Nike-Aktie: Nur 26 Prozent der Analysten raten zum Kauf
Der Sportartikelriese kämpft mit Umsatzrückgängen und schwindender Markenstärke. Nur elf von 43 Analysten empfehlen die Aktie noch.

Nike steckt in einer der schwersten Krisen seiner Unternehmensgeschichte. Nur elf von 43 Analysten, die den Sportartikelriesen an der Wall Street beobachten, stufen die Aktie noch als "Kaufen" oder "übergewichtet" ein. Das mittlere Kursziel liegt unter dem aktuellen Kursniveau. Der Aktienkurs ist seit dem Amtsantritt von CEO Elliott Hill um mehr als 50 Prozent gefallen.
Hill hatte Ende 2024 die Nachfolge von John Donahoe angetreten und sollte mit einer neuen Turnaround-Strategie die Wende einleiten. Zwei Jahre später warten die Anleger noch immer auf sichtbare Fortschritte. Der US-Finanzdienst Motley Fool stellt deshalb die Frage, ob nun der Moment gekommen ist, gierig zu sein, während andere Angst vor der Zukunft von Nike haben.
Die Aktie notiert auf dem niedrigsten Kurs seit 2013. Das Papier ist an der NYSE gelistet.
Die Details
Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2024 entwickelte Hill den sogenannten Win-Now-Turnaround-Plan. Der Fokus lag darauf, Marketing und Produktentwicklung zu verbessern sowie die Vertriebskanäle auszuweiten. Dieser Ansatz hat sich bislang nicht ausgezahlt. Zwar ist der Großhandelsumsatz in Nordamerika gestiegen und hat damit die Schwäche im Direktverkauf des letzten Quartals kompensiert, doch die Gesamtumsätze gingen im Jahresvergleich um 4 Prozent zurück.
Das Management prognostiziert weitere und sogar stärkere Umsatzrückgänge bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027. Besonders deutlich sind die Schwierigkeiten in Großchina, wo der Gesamtumsatz im ersten Quartal im Jahresvergleich um 26 Prozent sank. China war zuvor eine bedeutende Quelle für Umsatzwachstum.
Nikes Probleme in der Region liegen nicht ausschließlich in der eigenen Verantwortung. Makroökonomische Gegenwindfaktoren haben die chinesischen Konsumenten unter Druck gesetzt. Dennoch verzeichneten konkurrierende Schuhunternehmen wie On Holding und Hoka, eine Marke von Deckers Outdoor, im letzten Quartal eine starke Umsatzdynamik in China. Das spricht für die eigentliche Herausforderung: Die Stärke der Marke Nike scheint zu erodieren, während Wettbewerber mit besseren Produkten und erfolgreichen Marketingkampagnen in den Markt drängen.
Das betrifft nicht nur Schuhe. Nike sieht sich auch starkem Wettbewerb durch viele neue Bekleidungsunternehmen gegenüber, die Direct-to-Consumer-Kanäle nutzen und mit gezieltem Marketing Marktanteile gewinnen. Hills Plan scheint sich auf die richtigen Herausforderungen zu konzentrieren – die Wiederherstellung der Markenstärke durch Marketing und bessere Produkte –, doch es dauert deutlich länger als erwartet. Nun hat das Unternehmen seinen Pace-Plan eingeführt, der auf schnellere operative Veränderungen abzielt. Infolgedessen erwartet Nike Kosteneinsparungen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar, wobei der Großteil dieser Einsparungen erst in zwei oder drei Jahren realisiert werden wird.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Talfahrt, über die aktien.news bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Nike-Aktie 80 Prozent unter ihrem Höchststand notierte (Stand: 25. September) und auf einem rund 13 Jahre hohen Tiefststand lag. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2026, das am 31. Mai endete, belief sich auf 46,4 Milliarden US-Dollar und damit auf einen Rückgang.
