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Ölpreis bleibt hoch: Vier Gründe trotz steigendem Ölangebot

Trotz 100 Millionen zusätzlicher Barrel aus G7-Reserven fällt der Ölpreis kaum – vier Faktoren halten ihn oben.

• 4 Min
Ölpreis bleibt hoch: Vier Gründe trotz steigendem Ölangebot

Das Ölangebot ist fast wieder auf Vorkriegsniveau – doch der Preis für Rohöl bleibt hartnäckig hoch. Die G7 haben auf Drängen von US-Präsident Donald Trump 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel in den Markt gepumpt. Trotzdem reagiert der Ölpreis kaum. Vor dem Krieg kostete ein Barrel rund 60 Dollar, seit einigen Wochen liegt der Preis um 100 Dollar.

Am Montag notierte die US-Sorte WTI bei 91 Dollar je Barrel, die Nordseesorte Brent bei 102 Dollar. Für Verbraucher bedeutet das: Die Zapfsäulenpreise bleiben entsprechend hoch. Vier Faktoren erklären, warum die zusätzlichen Mengen den Preis nicht drücken.

Die Details

Der erste Faktor sind die Transportkosten. Die Charterraten für Tanker stehen auf Rekordhoch. Ein VLCC-Supertanker ist pro Tag achtmal so teuer wie vor dem Krieg. Ein Londoner Schiffsbroker bringt die Lage auf den Punkt: Die Buchung sei derzeit überraschend schwierig, "weil der Preis am Spot-Markt so gottverdammt hoch ist".

Hinzu kommt ein extrem ineffizienter Einsatz der Schiffe. Statt direkter Routen fahren die Tanker einen Shuttle-Service zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, bei dem das Öl per Schiff-zu-Schiff-Transfer umgeladen wird. Das Öl muss erst nach Asien gebracht werden, bevor es weiterverteilt wird. Jeder zusätzliche Seemeilen-Aufwand kostet Geld und bindet Kapazität.

Der zweite Faktor sind die Raffinerien. Die Raffineriekapazitäten im Nahen Osten sind durch Kriegsschäden reduziert. Chinesische und südkoreanische Raffinerien springen in die Lücke und verkaufen Ölprodukte mit hohem Gewinn. Die Nachfrage nach Destillaten kommt vor allem aus der westlichen Hemisphäre, sodass die Produkte um die halbe Welt geschippert werden müssen. Auch das treibt die Kosten.

Der dritte Faktor ist die Nachfrage, die trotz hoher Preise ungebremst bleibt. Laut Bloomberg liegt die Ölnachfrage bei 104,8 Millionen Barrel pro Tag – 6,5 Millionen Barrel pro Tag mehr als am Tiefstand im Mai. Zusätzlich füllen viele Länder ihre geleerten strategischen Reserven wieder auf. Laut Energy Aspects belaufen sich die globalen Ölreserven auf 4,3 Milliarden Barrel und liegen damit 400 Millionen Barrel unter dem Stand vor dem Krieg. Vor der kalten Jahreszeit decken sich die Länder mit Öl und Diesel ein.

Der vierte Faktor ist die Angst vor einer erneuten Eskalation am Golf. Ein dritter US-Flugzeugträgerverband mit 10.000 Soldaten verlässt San Diego am 27. September, die Ankunft im Arabischen Meer wird wohl Ende Oktober erwartet. Das Wall Street Journal berichtet, Trump plane nach den Zwischenwahlen neue Bombardements im Iran. Vor diesem Hintergrund dient Öl Händlern als Schutz vor Inflation – der Rohölpreis bewegt sich historisch oft parallel zur Inflation. Getrieben wird der Preis damit auch von Spekulation, nicht allein von der Nachfrage.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 16.03.2026 berichtete aktien.news, dass der Nahostkonflikt die Ölpreise auf den höchsten Stand seit 2022 treibt. Brent notierte damals bei rund 104,41 US-Dollar je Barrel, WTI bei 99,25 US-Dollar. Durch die Straße von Hormus flossen vor Kriegsbeginn rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots, und auf der Insel Kharg wurden 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt.

Am 20.05.2026 meldete aktien.news, dass Brent im frühen Handel leicht auf 110,76 Dollar nachgab, das Preisniveau aber weiterhin hoch blieb. Entscheidender Faktor blieb die Lage an der Straße von Hormus, die seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar faktisch als blockiert galt.

Am 19.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Benzinpreise hoch bleiben, auch wenn der Ölpreis fällt. WTI bewegte sich damals um 80 US-Dollar pro Barrel, während die Benzinpreise in den USA laut dem Energiedatenunternehmen OPIS bei 3,94 US-Dollar pro Gallone lagen.

Am 20.07.2026 schilderte aktien.news fünf Gründe für die Stabilität der Ölpreise trotz US-Iran-Krieg. Analysten hatten ursprünglich 150 bis 200 US-Dollar pro Barrel prognostiziert, doch Brent erreichte seinen Höchststand bei rund 126 US-Dollar. Zwischen dem Kriegsbeginn am 28. Februar und dem 11. Juni, als Trump Angriffe auf den Iran absagte, lag der Durchschnittspreis bei lediglich 101 Dollar.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft zwiespältig. Einerseits deutet das fast wiederhergestellte Angebot auf Entspannung hin. Andererseits zeigen die vier Faktoren, dass der Preis nicht allein von der Fördermenge abhängt. Transportkosten, Raffinerieengpässe, Lageraufbau und geopolitische Risiken wirken zusammen und halten das Niveau oben.

Wer in Energie- oder Rohstoffwerten investiert ist, sollte die Tanker- und Raffineriemärkte im Blick behalten, denn dort entstehen die aktuellen Kosten. Für Verbraucher bleibt wichtig: Sinkende Rohölpreise kommen an der Zapfsäule nicht automatisch an, wie der frühere Bericht vom 19.07.2026 zeigte. Diese Einordnung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Eine Entspannung erwarten Marktbeobachter erst nach dem Ende der Eindeckungssaison im November. Bis dahin dürften die Länder weiter Öl und Diesel für die kalte Jahreszeit bevorraten. Zusätzlich bleibt die Ankunft des dritten US-Flugzeugträgerverbands im Arabischen Meer Ende Oktober ein wichtiger Termin. Auch die Entwicklung im Irak ist relevant: Vor drei Wochen gab es dort einen Pipeline-Angriff, und das Öl fließt zwar wieder durch die Ost-West-Pipeline, aber weniger als vor dem Angriff.

Kurz erklärt

  • VLCC-Supertanker: ein besonders großer Tankertyp, der Rohöl über weite Strecken transportiert.
  • Destillate: aus Rohöl gewonnene Produkte wie Diesel und Heizöl.
  • Spot-Markt: der Markt für sofortige Lieferung einer Ware zu aktuellen Tagespreisen.
  • Strategische Reserven: staatliche Ölvorräte, die für Krisenzeiten angelegt werden.
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