Ørsted und First Solar legen nach klarem US-Wahlergebnis deutlich zu
Der Offshore-Windentwickler Ørsted begrüßt die Klarheit der US-Zwischenwahlen, Erneuerbare-Energien-Aktien legen zweistellig zu.

Der dänische Energiekonzern Ørsted, weltweit der größte Entwickler von Offshore-Windparks, hat die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen ausdrücklich begrüßt. Nachdem die Demokraten die volle Kontrolle über den Kongress übernommen hatten, stiegen die Aktien von Ørsted und anderen Erneuerbare-Energien-Gruppen in dieser Woche stark an. Anleger setzen auf einen politisch günstigeren Rahmen für eine Branche, die zuvor durch die Politik der Trump-Administration behindert worden war.
Ørsted zählte zu den Hauptgewinnern unter den europäischen Unternehmen: Die Aktie legte in dieser Woche um mehr als 12 Prozent zu. Der Versorger EDP Renewables stieg um fast 9 Prozent. In den USA kletterten die Aktien von First Solar um 11 Prozent, während NextEra Energy, das weltweit größte Stromversorgungsunternehmen, um 6 Prozent zulegte.
Ørsted-Chef Rasmus Errboe sagte am Donnerstag, es sei noch zu früh, um zu sagen, wie sich das Wahlergebnis auf die Politik gegenüber der Branche auswirken werde. „Wir schätzen jedoch, dass es ein klares Ergebnis ist“, sagte Errboe. Das Unternehmen gab zugleich bekannt, dass sein Windpark Revolution Wind vor der Küste von Rhode Island fertiggestellt wurde – ein Projekt, das zuvor mit „Arbeitsstopp-Anordnungen“ von Donald Trump belegt worden war.
Ørsted schließt Revolution Wind ab und meldet 19 Prozent mehr Gewinn
„Wir freuen uns, dass wir mit Revolution Wind fertig sind“, sagte Errboe. Ørsted beendet derzeit den Bau seines verbleibenden Offshore-Windprojekts Sunrise Wind in den USA und verfügt dort zudem über ein großes Onshore-Geschäft.
Für die ersten neun Monate des Jahres meldete Ørsted bereinigte Gewinne – bereinigt um Zinsen, Abschreibungen und Steuern – von 20,2 Mrd. DKK (2,2 Mrd. Pfund). Das entspricht einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen erklärte zudem, seinen massiven Ausbauplan von 8,1 Gigawatt termingerecht und innerhalb des Budgets umzusetzen.
Morningstar-Analyst sieht dringend benötigte Zuversicht für laufende Projekte
Tancrede Fulop, Senior Equity Analyst bei Morningstar, sagte, der Wandel im politischen Umfeld bringe Unternehmen, die in den vergangenen Jahren mit regulatorischen Verzögerungen und wechselnden politischen Prioritäten zu kämpfen hatten, „dringend benötigte Zuversicht“ bezüglich bereits in Entwicklung befindlicher Projekte. „Obwohl es noch zu früh ist, dies als Wendepunkt für den US-Offshore-Windsektor zu bezeichnen, verringert das Ergebnis das Risiko weiterer regulatorischer Störungen und bietet einen stabileren Rahmen für Projekte, die bereits laufen“, sagte er.
National Grid meldet mehr als verdoppelten Gewinn und sieht Erschwinglichkeitsvorteil
Auch im Vereinigten Königreich zeigten sich ähnliche Tendenzen. Ørsted baut dort den größten Windpark der Welt vor der Küste Norfolks – trotz eines Kurswechsels der Regierung, der das Ziel, das Stromnetz bis 2030 zu decarbonisieren, in den Hintergrund rücken lässt, da der Fokus auf kurzfristigen Bedenken hinsichtlich der Energieerschwinglichkeit liegt. Errboe sagte, er sei überzeugt, dass die Branche „bei der Erschwinglichkeit liefern“ könne, und betrachte den Positionswechsel des UK daher nicht als Veränderung der Attraktivität des britischen Marktes für Ørsted.
National Grid, der FTSE-100-Inhaber der Stromnetze in England und Wales, äußerte eine ähnliche Ansicht, als es ebenfalls verbesserte Ergebnisse meldete. Das Unternehmen meldete einen gesetzlichen Gewinn vor Steuern für die sechs Monate bis September von 1,7 Mrd. Pfund – mehr als das Doppelte desselben Zeitraums im Vorjahr – sowie einen zugrunde liegenden Gewinn vor Steuern für denselben Zeitraum von 1,96 Mrd. Pfund, ein Anstieg von 18 Prozent. „Wir wissen, dass die Investitionen, die wir in die Übertragung tätigen, dazu beitragen, Engpasskosten zu senken. Und so gibt es einen Vorteil bei der Erschwinglichkeit“, sagte Zoë Yujnovich, Chief Executive bei National Grid.
Die Vorgeschichte reicht von Projektaufgaben bis zur milliardenschweren Kapitalerhöhung
Bereits am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Erholung bei Vestas und Ørsted Fahrt aufnimmt. Damals hieß es, die europäische Windindustrie kämpfe seit Jahren mit einem schwierigen Umfeld, doch aktuelle Unternehmensergebnisse weckten Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung. Wie die Financial Times berichtete, wurden europäische Windunternehmen in den vergangenen fünf Jahren von zwei Seiten gleichzeitig unter Druck gesetzt: explodierende Kosten für Rohstoffe, Logistik und Fertigung auf der einen Seite, zögerliche Käufer auf der anderen.
Am 14.10.2026 meldete aktien.news, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump einen bereits gescheiterten Versuch wiederbelebt habe, den Bau eines großen Offshore-Windparks zu stoppen. Das Justizministerium reichte demnach einen Antrag ein, in dem es argumentierte, die Biden-Regierung habe bei der Genehmigung von Revolution Wind im August 2023 Fehler begangen. Betroffen war ein Windpark mit einer Kapazität von 704 Megawatt vor der Küste von Rhode Island.
Am 27.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Regierung Trump ihren Kampf gegen die Offshore-Windenergie wieder aufgenommen habe. Innerhalb weniger Wochen nach Signalen, ihre Angriffe auf erneuerbare Energien zu lockern, ließ die Bundesregierung die Genehmigungen für drei Offshore-Windparks vor den Küsten von Rhode Island, Maryland und Massachusetts erneut prüfen. In bei Bundesgerichten eingereichten Schriftsätzen behauptete die Regierung, die Vorgängerregierung von Joe Biden habe die potenziellen Auswirkungen auf das Meeresleben, die Fischereiindustrie und die Küstenlandschaft nicht ausreichend berücksichtigt.
Bereits am 01.10.2026 hatte aktien.news berichtet, dass US-Senatoren beider Parteien sich auf ein Abkommen zur Reform der Genehmigungsgesetze für große Energie- und Infrastrukturprojekte geeinigt hatten. Eine Abstimmung sollte jedoch nicht vor den Zwischenwahlen stattfinden. Die Vereinbarung markierte einen bedeutenden Meilenstein in dem jahrelangen Bemühen des Kongresses, das bundesstaatliche Genehmigungsverfahren grundlegend zu überarbeiten.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Stimmungsbild des Sektors
Die Kursgewinne von Ørsted, EDP Renewables, First Solar und NextEra Energy zeigen, wie stark politische Signale aus Washington die Bewertung europäischer und US-amerikanischer Unternehmen dieser Branche bewegen. Ørsted selbst blickt auf schwierige Jahre zurück: 2023 gab das Unternehmen zwei US-Offshore-Windprojekte auf, 2024 musste es Stellen abbauen. Im Jahr 2025 musste es 9,4 Mrd. Dollar durch eine Bezugsrechtsbegebung bei Aktionären aufbringen, nachdem Trumps Feindseligkeit gegenüber der Branche Bemühungen zunichte gemacht hatte, einen Anteil an Sunrise Wind zu verkaufen, während die Aktie infolge der Anordnungen gegen sowohl Revolution als auch Sunrise einbrach.
Die nun gemeldeten Zahlen deuten laut Quelltext auf eine anhaltende Stabilisierung hin. Anleger sollten jedoch beachten, dass die Einordnung als Wendepunkt ausdrücklich offenbleibt: Der Morningstar-Analyst Fulop bezeichnete es als zu früh, von einem Wendepunkt für den US-Offshore-Windsektor zu sprechen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ørsted treibt Sunrise Wind und den Ausbauplan von 8,1 Gigawatt voran
Ørsted beendet derzeit den Bau seines verbleibenden US-Offshore-Windprojekts Sunrise Wind. Der Ausbauplan des Unternehmens umfasst 8,1 Gigawatt und soll termingerecht und innerhalb des Budgets umgesetzt werden. Im Vereinigten Königreich baut Ørsted den größten Windpark der Welt vor der Küste Norfolks. Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat ihr Ziel, das Stromnetz bis 2030 zu decarbonisieren, zugunsten kurzfristiger Erschwinglichkeitsfragen in den Hintergrund gerückt. Eine Abstimmung über die im Oktober 2026 angekündigte Reform der Genehmigungsgesetze in den USA sollte nicht vor den Zwischenwahlen stattfinden.
Diese Fachbegriffe helfen Anlegern beim Einordnen der Branche
- Bereinigtes EBITDA: Gewinnkennzahl vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, die Sondereffekte ausblendet und die operative Ertragskraft eines Unternehmens zeigt.
- Offshore-Windpark: Windkraftanlage auf See, die Strom aus Meereswind erzeugt und über Kabel an Land geleitet wird.
- Bezugsrechtsbegebung: Kapitalmaßnahme, bei der bestehende Aktionäre neue Aktien zu einem festgelegten Verhältnis erwerben können.