Am 02.10.2026 meldete aktien.news, dass Nike eine weitere Runde von Stellenabbau ankündigte und zugleich vor einem stärker als erwarteten Rückgang von Umsatz und Gewinn warnte. Die Aktie reagierte am Freitag im frühen Handel mit einem Minus von etwa 8 Prozent auf 32,22 US-Dollar – dem niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Zum Vergleich: Der Höchststand lag im Jahr 2021 bei rund 175 US-Dollar. Der Bericht verwies darauf, dass CEO Elliott Hill im Oktober 2024 aus dem Ruhestand zurückgeholt worden war, um jahrelange Produktfehler zu korrigieren und die Beziehungen zu Großhändlern wiederherzustellen.
Am 03.10.2026 folgte der Hinweis, dass der Kurs am Nachmittag des 30. September 2026 um 3,64 Prozent nachgab. Das Management hatte den Anlegern mitgeteilt, dass sich die Lage zunächst weiter verschlechtern wird, bevor sie sich verbessert. Am 05.10.2026 berichtete aktien.news über das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027: Nike übertraf die Erwartungen beim Gewinn je Aktie mit 0,48 US-Dollar statt der erwarteten 0,43 US-Dollar, verfehlte jedoch die Umsatzerwartungen mit 11,2 Milliarden US-Dollar gegenüber erwarteten 11,3 Milliarden US-Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Die zentrale Unsicherheit für Anleger, die einen Einstieg auf dem niedrigsten Kurs seit 2013 erwägen, ist die Frage, ob der Wettbewerbsvorteil von Nike intakt bleibt. Ein wunderbares Geschäft kann Rückschläge erleben, aber solange es einen breiten Schutzwall (Moat) beibehält, kann es sich im Großen und Ganzen relativ schnell erholen.
Das klarste Anzeichen für einen Wettbewerbsvorteil ist eine relativ starke Bruttomarge. Nikes Bruttomarge expandierte im letzten Quartal um 60 Basispunkte im Jahresvergleich und erreichte 42,8 Prozent. Das liegt deutlich unter der Bruttomarge von 45,4 Prozent, die das Unternehmen vor einigen Jahren erzielt hatte, spiegelt aber auch einen Anstieg des Großhandelsumsatzes im Verhältnis zum Direktverkauf wider. Ein Grund zur Sorge besteht jedoch darin, dass sowohl On Holding als auch Deckers Outdoor ihre Bruttomargen im vergangenen Jahrzehnt gesteigert haben, während Nikes Bruttomarge flach geblieben ist. Zudem erzielen die Wettbewerber deutlich bessere Bruttomargen. Ebenso verzeichnet Nike einen Rückgang seines Return on Invested Capital (ROIC), während seine Konkurrenten eine Verbesserung dieses Kennzeichens sehen – ein weiteres Anzeichen für einen schwächer werdenden Schutzwall.
Ausblick
Fürs Erste sei es am besten, die Nike-Aktie zunächst abzuwarten, so die Einschätzung des Motley Fool. Anleger sollten darauf achten, dass das Pace-Programm und seine Kostenreduzierungsmaßnahmen zu besseren Brutto- und Operating Margen führen und das Unternehmen wieder in Richtung Umsatzwachstum zurückbringen. Dies wäre der früheste Hinweis darauf, dass die Markenstärke und die jüngsten Innovationen bei den Kunden ankommen und das Management das Geschäft tatsächlich wenden und das Wachstum über mehrere Jahre hinweg aufrechterhalten kann.
Werden Sie noch nicht gierig, aber Nike könnte eine gute Aktie sein, die Sie auf Ihrer Beobachtungsliste behalten sollten, lautet das Fazit. Der Zeitplan bleibt anspruchsvoll: Das Management erwartet weitere Umsatzrückgänge bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027, und der Großteil der angekündigten Kosteneinsparungen von 2,5 Milliarden US-Dollar soll erst in zwei oder drei Jahren wirksam werden.
Kurz erklärt
- Bruttomarge: Die Differenz zwischen Umsatz und den direkten Herstellungskosten, ausgedrückt als Prozentwert des Umsatzes.
- ROIC: Der Return on Invested Capital misst, wie effizient ein Unternehmen das eingesetzte Kapital in Gewinn verwandelt.
- Moat: Ein Schutzwall bezeichnet den dauerhaften Wettbewerbsvorteil, der ein Unternehmen vor Konkurrenten schützt.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für kleine Prozentänderungen, die vor allem bei Zinsen und Margen verwendet wird.
