China schränkt Hochfrequenzhandel drastisch ein
Die chinesische Börsenaufsicht CSRC zwingt Broker, ihre Server aus den Rechenzentren der Börsen zu entfernen. Die Maßnahme soll Hochfrequenzhändler vom Millisekunden-Vorteil abschneiden und gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Die chinesische Wertpapierregulierungsbehörde (CSRC) hat in den vergangenen Wochen eine weitreichende Verschärfung für den Hochfrequenzhandel durchgesetzt. Maklerhäuser müssen ihre firmeneigenen Server aus den Rechenzentren der lokalen Börsen entfernen. Damit verlieren sogenannte "Flash Boys" ihren entscheidenden Zeitvorteil, der durch die physische Nähe zu den Börsenservern entsteht.
Millisekunden entscheiden über Millionen
Die räumliche Nähe zu Börsenservern ermöglicht Handelsausführungen, die um Millisekunden oder sogar Mikrosekunden schneller sind als bei anderen Marktteilnehmern. Dieser minimale Zeitvorsprung verschafft Hochfrequenzhändlern erhebliche Gewinnmöglichkeiten. "Zuvor war man im Haus. Jetzt wird man hinausgedrängt. Dies wird wahrscheinlich zu einer Branchenbereinigung führen", beschreibt eine informierte Quelle die Situation gegenüber Reuters.
Die Verschärfung betrifft sowohl chinesische als auch ausländische Hochfrequenzhändler und gilt für alle wichtigen, von der CSRC beaufsichtigten Börsen. Dazu gehören die Aktienbörsen sowie die Rohstoffterminbörsen in Shanghai, Dalian, Zhengzhou und Guangzhou. Große internationale Handelshäuser wie Citadel Securities und Jane Street Group lehnten eine Stellungnahme ab.
Kampf gegen Marktspekulationen
Der regulatorische Schritt erfolgt inmitten einer starken Rallye am chinesischen Aktienmarkt. Der Shanghai Composite Index erreichte vergangene Woche ein Zehnjahreshoch, wobei sowohl Handelsvolumen als auch gehebelte Geschäfte Rekordwerte verzeichneten. Besonders KI- und Halbleiteraktien stiegen bei ihren Börsendebüts um bis zu 700 Prozent.
Die chinesische Aufsichtsbehörde verstärkt ihre Bemühungen, Kleinanleger zu schützen und einem erneuten Boom-und-Bust-Zyklus vorzubeugen. Bereits letzte Woche hatte die CSRC die Margin-Anforderungen verschärft und ein hartes Vorgehen gegen übermäßige Spekulation und Marktmanipulation angekündigt.
Milliarden-Markt unter Druck
Der chinesische Hochfrequenzhandel ist Teil der computergesteuerten "Quanten-Fonds"-Industrie, die laut Citic Securities im Jahr 2023 ein Volumen von 1,55 Billionen Yuan (222,60 Milliarden US-Dollar) erreichte. Shane Oliver, Chefökonom bei AMP, erklärt: "Die Behörden wollen die Märkte auf Investitionen statt auf Spekulationen fokussieren und destabilisierende spekulative Aktivitäten vermeiden."
Die relative Ineffizienz und Unreife des chinesischen Marktes im Vergleich zu westlichen Pendants machte ihn bisher besonders attraktiv für ausländische Hochfrequenzhändler. Die jüngste Maßnahme dürfte auch chinesische Terminmakler treffen, die eine große Anzahl solcher Kunden bedienen.
Verschärfung seit "Quanten-Beben"
China verschärft die Regeln für Programm- und Hochfrequenzhandel bereits seit Anfang 2024. Auslöser war ein computergesteuerter Absturz, der als Chinas "Quanten-Beben" bezeichnet wurde. Im Oktober 2024 führte China bereits Regeln zur Regulierung des Terminprogrammhandels ein.
Damit steht China nicht allein: Die Europäische Union führte 2018 strengere Überwachungsregeln für algorithmischen Handel ein. Indien sperrte vergangenes Jahr die US-Hochfrequenzhandelsfirma Jane Street vom lokalen Markt, nachdem eine Untersuchung Manipulationen von Aktienindizes durch Derivatpositionen ergeben hatte.
