Nvidia erreicht neues Allzeithoch: Ist die KI-Aktie noch ein Kauf?
Die Nvidia-Aktie markiert ein Rekordhoch bei 243,37 Dollar – doch die Bewertung wirft Fragen auf.

Nvidia (NVDA) hat am Dienstag einen neuen intraday-Höchststand von 243,37 US-Dollar pro Aktie erreicht. Bereits am vergangenen Freitag übertraf die Aktie ihren bisherigen Rekord vom 14. Mai und legte seither weiter zu. Am Dienstag verzeichnete der Chipkonzern damit seinen fünften Kursanstieg in Folge.
Getragen wurde die Rallye in den vergangenen Tagen von positiven makroökonomischen Nachrichten. Ein PCE-Inflationsbericht fiel schwächer aus als erwartet, zudem sorgte ein schwacher Beschäftigungsbericht dafür, dass zukünftige Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed weniger wahrscheinlich erscheinen. Der Optimismus an den Märkten trieb auch den S&P 500 und den Nasdaq Composite an ihre jeweiligen Allzeithochs.
Während es rund um Nvidia selbst relativ wenige Neuigkeiten gab, bleibt die allgemeine Berichterstattung über künstliche Intelligenz (KI) überwiegend positiv. So befindet sich Anthropic auf dem Weg zu einem Börsengang im nächsten Monat, der das Unternehmen voraussichtlich mit 2 Billionen US-Dollar bewerten wird. Marvell begeisterte Anleger auf seiner Investor-Day-Konferenz, nachdem es seine Umsatzprognose für 2028 auf 20 Milliarden US-Dollar angehoben hatte – ein Signal für die starke Nachfrage nach Chips. Auch SpaceX, ein enger Partner, konnte mit mehreren Erfolgen aufwarten, darunter der erstmalige Versand der Starship-Rakete in die niedrige Erdumlaufbahn, wo sie Starlink-Satelliten aussetzte.
Bewertung im Vergleich zu Wettbewerbern und S&P 500
Nvidia ist weiterhin das wertvollste Unternehmen der Welt, mit einer Marktkapitalisierung von nunmehr 5,8 Billionen US-Dollar. Die Aktie handelt derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30. Das ist teurer als in den vergangenen Wochen, stellt aber im Vergleich zu Wettbewerbern und dem breiten Markt einen angemessenen Preis dar. Der S&P 500 wird mit einem KGV von 25 gehandelt und wächst deutlich langsamer als Nvidia.
Mitbewerber im Chipsektor wie AMD, Intel und Broadcom, die zuletzt stark von den Tailwinds der KI profitierten, sind erheblich teurer als Nvidia. Sie handeln mit KGVs von 166, 103 (bereinigt) beziehungsweise 48. Der entscheidende Unterschied: Diese Unternehmen sind größtenteils auf potenzielle KI-Gewinne angesprungen, während Nvidia diese Ergebnisse bereits geliefert hat und gut aufgestellt ist, um weiterhin starkes Wachstum zu erzielen.
Die Wall Street erwartet derzeit, dass der Umsatz im nächsten Jahr (Geschäftsjahr 2028) um 67 Prozent auf 687 Milliarden US-Dollar steigen wird, bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 15,80 US-Dollar. Diese Zahlen haben einen Aufwärtstrend gezeigt und könnten weiter steigen. Basierend auf der EPS-Prognose für 2028 handelt Nvidia nur zum 15-fachen des Gewinns – zweifellos eine günstige Bewertung.
Das Gesetz der großen Zahlen als Wachstumsbremse
Der vielleicht beste Grund, Nvidia derzeit nicht zu kaufen, ist das Gesetz der großen Zahlen, das das Wachstum zumindest zu einem gewissen Zeitpunkt dämpfen wird. Aktuell ist Nvidia etwa 20 Prozent wertvoller als das zweitwertvollste Unternehmen Apple. Eine Bewertung von 10 Billionen US-Dollar würde einem Gewinn von 72 Prozent entsprechen. Das ist nichts, worauf man herabsehen sollte – doch Nvidia kann bei dieser Bewertung kein Multi-Bagger-Wachstum mehr zeigen wie vor einigen Jahren.
Zudem muss das Unternehmen, je größer es wird, seinen Marktanteil zunehmend gegen Herausforderer wie AMD und Intel verteidigen – und sogar gegenüber eigenen Kunden wie Amazon und Google, die eigene Chips entwickeln. Bisher blieb Nvidia der dominierende Anbieter von GPUs für Rechenzentren, doch sein Monopol ist nicht garantiert.
Trotz dieser Risiken befindet sich das Unternehmen im KI-Boom weiterhin in der Führungsposition, und seine Bewertung scheint das zukünftige Wachstum zu unterschätzen. Obwohl sich die Wachstumsrate zu einem bestimmten Zeitpunkt verlangsamen wird, bietet die Bewertung Anlegern eine attraktive Sicherheitsmarge. Im Vergleich zu seinen Mitbewerbern wirkt die Aktie unterbewertet und bleibt ein starker Kauf – allerdings sollten Anleger die hohe Volatilität im Blick behalten, die Nvidia bereits mehrfach mit Kurskorrekturen selbst während des KI-Aufschwungs gezeigt hat.
