SoftBank sammelt 11,1 Milliarden Dollar mit Rekord-Junk-Bond ein
Die japanische SoftBank Group finanziert ihr KI-Engagement mit der größten High-Yield-Anleihe der Geschichte und nimmt dafür hohe Zinsen in Kauf.

Die SoftBank Group hat die größte High-Yield-Unternehmensanleihe der Geschichte abgeschlossen. Der japanische Technologiekonzern sammelte 11,1 Milliarden US-Dollar ein. Das Papier umfasst sowohl auf US-Dollar als auch auf Euro lautende Anleihen. Mit dem Erlös will Gründer Masayoshi Son seine Position im Bereich der künstlichen Intelligenz ausbauen.
Im Zentrum steht die Finanzierung einer 64,6 Milliarden Dollar schweren Investition in OpenAI, den Entwickler von ChatGPT. Hinzu kommen strategische Zukäufe im Robotik- und Digitalinfrastrukturgeschäft. Die Emission übertrifft den bisherigen Rekord: Seit 2014 hielt die französische Telefongesellschaft Numericable Group mit 10,9 Milliarden Dollar den Titel der größten High-Yield-Emission.
Die Nachfrage der Anleger war laut Berichten drei- bis viermal so hoch wie das Angebot. Das deutet darauf hin, dass institutionelle Investoren trotz allgemeiner Nervosität über die Nachhaltigkeit des KI-Booms weiterhin Exposure in dem Sektor suchen – auch über riskantere Unternehmensanleihen.
Die Details
Fitch Ratings bewertet die Anleihen mit „BB+" – der höchsten Stufe im nicht-investment-Grade-Bereich. Satoru Aoyama, Senior Director bei Fitch, sieht darin eine Verschiebung der Marktdynamik. Während US-Hyperscaler die KI-bezogene Anleiheemission bislang mit hohen Bonitätsnoten dominiert hätten, zeige SoftBanks Schritt, dass KI-Finanzierung nun in großem Umfang den High-Yield-Markt erreicht habe.
Der Erlös dient vor allem der Ablösung einer temporären Brückenfinanzierung für den OpenAI-Deal. Diese soll SoftBank nach Angaben des Unternehmens bis kommende Woche eine Beteiligung von 13 Prozent an dem KI-Entwickler sichern. Darüber hinaus sind die Mittel für die Übernahme des Robotikgeschäfts von ABB (5,4 Milliarden Dollar) und für DigitalBridge (3,1 Milliarden Dollar) vorgesehen.
Die Emission folgt auf eine Rekordanleihe über 1 Billion Yen (6 Milliarden Dollar), die sich zuvor im Monat an japanische Privatanleger richtete. Zusammen zeigen beide Transaktionen, wie stark SoftBank auf Fremdkapital setzt, um seine Expansion zu finanzieren. Nach Daten von LSEG entfielen im Jahr 2026 bislang 63,4 Prozent des gesamten High-Yield-Unternehmensanleihemarkts in Asien-Pazifik und Japan auf SoftBank.
Die Zinssätze der neuen Papiere liegen zwischen 8,625 Prozent und 9,75 Prozent. Bei den Emissionen aus dem Jahr 2021 hatten sie noch zwischen 2,125 Prozent und 5,25 Prozent gelegen. Analysten führen die höheren Renditen auf eine Kombination aus gestiegenen US-Treasury-Zinsen, dem schieren Volumen der Schuld und wachsender Anlegerunsicherheit über den Zeitplan für Liquiditätsereignisse im KI-Umfeld zurück.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 06.03.2026 berichtete aktien.news, dass SoftBank laut einem Bloomberg-Bericht einen Überbrückungskredit von bis zu 40 Milliarden US-Dollar plante, um die Investition in OpenAI auszubauen. Es wäre die größte rein in US-Dollar denominierte Kreditaufnahme in der Geschichte von SoftBank gewesen, mit einer Laufzeit von rund zwölf Monaten und vier Kreditgebern, darunter JPMorgan Chase.
