Iran-Krieg verursacht größten Ölangebots-Ausfall der Geschichte
Der Konflikt zwischen USA, Israel und Iran sowie die Schließung der Straße von Hormus lösen die schwerste Energiekrise aller Zeiten aus.

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat laut Reuters-Berechnungen den größten jemals verzeichneten Ausfall des Ölangebots nach täglicher Fördermenge verursacht. Hinzu kommt die Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Energietransport. Dennoch hatte mindestens ein früherer Schock eine größere kumulative Auswirkung – basierend auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) und des US-Energieministeriums.
Die IEA stufte den Konflikt am Dienstag als die schwerste Energiekrise ein, mit der die Welt je konfrontiert war. Besonders gravierend ist die Situation im Zusammenspiel mit den Nachwirkungen der europäischen Gaskrise, die durch die russische Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 ausgelöst wurde. Die gleichzeitige Belastung durch zwei große Energieschocks stellt die globalen Märkte vor außergewöhnliche Herausforderungen.
Historische Einordnung der Versorgungsstörung
Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch bedeutsamsten Meerengen der Welt. Durch sie fließt ein erheblicher Anteil des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases. Eine Schließung dieser Route trifft nicht nur die unmittelbaren Anrainerstaaten, sondern hat weitreichende Folgen für die globale Energieversorgung – von Europa bis Asien.
Frühere Versorgungsschocks, etwa während des Ölembargos der 1970er-Jahre oder der Golfkriege, hatten ebenfalls massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Laut den vorliegenden Daten der IEA und des US-Energieministeriums übertrifft der aktuelle Schock zwar frühere Ereignisse in der täglichen Ausfallmenge, nicht jedoch zwingend in der kumulativen Gesamtauswirkung. Diese Differenzierung ist für die Einschätzung der langfristigen wirtschaftlichen Folgen entscheidend.
Doppelte Belastung für die globalen Energiemärkte
Für Europa ist die Lage besonders heikel. Der Kontinent hat sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 mühsam von seiner Abhängigkeit von russischem Erdgas gelöst und alternative Versorgungsquellen erschlossen. Eine gleichzeitige Störung der Ölversorgung aus dem Persischen Golf verschärft die ohnehin angespannte Energiesituation erheblich.
Deutsche Privatanleger und Unternehmen sollten die Entwicklungen an den Energiemärkten genau beobachten. Steigende Öl- und Gaspreise wirken sich direkt auf Produktionskosten, Inflation und Kaufkraft aus. Energieintensive Branchen wie die Chemie- und Stahlindustrie sind besonders exponiert.
Die Kombination aus geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und den noch nicht vollständig überwundenen Folgen der europäischen Gaskrise macht die aktuelle Situation laut IEA historisch einzigartig. Wie lange die Versorgungsunterbrechung andauert und welche diplomatischen oder militärischen Entwicklungen folgen, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie tief die wirtschaftlichen Schäden ausfallen.
