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Ölpreissprung: Warum die USA stärker leiden als China

Geopolitischer Stratege Marko Papic von BCA Research widerspricht der gängigen Marktmeinung zur Ölpreis-Anfälligkeit der USA und Chinas.

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Ölpreissprung: Warum die USA stärker leiden als China

Die gängige Annahme unter Investoren klingt zunächst plausibel: Die USA sind als Nettoexporteur von Erdölprodukten weitgehend immun gegen kriegsbedingte Ölpreisspitzen, während China als großer Importeur extrem verwundbar gegenüber einer Blockade wichtiger Versorgungswege ist. Doch ein renommierter Stratege stellt diese Einschätzung grundlegend in Frage.

Marko Papic, geopolitischer Stratege beim Analysehaus BCA Research, vertritt eine klar abweichende Auffassung. Seiner Einschätzung nach verfügt China über deutlich mehr Handlungsspielraum als Investoren gemeinhin vermuten – und die USA könnten im Falle eines Ölpreisschocks stärker getroffen werden als weithin angenommen.

Konventionelle Weisheit auf dem Prüfstand

Der Hintergrund dieser Debatte ist die geopolitische Lage rund um den Iran. Ein bewaffneter Konflikt oder eine Eskalation in der Region könnte die Ölversorgung empfindlich stören und die Preise an den globalen Energiemärkten in die Höhe treiben. Solche Szenarien beschäftigen Investoren und Strategen weltweit – und die Frage, welche Volkswirtschaft dabei am stärksten leidet, ist für die Portfolioallokation von erheblicher Bedeutung.

Die USA haben in den vergangenen Jahren durch den Schieferöl-Boom tatsächlich eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen und sind vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur von Erdölprodukten aufgestiegen. Diese Entwicklung hat viele Marktbeobachter zu dem Schluss verleitet, dass Amerika bei steigenden Ölpreisen sogar profitieren könnte – oder zumindest weniger stark belastet wird als andere große Volkswirtschaften.

China hingegen ist stark auf Ölimporte angewiesen und bezieht einen erheblichen Teil seiner Energieversorgung über Seewege, die im Falle eines Konflikts blockiert werden könnten. Die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des weltweiten Öltransports fließt, gilt dabei als besonders kritischer Engpass.

Papics abweichende Analyse

Stratege Papic von BCA Research sieht die Situation jedoch differenzierter. Er argumentiert, dass China über mehr Flexibilität und Handlungsspielraum verfügt, als der Markt einpreist. Die genauen Argumente seiner Analyse, die über MarketWatch verbreitet wurden, stellen die vereinfachte Sichtweise der Marktteilnehmer in Frage.

Für deutsche Privatanleger ist diese Debatte aus mehreren Gründen relevant. Steigende Ölpreise wirken sich direkt auf die Inflation, die Unternehmensgewinne und die Konsumausgaben aus – und damit auf die Entwicklung der globalen Aktienmärkte. Wer in US-amerikanische oder chinesische Werte investiert ist, sollte die geopolitischen Energierisiken genau im Blick behalten.

Die Analyse stammt von Jules Rimmer, Marktberichterstatter in London. Rimmer blickt auf mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Finanzmärkten zurück. Seine Karriere begann bei Salomon Brothers in der legendären „Liar's Poker"-Ära und führte ihn über Stationen bei ING Barings und Jefferies schließlich in den Bereich Schwellenländer bei Investec. Im Jahr 2021 wechselte er in den Journalismus.

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