Am 27.03.2026 meldete aktien.news, dass SoftBank den 40-Milliarden-Dollar-Kredit gesichert hatte. Das unbesicherte Darlehen läuft bis März 2027 und wurde mit einem Konsortium führender Banken vereinbart, zu dem JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Mizuho Bank, Sumitomo Mitsui Banking Corp sowie MUFG Bank zählen. SoftBank hatte zuvor zugestimmt, über seinen Vision Fund 2 rund 30 Milliarden Dollar in OpenAI zu investieren.
Am 14.05.2026 berichtete aktien.news, dass die SoftBank-Aktie trotz eines Rekordquartalsgewinns nachgab. Das Papier fiel um knapp 4 Prozent auf 5.725,0 Yen, während der Nikkei 225 um 0,2 Prozent zulegte. Der zurechenbare Nettogewinn im vierten Quartal zum 31. März betrug 1,829 Billionen Yen (rund 11,61 Milliarden US-Dollar) und übertraf die Konsensschätzungen deutlich.
Am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass SoftBank ihren durch Aktien der Chip-Tochter Arm besicherten Margin-Kredit um fünf Milliarden auf 25 Milliarden Dollar aufstockte. Die neuen Konditionen wurden in diesem Monat ausgehandelt. Der Schritt verschaffte dem Konzern zusätzliche Finanzierungsquellen für seine milliardenschweren KI-Investitionen.
Was das für Anleger bedeutet
Die Emission fällt in eine Phase erhöhter Prüfung der Finanzlage von SoftBank. Mark Chapman, Leiter Telekom und Medien bei CreditSights, weist darauf hin, dass die Beteiligungen an Arm und OpenAI inzwischen etwa drei Viertel des gesamten Vermögenswerts von SoftBank ausmachen. Diese Konzentration, zusammen mit der Verschiebung geplanter IPOs von OpenAI und SB Energy, belaste das Kreditprofil.
Der Preis für die Absicherung von SoftBank-Anleihen gegen Zahlungsausfall ist gestiegen. Die Fünf-Jahres-Credit-Default-Swap-Spreads liegen über 400 Basispunkten, nach rund 280 Basispunkten im Juni. Chapman hält die Risiken für materiell und sieht den Cashflow unter Druck, schließt aber ein Rating-Upgrade nicht aus, falls der OpenAI-IPO rechtzeitig und erfolgreich umgesetzt wird.
Makiko Yoshimura von S&P Global Ratings vertritt eine zurückhaltendere Sicht. Sie argumentiert, die starke Kursentwicklung der Arm-Aktie habe einen Puffer für die Kreditqualität von SoftBank geschaffen, und die Verzögerung des OpenAI-IPO stelle keine unmittelbare Bedrohung dar. SoftBank selbst betont, dass das Verhältnis von Kredit zu Unternehmenswert (Loan-to-Value) innerhalb der selbst gesetzten Obergrenze von 25 Prozent liege.
Für deutsche Privatanleger sind die Papiere vor allem wegen des hohen Zinskupons interessant, der die gestiegenen Risikoaufschläge widerspiegelt. Zugleich verdeutlichen die unterschiedlichen Einschätzungen von CreditSights und S&P, wie stark die Bonität des Konzerns von der Entwicklung einzelner Beteiligungen abhängt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die Verschiebung des OpenAI-IPO, der nun als unwahrscheinlich vor 2027 gilt, erschwert die langfristige Finanzierungsstrategie von SoftBank. Das Unternehmen muss seine massiven Kapitalzusagen mit dem Bedürfnis nach Investorenvertrauen in einem volatilen Markt in Einklang bringen. Ob der Markt weiterhin die Liquidität bereitstellt, die Masayoshi Sons langfristige Vision erfordert, wird sich an der Entwicklung dieser High-Yield-Anleihen zeigen.
Kurz erklärt
- High-Yield-Anleihe: Unternehmensanleihe mit niedriger Bonitätsnote, die Anlegern dafür einen höheren Zins bietet.
- Credit Default Swap: Finanzinstrument, mit dem sich Anleger gegen den Zahlungsausfall eines Schuldners absichern.
- Loan-to-Value: Verhältnis von Krediten zum Wert der zugrunde liegenden Vermögenswerte eines Unternehmens.
