Microsoft-Aktie: Drittes Jahr in Folge hinter dem S&P 500 droht
Nach zwei Jahren unter dem Index könnte Microsoft 2026 erneut zurückbleiben. Die Börsengeschichte seit 1986 zeigt zwei vergleichbare Serien.

<a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft hat seinen Aktionären in den vergangenen zwei Jahren zwar Gewinne beschert – mit der Marktentwicklung mithalten konnte der Software-Konzern aber nicht. Unter Einbeziehung der wiederangelegten Dividenden legten die Aktien im Jahr 2024 um rund 13 Prozent zu, während der S&P 500 auf derselben Basis rund 25 Prozent erzielte. Im Jahr 2025 setzte sich das Muster fort: Microsoft kam auf etwa 16 Prozent, der Index auf rund 18 Prozent.
Auch im laufenden Jahr sieht die Entwicklung bislang ähnlich aus. Die Aktie notiert zum Zeitpunkt der Berichterstattung nahe 525 US-Dollar, was einer Gesamtrendite für 2026 von etwa 9 Prozent entspricht – im Vergleich zu rund 15 Prozent für den Index. Bemerkenswert ist das deshalb, weil die Aktie zuvor um fast 50 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Ende Juni gestiegen ist, der bei etwa 353 US-Dollar lag.
Sollte Microsoft das Jahr 2026 abschließend hinter dem Index beenden, wäre dies das dritte Jahr in Folge, in dem das Unternehmen den S&P 500 unterbietet. Seit dem Börsengang des Software-Riesen im Jahr 1986 ist das erst zweimal vorgekommen: von 2003 bis 2005 sowie von 2010 bis 2012. Beide Serien endeten irgendwann – doch die Jahre danach verliefen sehr unterschiedlich.
Die Details
Die erste Serie war kostspielig. Von Anfang 2003 bis Ende 2005 erzielte Microsoft insgesamt eine Rendite von rund 15 Prozent, während der Index etwa 50 Prozent zulegte. Das Jahr 2006 brachte dann keine Erholung, auf die einige Aktionäre gehofft hatten: Beide Werte erzielten eine Rendite von rund 16 Prozent, was praktisch ein Unentschieden bedeutete. Erst 2007 zog Microsoft klar davon, mit einer Rendite von etwa 21 Prozent gegenüber rund 5 Prozent beim Index.
Für die Vergleichbarkeit verwendet der US-Finanzdienst durchgängig die Gesamtrendite, also inklusive Dividendenzahlungen. Das ist bei Microsoft deshalb relevant, weil das Unternehmen im Jahr 2004 eine einmalige Sonderdividende von 3 US-Dollar pro Aktie ankündigte – ein Volumen von rund 32 Milliarden US-Dollar. Ein reiner Preisvergleich würde dieses Geld so behandeln, als hätten die Aktionäre es nie erhalten.
Die zweite Serie fiel noch schlechter aus. Von 2010 bis 2012 verloren Microsoft-Aktionäre rund 6 Prozent, während der Index um etwa 36 Prozent zulegte. Anschließend stieg die Aktie stark an und erzielte im Jahr 2013 eine Rendite von etwa 44 Prozent, verglichen mit 32 Prozent beim Index. In dieses Jahr fiel auch die Ankündigung von CEO Steve Ballmer, dass er innerhalb von 12 Monaten in den Ruhestand gehen werde.
Auffällig ist der Preis, den Anleger für Microsofts Gewinn am Ende jeder Serie zahlten. Ende 2005 schloss die Aktie bei rund 26 US-Dollar, etwa dem 23-Fachen des Gewinns, basierend auf den 1,12 US-Dollar pro Aktie aus dem Geschäftsjahr 2005. Der Umsatz war in diesem Geschäftsjahr um 8 Prozent gestiegen. Sieben Jahre später schloss Microsoft das Jahr 2012 bei rund 27 US-Dollar – nahezu zum gleichen Kurs. Relativ zum Gewinn aber war die Aktie deutlich günstiger: Der Gewinn je Aktie lag im Geschäftsjahr 2012 bei 2,00 US-Dollar, was eine Bewertung von etwa dem 13-Fachen ergab. Diese Zahl beinhaltete allerdings eine Abschreibung des Goodwill-Werts in Höhe von 6,2 Milliarden US-Dollar. Der Nicht-GAAP-Wert von Microsoft, der diese Abschreibung und eine Umsatzverschiebung ausschließt, lag bei 2,78 US-Dollar pro Aktie – gemessen daran kostete die Aktie weniger als das Zehnfache des Gewinns.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 25.05.2026 berichtete aktien.news, dass Microsoft unter seinem Vorjahresniveau notierte – rund 9 Prozent unter dem Stand vor einem Jahr. Während Nvidia in zwölf Monaten um 65 Prozent und Alphabet sogar um 131 Prozent zulegten, kamen Amazon auf plus 28 Prozent und Apple auf plus 43 Prozent. Die Geschäftszahlen sprachen gleichzeitig eine andere Sprache: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (zum 31. März) erzielte Microsoft einen Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent im Jahresvergleich, während das Betriebsergebnis um 20 Prozent auf 38,4 Milliarden US-Dollar kletterte.
Am 08.06.2026 meldete aktien.news, dass die Microsoft-Aktie den Monat Mai mit einem Kursgewinn von 10,4 Prozent abgeschlossen hatte – und damit sowohl den S&P 500 (plus 5,2 Prozent) als auch den Nasdaq Composite (plus 8,4 Prozent) übertraf, auf Jahressicht aber weiter im Minus lag. Am 18.07.2026 folgte der Hinweis, dass Microsoft zu seiner günstigsten Bewertung seit Jahren gehandelt werde – verbunden mit der Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt vor einem bevorstehenden großen Investoren-Update. Und am 04.08.2026 berichtete aktien.news über die beste Dreitages-Rally seit 26 Jahren: Das Papier legte innerhalb von drei Handelstagen um 24,9 Prozent zu, die stärkste derartige Phase seit Oktober 2000, als die Aktie in drei Tagen um 29,24 Prozent gestiegen war. Allein am Montag stand ein Plus von 4,9 Prozent zu Buche, wie Dow Jones Market Data ermittelte.
Was das für Anleger bedeutet
Microsofts laufende Serie resultiert nicht aus einem schwächelnden Unternehmen. Der Gewinn je Aktie stieg von 11,80 US-Dollar im Geschäftsjahr 2024 auf 13,64 US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 und auf 17,95 US-Dollar im Geschäftsjahr 2026, also in den zwölf Monaten bis zum 30. Juni 2026. Der jüngste Anstieg von 32 Prozent wurde durch Microsofts Investition in OpenAI unterstützt; ohne diesen Posten wuchs der bereinigte Gewinn je Aktie dennoch um 22 Prozent.
Da die Gewinne schneller stiegen als der Aktienkurs, ist die Bewertung gefallen. Microsoft schloss das Jahr 2024 bei rund dem 36-Fachen des Gewinns des Geschäftsjahres 2024 und beendete das Jahr 2025 nahe dem 35-Fachen des Gewinns des Geschäftsjahres 2025. Aktuell kostet die Aktie etwa das 29-Fache des Gewinns des Geschäftsjahres 2026. Auch das Geschäft wächst schneller als am Ende jeder früheren Serie: Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2026 um 18 Prozent auf 331,8 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so hoch wie die Wachstumsrate im Geschäftsjahr 2005.
Zugleich bleibt das 29-Fache des Gewinns ein steilerer Preis als am Ende der Jahre 2005 oder 2012 – rund dreimal so hoch wie das Niveau von 2012 auf bereinigter Basis. Zwei Fälle machen allerdings keine Regel, wie der Autor selbst einräumt. Die Serie, die mit der günstigeren Aktie endete, wurde vom deutlich stärkeren Folgejahr begleitet. Anders ausgedrückt: Der Startpreis könnte wichtiger gewesen sein als die Serie selbst. Eine nachlaufende Entwicklung war bisher jedenfalls kein guter Grund, die Microsoft-Aktie aufzugeben.
Ausblick
Für die weitere Entwicklung dürfte entscheidend sein, ob die Gewinne mit ihrer jüngsten Rate weiterwachsen. Das heutige Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt weit über dem Niveau, mit dem das Jahr 2013 begann, als die Aktie weniger als das Zehnfache des bereinigten Gewinns kostete. Der Autor hält es für eine vernünftige Wette auf ein Unternehmen, das so schnell wächst, und würde die Serie nicht zum Verkauf nutzen – als Schnäppchen wie Ende 2012 bezeichnet er die Aktie aber nicht. Konkrete Termine nennt der Beitrag nicht; das abgelaufene Geschäftsjahr endete am 30. Juni 2026. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Kurz erklärt
- Gesamtrendite: Die Wertentwicklung einer Aktie einschließlich der wiederangelegten Dividenden.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
- Sonderdividende: Eine einmalige Zusatzausschüttung an die Aktionäre außerhalb der regulären Dividende.
- Nicht-GAAP: Eine um Sonderposten bereinigte Gewinngröße, die vom offiziellen Rechnungslegungswert abweicht.
- Goodwill-Abschreibung: Wertberichtigung auf den bei einer Übernahme gezahlten Aufpreis über den Buchwert hinaus.
