Nordische Zentralbanken reagieren auf Inflationsdruck: Riksbank signalisiert Zinswende
Schwedens Riksbank hält Leitzins bei 1,75 Prozent, deutet aber Straffung an – Norwegen erhöht bereits.

Die nordischen Zentralbanken verstärken ihren Kampf gegen die durch geopolitische Spannungen angeheizte Inflation. Während die schwedische Riksbank ihren Leitzins am Donnerstag wie erwartet bei 1,75 Prozent beließ, signalisierte sie eine mögliche Straffung der Geldpolitik noch vor Jahresende. Im Gegensatz dazu vollzog die norwegische Zentralbank (Norges Bank) bereits eine Zinserhöhung, um dem durch den Nahostkonflikt bedingten Anstieg der Energiepreise entgegenzuwirken.
Die Riksbank hat ihren Zinspfad angepasst und deutet nun auf eine etwa 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 25 Basispunkte im November hin, während eine Erhöhung im Dezember als deutlich wahrscheinlicher gilt. Analysten von Citi betonen, dass ein Schritt im Dezember wahrscheinlicher sei, sofern keine signifikanten positiven Überraschungen bei den September-Inflationsdaten oder dem Arbeitsmarkt eintreten. Zudem hob die schwedische Notenbank ihre Prognosen für 2027 an; der Leitzins wird für das vierte Quartal 2027 nun bei 2,42 Prozent gesehen, verglichen mit der vorherigen Schätzung von 2,07 Prozent. Die BIP-Wachstumsprognose für 2026 wurde zwar leicht nach oben korrigiert, jedoch teilweise auf temporäre Faktoren zurückgeführt.
Norges Bank hält an restriktivem Kurs fest
Die Norges Bank unterstrich die Notwendigkeit, den Leitzins für längere Zeit auf einem erhöhten Niveau zu halten, um die Inflation in Richtung des 2-Prozent-Ziels zu führen. Gouverneurin Ida Wolden Bache betonte, dass der Ausschuss bereit sei, bei Bedarf weitere Schritte zu unternehmen. Auch in Dänemark, dessen Währung an den Euro gekoppelt ist, wurden bereits geldpolitische Maßnahmen ergriffen.
Dieser regionale Trend reiht sich in eine globale Entwicklung ein: Zentralbanken weltweit, darunter die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan, haben ihre Zinsen zuletzt angehoben. Die Sorge der Währungshüter gilt vor allem der Gefahr, dass die durch Energiepreise getriebene Inflation auf Löhne und allgemeine Preiserwartungen übergreift. Eine Ausnahme bildete zunächst die Schweizerische Nationalbank (SNB), die ihre Zinsen bei null beließ, obwohl auch hier die Märkte mit mehreren Zinsschritten im kommenden Jahr rechnen.
Anleihemärkte unter Spannung
Die globalen Anleihemärkte spiegeln die wachsende Nervosität wider: Investoren fordern derzeit die höchsten Renditen seit zwei Jahrzehnten für langlaufende Staatsanleihen. Laut UBS bleiben Anleger angesichts geopolitischer Risiken, der Staatsverschuldung und der Nachhaltigkeit von KI-Investitionen besorgt. Die robuste US-Wirtschaft, gestützt durch eine lockere Fiskalpolitik und einen KI-Investitionsboom, könnte die Federal Reserve zudem dazu veranlassen, die Zinsen weiter anzuheben, um die Inflationserwartungen zu dämpfen.
Für deutsche Anleger sind die Signale aus Skandinavien ein wichtiger Frühindikator. Die nordischen Notenbanken gelten traditionell als besonders wachsam gegenüber Inflationsrisiken und handeln oft schneller als die Europäische Zentralbank. Sollte sich der restriktive Kurs in Schweden und Norwegen fortsetzen, könnte dies den Druck auf die EZB erhöhen, ebenfalls nachzulegen – ein Szenario, das Auswirkungen auf Anleihekurse, Immobilienfinanzierungen und den Euro haben dürfte.
Die entscheidenden Wegmarken liegen nun im November und Dezember, wenn die Riksbank über ihre nächsten Schritte entscheidet. Ob die erwartete Zinserhöhung tatsächlich kommt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Inflations- und Arbeitsmarktdaten ab. Klar ist: Die nordischen Währungshüter haben die Tür zu weiteren Straffungen weit geöffnet.
