten Milliardären
Auch in Deutschland zeigt sich der Trend deutlich: Die Zahl der Milliardäre stieg im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 172 Personen. Damit belegt Deutschland weltweit den vierten Platz. Ihr Gesamtvermögen wuchs inflationsbereinigt um rund 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar.
Für Anleger relevant: Die steigenden Vermögen spiegeln auch die starke Performance der globalen Aktienmärkte wider. Viele Milliardäre halten erhebliche Anteile an börsennotierten Unternehmen, deren Kurse in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt haben.
Politische Macht der Superreichen wächst
Oxfam-Vorständin Charlotte Becker sieht eine besorgniserregende Entwicklung: "Die Wirtschaftsmacht der Superreichen schlägt sich immer deutlicher in politischer Macht nieder und höhlt die Demokratie immer weiter aus." Als Beispiel nennt sie die USA, wo wohlhabende Unternehmer zunehmend politischen Einfluss ausüben.
Die Organisation warnt, dass die große Kluft zwischen Arm und Reich einen "idealen Nährboden für antidemokratische Kräfte" schaffe. Dies könnte langfristig auch Auswirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte haben.
Forderung nach höherer Besteuerung
Oxfam erneuert seine Forderung nach einer stärkeren Besteuerung von Superreichen – sowohl in Deutschland als auch global. Konkret schlägt die Organisation höhere Spitzensteuersätze und die Einführung einer speziellen Milliardärssteuer vor.
In Deutschland hatte zuletzt die SPD eine höhere Steuer auf Millionenerbschaften vorgeschlagen. Die Union lehnt diesen Vorstoß jedoch ab. Die Debatte über eine gerechtere Vermögensverteilung dürfte angesichts der aktuellen Zahlen an Intensität gewinnen.
