Iran-Waffenstillstand verlängert: Ölmärkte reagieren verhalten auf Entspannung
Trump verlängert einseitig den Iran-Waffenstillstand, doch Ölpreise und Märkte bleiben angesichts offener Fragen skeptisch.

US-Präsident Donald Trump hat den Waffenstillstand im Iran-Konflikt einseitig über die Frist am Mittwoch hinaus verlängert. Ob die anderen am Konflikt beteiligten Parteien dieser Verlängerung zugestimmt haben, bleibt jedoch unklar. Genau diese Unsicherheit erklärt, warum die Rohölpreise kaum auf das Signal reagiert haben, das unter anderen Umständen als klare Entspannung gewertet worden wäre.
Die Preise für die Nordseesorte Brent stiegen am Mittwoch leicht auf knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel, während WTI-Rohöl bei rund 91 Dollar je Barrel gehandelt wurde. Der Iran behauptet, dass die von Trump angekündigte Fortsetzung der US-Blockade iranischer Häfen einen Verstoß gegen den Waffenstillstand darstelle. Als Konsequenz bleibt die strategisch wichtige Straße von Hormus geschlossen — eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel.
Berichte über erneuten Beschuss von Frachtschiffen in der Wasserstraße am Mittwochmorgen verstärken die Unsicherheit. Wann oder ob neue Gespräche zwischen den Konfliktparteien aufgenommen werden, ist derzeit offen.
Weltbörsen setzen auf Deeskalation
Trotz der angespannten Lage zeigen sich die globalen Aktienmärkte und die Wall-Street-Futures optimistisch hinsichtlich einer letztendlichen Deeskalation. Besonders deutlich wird dies im Technologiesektor: Südkoreanische, japanische und taiwanesische Aktien setzten ihren Höhenflug über Nacht fort. Der koreanische Chip-Riese SK Hynix stieg dabei in die Top 20 der wertvollsten Unternehmen weltweit auf.
Im Fokus steht auch Intel, dessen Aktie im bisherigen Aprilmonat um mehr als 50 Prozent zugelegt hat — einer der stärksten Monatskurse in der Geschichte des Unternehmens. Auf Jahressicht hat sich der Kurs sogar mehr als verdreifacht. Treiber dieser Entwicklung sind die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Chips und Servern im Zuge des globalen KI-Ausbaus sowie der Einstieg der US-Regierung und von Nvidia beim einst angeschlagenen Konzern im vergangenen Jahr. Intel wird am Donnerstag seine Quartalsergebnisse vorlegen. Zudem weitete das Unternehmen in diesem Monat seine KI-CPU-Partnerschaft mit Google aus und schloss sich Elon Musks „Terafab"-KI-Chip-Projekt an.
Ebenfalls am Mittwochabend nach Börsenschluss präsentiert Tesla seine Ergebnisse. Analysten erwarten, dass sich die Aufmerksamkeit dabei auf das Energie- und Solargeschäft, die Robotaxi-Pläne sowie den geplanten Einstieg in das Chipdesign konzentrieren wird.
Fed-Nominierung: Warsh gibt wenig Überraschungen preis
Ein weiterer Schwerpunkt der vergangenen 24 Stunden war die Anhörung des Fed-Vorsitz-Nominierten Kevin Warsh vor dem US-Kongress. Große Überraschungen blieben aus — Rentenmärkte und der Dollar reagierten kaum. Warsh betonte, Trump habe ihn nicht um eine Zusage für Zinssenkungen gebeten. Stattdessen konzentrierte er sich auf seine Pläne für einen „Regimewechsel" im geldpolitischen Rahmen der Fed sowie seinen längerfristigen Wunsch nach einer Reduzierung der Fed-Bilanz.
Kurz vor Warshs Aussage hatte Trump erklärt, er wäre enttäuscht, wenn sein Kandidat keine sofortigen Zinssenkungen liefern würde. Angesichts des wieder aufflammenden Preisdrucks erscheint dies jedoch als wenig realistische Erwartung. Die Märkte sehen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 50 Prozent, dass die Fed im weiteren Jahresverlauf die Zinsen senkt.
US-Einzelhandel und britische Inflation im Blick
Auf der Konjunkturseite überraschten die US-Einzelhandelsumsätze für März positiv: Sie stiegen stärker als prognostiziert, selbst bereinigt um die hohen Tankstellenumsätze. Die Gesamtwirtschaft scheint den Ölschock bislang — zumindest für einen Monat — verkraftet zu haben.
Aus Großbritannien kamen dagegen weniger erfreuliche Nachrichten: Die britische Inflation stieg im März von 3,0 auf 3,3 Prozent und fiel damit höher aus als erwartet. Die Kernpreise ohne Energie zeigten sich allerdings verhaltener. Für europäische Anleger ist dies ein Hinweis darauf, dass der Inflationsdruck in den westlichen Volkswirtschaften noch nicht vollständig überwunden ist.
Auf der Agenda für Mittwoch stehen zudem die Ergebnisse von IBM und Moody's sowie eine Auktion 20-jähriger US-Staatsanleihen um 13:00 Uhr EDT.
