Gaskraftwerke: Bundesnetzagentur verkündet erste Zuschläge im Ringen um neun Gigawatt
Nach Jahren des Ringens vergibt die Bundesnetzagentur erste Zuschläge für neue Gaskraftwerke. RWE, Uniper und Křetínský-Manager buhlen um staatlich finanzierte Kapazitäten.

Die Bundesnetzagentur verkündet an diesem Dienstagmorgen die Zuschläge der ersten Ausschreibungsrunde für neue Gaskraftwerke in Deutschland. Damit endet vorerst ein Verfahren, das die Branche seit Jahren beschäftigt. In der im September gestarteten Runde ging es um 4,5 Gigawatt Leistung. Eine zweite Runde mit ebenfalls 4,5 Gigawatt folgt Ende Dezember.
Zusammen ergibt das ein Volumen von 9 Gigawatt, das ausschließlich für Gaskraftwerke vergeben werden kann. Für 2027 ist eine weitere Ausschreibung über zwei Gigawatt vorgesehen, dann sollen auch Batteriespeicher zum Zug kommen. Das gesamte Verfahren zieht sich deutlich länger hin als ursprünglich geplant: Die erste Ausschreibung wurde erst im Sommer auf den Weg gebracht.
Die rechtliche Grundlage für die Auktionen schafft das StromVKG. Unter Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hieß das Projekt noch Kraftwerkstrategie (KWS). Seine Nachfolgerin Katherina Reiche wollte ursprünglich 20 Gigawatt neue Gaskraftwerke bauen lassen. Diese Pläne wurden deutlich gestutzt.
Die EU-Kommission bleibt der begrenzende Faktor
Die Europäische Kommission hat staatlich finanzierte flexible Kraftwerke bis 2031 genehmigt – allerdings nur in einem Umfang von 11 Gigawatt. Die Brüsseler Beihilfeprüfung erweist sich damit seit Jahren als stets begrenzender Faktor für den Ausbau in Deutschland. Jede Erweiterung des Rahmens muss neu verhandelt werden.
Berlin verfolgte bei dem Thema zudem einen Zickzackkurs: Mal standen Klimaargumente im Vordergrund, mal die Versorgungssicherheit. Unter Habeck galt die Versorgungssicherheit als unproblematisch, in seine Amtszeit fiel der Atomausstieg. Diese Bewertung hat sich mit der veränderten Lage am Strommarkt verschoben.
Für Privatanleger ist wichtig, wie die Auktion technisch funktioniert: Bei dieser Form der Kapazitätsausschreibung wird nicht die tatsächlich gelieferte Strommenge bezahlt, sondern das Vorhalten von Leistung. Betreiber erhalten also Geld dafür, dass ihre Anlagen im Bedarfsfall bereitstehen. Das sichert Erlöse ab, die über den reinen Stromverkauf allein nicht zu erzielen wären – ein Mechanismus, der die Investitionsrisiken der Versorger senkt und damit indirekt auch die Kalkulierbarkeit von Energiewerten beeinflusst.
RWE, Uniper und Křetínský-Manager greifen nach den Zuschlägen
RWE beteiligt sich mit mindestens drei Gigawatt an dem Programm. Am Standort Weisweiler ist eine Gas-und-Dampf-Anlage mit 800 Megawatt vorgesehen. Uniper plant Projekte an den Standorten Scholven und Staudinger. Auch Steag, EnBW und Leag zählen zu den Bietern.
Bemerkenswert ist ein Angebot aus dem Umfeld von Daniel Křetínský: Manager des Investors bieten den Umbau bestehender Kohlekraftwerke zu Gaskraftwerken an. Ein solcher Umbau ist günstiger als ein kompletter Neubau, geht aber mit einem schlechteren Wirkungsgrad einher. Für die Bieter ist das ein Wettbewerbsvorteil bei der Auktion, für das System bedeutet es geringere Effizienz im Betrieb.
Der Kohleausstieg im Rheinischen Revier wackelt
Die neuen Gaskraftwerke sollen einen Teil der wegfallenden Kohlekapazitäten auffangen. Der für Anfang der 2030er Jahre geplante Kohleausstieg im Rheinischen Revier gilt durch die aktuelle Entwicklung als gefährdet. Wie schnell Kohlekraftwerke tatsächlich vom Netz gehen können, hängt damit unmittelbar davon ab, wie viele Gaskraftwerke Zuschläge erhalten und wie zügig sie gebaut werden.
Klagen gehören bei solchen Auktionen zum Alltagsgeschäft. Ergeben sich durch die Vergabe unbeabsichtigte Ergebnisse, ist eine Debatte über die Gesetzesziele möglich. Anleger sollten deshalb nicht allein auf die Zuschlagsliste schauen, sondern auch auf die anschließenden rechtlichen Auseinandersetzungen.
Uniper sucht Käufer, Křetínský bietet mit
Uniper befindet sich in staatlichem Eigentum und steht in weiten Teilen zum Verkauf. Kaufangebote liegen vor und werden geprüft. Offen ist, ob der Bund die Beteiligung über die Börse oder an strategische Investoren veräußert. Nach 2028 darf der Bund höchstens 25 Prozent plus eine Aktie an dem Unternehmen halten.
Auch die EP Group von Daniel Křetínský hat ein Angebot für Uniper abgegeben. Der Investor ist damit gleichzeitig als Bieter für Kraftwerkskapazitäten und als möglicher Käufer eines großen Versorgers im Spiel – eine Konstellation, die den Wettbewerb um die knappen Zuschläge zusätzlich auflädt.
Anleger sollten die Zuschlagspraxis der Netzagentur genau verfolgen
Für Privatanleger sind die Zuschläge ein Gradmesser dafür, wie planbar die milliardenschweren Investitionen der Versorger werden. Wer in RWE, Uniper oder EnBW investiert ist, sollte darauf achten, welche Projekte den Zuschlag erhalten, wie hoch die gesicherten Erlöse ausfallen und ob Klagen den Zeitplan verzögern. Die zweite Runde Ende Dezember und die für 2027 geplante Ausschreibung über zwei Gigawatt samt Batteriespeichern liefern die nächsten Datenpunkte.
