EZB-Direktorin Isabel Schnabel wechselt vorzeitig zum Internationalen Währungsfonds
Schnabel verlässt die EZB Anfang 2027 und übernimmt am 4. Januar die Leitung der IWF-Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte.

Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, verlässt die Notenbank vorzeitig. Anfang Januar 2027 wechselt sie zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und übernimmt dort am 4. Januar die Leitung der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte. Ihre achtjährige Amtszeit bei der EZB hätte eigentlich erst Ende 2027 geendet.
Bis zu ihrem Ausscheiden bleibt Schnabel im Amt und verantwortet weiterhin das Ressort Marktoperationen. "Bis dahin wird Frau Schnabel ihre derzeitige Position behalten und ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen", teilte die EZB mit. Das Ethikgremium der Notenbank sieht keine Notwendigkeit für eine Übergangsphase.
Klar ist zugleich: Während ihrer verbleibenden Zeit im EZB-Rat darf sich Schnabel nicht mit IWF-Angelegenheiten befassen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass ihre künftige Rolle keinen Einfluss auf laufende Entscheidungen der Notenbank nimmt.
Eine Verfechterin der Anleihekäufe geht
Schnabel galt als eine der profiliertesten Befürworterinnen von Staatsanleihekäufen und Marktinterventionen. Sie prägte die Debatte um Anleihekäufe gegen finanzielle Fragmentierung im Euroraum maßgeblich mit. Ihre Äußerungen ebneten den Weg für ein neues Anleihekaufprogramm im Sommer.
Bereits 2022 formulierte sie ihre Haltung in aller Deutlichkeit: "Unser Bekenntnis zum Euro ist unser Instrument gegen Fragmentierung. Dieses Bekenntnis kennt keine Grenzen. Und unsere Erfolgsbilanz, bei Bedarf einzugreifen, untermauert dieses Bekenntnis." Damit knüpfte sie an das Versprechen von Mario Draghi an, vor rund einem Jahrzehnt "alles zu tun, was nötig ist".
Drei Posten werden frei – die Nachfolge ist offen
Durch Schnabels Abgang werden im EZB-Direktorium gleich drei Posten frei. Das Führungsgremium besteht aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und vier weiteren Mitgliedern, die jeweils für acht Jahre ernannt werden – eine Verlängerung ist ausgeschlossen.
Auch die Amtszeiten von Chefvolkswirt Philip Lane, die im Juni 2027 endet, und von Präsidentin Christine Lagarde, die im Oktober 2027 ausläuft, stehen zur Disposition. Über die Nachfolge entscheidet der Europäische Rat. Der vorzeitige Abgang Schnabels macht eine Paketlösung bei der Vergabe der Spitzenposten wahrscheinlicher.
Deutschland, Frankreich und Italien beanspruchen de facto einen ständigen Sitz im Direktorium. Als Anwärter werden unter anderem Bundesbankpräsident Joachim Nagel gehandelt. Spanien bringt Pablo Hernández de Cos ins Spiel, den Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, während die Niederlande den früheren Notenbankchef Klaas Knot ins Gespräch bringen. Frankreich wiederum will sich den Posten des Chefvolkswirts sichern.
Lagarde und das Datum der Frankreich-Wahl
Rund um Lagarde kursieren Gerüchte, sie könnte vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 abtreten. Medienberichten zufolge könnte sie im Jahr 2027 zudem die Präsidentschaft des Weltwirtschaftsforums übernehmen. Lagarde dankte für sieben Jahre an der Spitze der Notenbank.
Schnabel war neben Lagarde die einzige Frau im Führungsgremium der EZB. Mit ihrem Weggang verliert das Direktorium eine international bekannte Stimme – und eine, die sich stets für eine aktive Marktpolitik ausgesprochen hat.
Bemerkenswert ist der Blick auf die Vergangenheit: Vorzeitige Abgänge deutscher EZB-Vertreter sind keine Seltenheit. Jürgen Stark schied Ende 2011 aus dem Direktorium aus, Jörg Asmussen blieb dort weniger als zwei Jahre, und Sabine Lautenschläger verließ die Notenbank Ende Oktober 2019.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Privatanleger ist vor allem relevant, dass Schnabel als entschiedene Verfechterin von Marktinterventionen galt. Ihr Weggang könnte die künftige Ausrichtung der EZB-Politik beeinflussen – insbesondere bei Anleihekäufen, die unmittelbar auf die Renditen von Staatsanleihen und damit auf die Kurse entsprechender Fonds und ETFs wirken.
Wie sich das Direktorium neu zusammensetzt, dürfte daher für die Finanzmärkte von Bedeutung sein. Anleger sollten die Personalentscheidungen des Europäischen Rats aufmerksam verfolgen, denn sie geben Hinweise darauf, wie entschlossen die Notenbank künftig gegen Fragmentierung an den Anleihemärkten vorgehen will.
Fest steht bislang nur der Zeitplan: Bis Anfang Januar 2027 bleibt Schnabel im Amt. Danach beginnt für die EZB eine Phase, in der gleich mehrere Führungsposten neu besetzt werden müssen – ein Personalpaket, das die Richtung der europäischen Geldpolitik über Jahre prägen dürfte.
