Oracle beruft sich auf höhere Gewalt bei Rechenzentrum in New Mexico
Bloomberg News zufolge schickt Oracle dem Entwickler eines großen Rechenzentrumsprojekts eine Force-Majeure-Mitteilung; die Aktie fällt vorbörslich.

Oracle versucht sich vor potenziellen Kostensteigerungen im Zusammenhang mit einem großen Rechenzentrumsprojekt im US-Bundesstaat New Mexico zu schützen. Wie Bloomberg News am Donnerstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichtete, hat der Softwarekonzern dem Entwickler des Projekts eine sogenannte Force-Majeure-Mitteilung zukommen lassen. Eine unabhängige Bestätigung durch Reuters war nicht möglich. Der Bericht datiert vom 24. September.
Die Reaktion an der Börse folgte prompt. Die Aktien des Unternehmens fielen im Vorhandel um nahezu 5 Prozent, nachdem der Bericht veröffentlicht worden war. Damit gehört Oracle zu den schwächsten Werten im vorbörslichen Handel, noch bevor die reguläre Sitzung an der Wall Street überhaupt begonnen hatte.
Der Vorgang fällt in ein ohnehin angespanntes Marktumfeld. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2004, da die Verkaufswelle am Anleihemarkt anhielt. Die US-Aktienmärkte starteten mit Verlusten, auch wenn sich die Bond-Verkaufswelle etwas abkühlte – belastet wurden die Kurse vor allem durch steigende Ölpreise. Zugleich richtet sich der Blick der Anleger auf den bevorstehenden Gipfel zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatschef Xi, während der Abverkauf im Anleihemarkt als zentrales Thema die Märkte bewegt.
Die Details
Im Zentrum des Berichts steht eine Mitteilung, mit der sich Oracle gegen mögliche Kostensteigerungen bei einem großen Rechenzentrumsprojekt in New Mexico absichern will. Adressat ist der Entwickler des Projekts. Oracle beruft sich dabei auf „höhere Gewalt“ – ein vertragliches Instrument, mit dem sich Unternehmen gegen die finanziellen Folgen unvorhersehbarer Ereignisse absichern wollen.
Die Informationen stammen von Bloomberg News, das sich auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen beruft. Die Mitteilung wurde dem Bericht zufolge am Donnerstag publik. Reuters konnte den Sachverhalt nicht unabhängig bestätigen – eine Einschränkung, die bei Meldungen auf Basis anonymer Quellen üblich ist und die Aussagekraft der Information für Anleger relativiert.
Bemerkenswert ist die Größenordnung der Kursreaktion: Ein Minus von nahezu 5 Prozent im Vorhandel zeigt, wie sensibel der Markt derzeit auf Nachrichten zu Oracles Rechenzentrumsausgaben reagiert. Der Konzern befindet sich mitten in einem massiven Ausbau seiner Infrastrukturkapazitäten, der erhebliche Investitionen erfordert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Entwicklung ist Teil einer längeren Geschichte. Bereits am 03.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) von Oracle um 17 Prozent gefallen waren, nachdem der Softwarekonzern einen umfassenden Finanzierungsplan für seine KI-Expansion vorgestellt hatte. Der US-Konzern plante demnach, in diesem Jahr zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Die 5-jährigen CDS von Oracle waren Ende 2025 stark angestiegen, als Investoren Bedenken über die massiven Rechenzentrumsausgaben des Unternehmens äußerten.
Am 06.03.2026 berichtete aktien.news, dass Oracle einem Bericht von Bloomberg News zufolge den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen im gesamten Unternehmen plant. Die Entlassungen sollten bereits in diesem Monat beginnen und laut Bloomberg weitreichender ausfallen als die bei Oracle üblichen rollierenden Stellenstreichungen. Ein Sprecher des Unternehmens lehnte gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab. Als Grund für die Kürzungen galten die massiv gestiegenen Investitionsausgaben für den Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten. Oracle hatte im Dezember angekündigt, im Geschäftsjahr 2026 rund 15 Milliarden US-Dollar mehr zu investieren als die ursprünglich veranschlagten 35 Milliarden Dollar.
Am 10.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich die US-Aktienmärkte vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und wichtiger Quartalsberichte volatil zeigten. Brent-Rohöl notierte erstmals seit Juli wieder über 100 US-Dollar pro Barrel, was Sorgen vor einer neuen Inflationswelle schürte. Oracle verzeichnete im September einen Kursanstieg von über 14 Prozent, getrieben durch eine massive Nachfrage.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal dafür, wie eng die Bewertung von Oracle inzwischen mit der Kostenentwicklung der Rechenzentrumsprojekte verknüpft ist. Eine Force-Majeure-Mitteilung ist kein operatives Ergebnis, sondern ein vertraglicher Schritt – sie kann aber als Indiz dafür gelesen werden, dass der Konzern steigende Projektkosten antizipiert und sich dagegen absichern will.
Zweitens liefert der Vorgang einen weiteren Baustein in der Reihe von Nachrichten, die sich um Oracles Kapitalbedarf drehen: der Finanzierungsplan über 45 bis 50 Milliarden Dollar, die geplanten Stellenstreichungen und nun die Absicherung gegen Kostensteigerungen bei einem einzelnen Projekt. Anleger, die Oracle-Aktien halten, sollten diese Meldungen im Zusammenhang betrachten und nicht isoliert bewerten.
Drittens zeigt die Kursreaktion von nahezu 5 Prozent im Vorhandel, dass der Markt auf negative Nachrichten zu diesem Themenkomplex empfindlich reagiert. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass Reuters die Informationen nicht unabhängig bestätigen konnte – die Meldung beruht auf anonymen Quellen.
Ausblick
Kurzfristig dürfte der Blick der Märkte auf zwei Punkten liegen: dem bevorstehenden Gipfel zwischen Trump und Xi sowie dem anhaltenden Abverkauf im Anleihemarkt, der mit der Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit 2004 bereits deutlich sichtbar ist. Beide Faktoren prägen das Umfeld, in dem sich auch die Oracle-Aktie bewegt.
Offen bleibt, ob und wann sich der Bloomberg-Bericht unabhängig bestätigen lässt. Bis dahin gilt die Einschränkung, die Reuters selbst formuliert hat: Eine unabhängige Bestätigung war nicht möglich.
Kurz erklärt
- Force Majeure: Vertragsklausel, mit der sich eine Partei gegen die Folgen unvorhersehbarer Ereignisse absichern will, die die Vertragserfüllung erschweren oder unmöglich machen.
- Credit Default Swap: Kreditausfallversicherung, bei der Käufer für den Schutz vor einem möglichen Zahlungsausfall eines Schuldners zahlen.
- Vorhandel: Der Handel mit Aktien vor der offiziellen Eröffnung der Börse, der erste Kursreaktionen auf neue Nachrichten sichtbar macht.
