Capricorn ist insolvent: Düsseldorfer Leichtbauspezialist kämpft um Fortbestand
Der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Andres soll den Geschäftsbetrieb der Capricorn-Gruppe stabilisieren und Insolvenzgeld organisieren.

Der Düsseldorfer Leichtbauspezialist Capricorn kämpft um seinen Fortbestand. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, sind zwei Kerngesellschaften der Gruppe betroffen: die Capricorn Holding GmbH und die Capricorn Composite GmbH. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Dirk Andres von der Kanzlei AndresPartner eingesetzt.
Für Beschäftigte und Kunden ist das zunächst eine wichtige Nachricht: Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst normal weiter. Andres will sich in einem ersten Schritt einen Überblick über die Lage verschaffen, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. Die Zukunft des Hypercars Capricorn 01 Zagato ist dabei vorerst Nebensache.
Denn das eigentliche Standbein der Gruppe liegt nicht im Bau von Supersportwagen, sondern im automobilen Leichtbau. Capricorn fertigt Spezialkomponenten für Sportwagen. Nach Informationen der Rheinischen Post gehören dazu Fahrgestelle für Porsche, Motorteile für Bugatti, Kurbelwellen für Lamborghini sowie Unterboden-Komponenten für die Formel 1. Damit ist das Unternehmen tief in die Lieferketten der europäischen Sportwagen- und Rennsportindustrie eingebunden.
Der Insolvenzverwalter Dirk Andres will zuerst das Tagesgeschäft stabilisieren
Zu den vordringlichsten Aufgaben von Dirk Andres dürfte es gehören, das Tagesgeschäft zu stabilisieren und Insolvenzgeldzahlungen für die Mitarbeiter zu organisieren. Beides dient dazu, den Betrieb handlungsfähig zu halten, während die Ursachen der Schieflage aufgearbeitet werden. Erst danach dürfte über eine dauerhafte Lösung für die beiden Kerngesellschaften entschieden werden.
Parallel dazu steht die Suche nach Investoren an. Sie soll dem Vernehmen nach rasch beginnen. Ob und in welcher Form sich Interessenten für die Holding und die Composite-Gesellschaft finden, ist offen. Klar ist: Ohne frisches Kapital oder einen Käufer lässt sich der Fortbestand der Gruppe kaum sichern.
Der Hypercar Capricorn 01 Zagato sollte 900 PS leisten und rund drei Millionen Euro kosten
Für Aufsehen sorgte in der Vergangenheit vor allem das Hypercar-Projekt der Gruppe. Der Capricorn 01 Zagato wurde gemeinsam mit dem italienischen Design- und Karosseriebauer Zagato entwickelt. Geplant waren 19 Stück des Luxussportwagens.
Die technischen Eckdaten können sich sehen lassen: 900 PS Leistung, ein Gewicht von 1200 Kilogramm und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,9 Sekunden. Der Kaufpreis lag bei rund 3 Millionen Euro pro Fahrzeug. Solche Projekte binden jedoch erhebliche Entwicklungs- und Investitionsmittel, bevor überhaupt Erlöse fließen.
Die Gruppe geht auf den Unternehmer Robertino Wild zurück
Gegründet wurde die Unternehmensgruppe von dem Unternehmer Robertino Wild. Wild begann seine unternehmerische Laufbahn in der Garage von Hein Gericke, wo er sich mit Motorrädern und Oldtimern beschäftigte. Später baute er daraus eine ganze Unternehmensgruppe auf. Seinen Namen verdankt Capricorn dem Sternzeichen des Gründers: Steinbock.
Wild wollte einst den Nürburgring kaufen – ein Vorhaben, das zeigt, wie groß seine Ambitionen im Motorsport und in der Fahrzeugbranche waren. Möglicherweise hat er den Entwicklungs- und Investitionsaufwand für seine Projekte unterschätzt. Das ist eine naheliegende Erklärung für die aktuelle Schieflage, auch wenn die genauen Ursachen noch aufgearbeitet werden müssen.
aktien.news berichtete in diesem Jahr mehrfach über Insolvenzen in der Industrie
Der Fall Capricorn steht nicht allein. Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass der in Insolvenz befindliche Autoteilezulieferer First Brands mehrere wichtige Geschäftsbereiche in Nordamerika einstellen muss, weil die führenden Kreditgeber keine weiteren Mittel bereitstellen wollten. Betroffen waren die Geschäfte Brake Parts, der Ersatzteilhersteller Cardone sowie der Zündkerzenhersteller Autolite.
Am 11.02.2026 folgte die Meldung, dass der britische Raketenhersteller Orbex Insolvenz angemeldet hat, nachdem Verhandlungen über eine neue Finanzierungsrunde gescheitert waren. Das Unternehmen wollte den Geschäftsbetrieb vorerst aufrechterhalten und Optionen wie den Verkauf des gesamten Unternehmens oder einzelner Vermögenswerte prüfen.
Nur zwei Tage später, am 13.02.2026, berichtete aktien.news über das Aachener LED-Werk Ultinon Motion Germany, das Insolvenz anmeldete. Rund 500 Mitarbeiter bangten um ihre Arbeitsplätze, während der vorläufige Insolvenzverwalter Wolfgang Piroth von der Kanzlei Husemann die Geschäfte übernahm. Am 25.03.2026 schließlich meldete aktien.news, dass die Übernahme der IFA-Gruppe durch den US-Antriebsspezialisten Neapco kurz vor dem Abschluss stand – nach einem umfangreichen Sanierungsverfahren auf Basis des Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetzes (StaRUG).
Für Anleger ist vor allem die Zukunft der beiden Kerngesellschaften entscheidend
Für deutsche Privatanleger ist der Fall vor allem als Branchensignal interessant. Die Autozulieferindustrie steckt seit geraumer Zeit in einer Konsolidierungs- und Krisenphase, wie die Serie von Insolvenzmeldungen zeigt. Wer in Zulieferer oder in Sportwagenhersteller investiert ist, sollte die Lieferketten und die finanzielle Stabilität der Partner im Blick behalten.
Wichtig ist die Unterscheidung: Ein Insolvenzverfahren bedeutet nicht automatisch das Ende eines Unternehmens. Häufig gelingt es, den Betrieb zu stabilisieren, Investoren zu finden und die Gesellschaft zu sanieren. Ob das im Fall Capricorn gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich Kapitalgeber finden und wie tragfähig das Kerngeschäft mit Leichtbaukomponenten ist. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Investorensuche soll dem Vernehmen nach rasch beginnen
Der weitere Fahrplan hängt an mehreren Punkten. Zunächst dürfte der vorläufige Insolvenzverwalter den Überblick über die Vermögens- und Auftragslage gewinnen. Danach stehen die Stabilisierung des Tagesgeschäfts und die Organisation der Insolvenzgeldzahlungen im Vordergrund. Parallel beginnt die Suche nach Investoren.
Ob der Hypercar Capricorn 01 Zagato und die geplanten 19 Fahrzeuge jemals realisiert werden, ist derzeit offen. Im Vordergrund steht der Fortbestand der beiden Kerngesellschaften und damit der Erhalt des Leichtbaugeschäfts.
Drei Fachbegriffe aus dem Artikel sind für Anleger wichtig
- Insolvenzverwalter: Ein vom Gericht bestellter Fachmann, der das Vermögen eines insolventen Unternehmens verwaltet und die Interessen der Gläubiger wahrt.
- Insolvenzgeld: Eine Leistung, die Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit ihres Arbeitgebers für ausstehendes Arbeitsentgelt absichert.
- Leichtbau: Eine Konstruktionsweise, bei der Bauteile möglichst leicht, aber dennoch stabil gefertigt werden, um Gewicht zu reduzieren.
