Universitätsstiftungen erzielen höchste Renditen seit fünf Jahren dank SpaceX
Harvard meldet 27,1 Prozent Plus, North Carolina profitiert massiv von SpaceX – doch nicht alle Stiftungen halten Schritt.

Die Stiftungsvermögen amerikanischer Universitäten verzeichnen ihre stärksten Renditen seit fünf Jahren. Treiber sind Gewinne aus Beteiligungen an SpaceX sowie aus Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Die Harvard University ist die jüngste Einrichtung, die einen Anstieg von mehr als 20 Prozent meldet.
Am Donnerstag berichtete Harvard über einen Anstieg des Stiftungsvermögens um 27,1 Prozent für das am 30. Juni endende Geschäftsjahr. Damit erhöhten sich die Mittel der Stiftung auf fast 68 Milliarden Dollar. Der Zuwachs fällt in eine Phase, in der sich die US-Universitätsstiftungen insgesamt über deutlich zweistellige Ergebnisse freuen können.
Zu den weiteren großen Gewinnern zählt das Universitätssystem North Carolina, das um 37,8 Prozent zulegte. Etwa die Hälfte dieses Zuwachses entfiel nach Angaben aus dem Bericht auf SpaceX. Auch die Washington University in St. Louis meldete einen Anstieg von 37,3 Prozent, während das Hauptanlagefahrzeug der Stanford University um 31,7 Prozent gewann.
Die Details
Die Zahlen zeigen eine deutliche Spreizung zwischen den einzelnen Einrichtungen. Während Harvard, North Carolina, Washington University und Stanford zweistellige Zuwächse im oberen Bereich verzeichneten, fiel das Ergebnis des Massachusetts Institute of Technology (MIT) moderater aus. Das Stiftungsvermögen des MIT stieg um 10,3 Prozent.
Eine Sprecherin des MIT ging nicht auf Anfragen zur Beteiligung des Stiftungsvermögens an SpaceX oder anderen Venture-Capital-Erfolgen ein. Die Zurückhaltung ist nicht ungewöhnlich: Stiftungen legen ihre Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen nur selten vollständig offen.
Greg Dowling von der Anlageberatungsfirma Fund Evaluation Group, zu deren Kunden auch Stiftungen zählen, brachte die Lage auf den Punkt: „Entweder man hatte SpaceX im Portfolio oder nicht.“ Der Satz beschreibt die zentrale Trennlinie des vergangenen Geschäftsjahres.
Laut ersten Daten von Cambridge Associates haben die Stiftungsvermögen US-amerikanischer Colleges und Universitäten im vergangenen Geschäftsjahr eine Medianrendite von 16,1 Prozent erzielt. Ein Portfolio, das aus 70 Prozent globalen Aktien und 30 Prozent hochqualitativen US-Anleihen besteht – ein typischer Benchmark für Stiftungsvermögen –, legte um 17,9 Prozent zu. Der Median der Stiftungen blieb damit hinter diesem Vergleichsmaßstab zurück, obwohl einzelne Häuser deutlich darüber lagen.
SpaceX gehörte nach Angaben von Stiftungsleitern zu den am weitesten verbreiteten Anlagen an Hochschulen. Der rekordverdächtige Börsengang des Raumfahrtunternehmens machte die Beteiligung damit zu einem der größten Glücksfälle für amerikanische Stiftungen. Obwohl die Marktkapitalisierung von ihrem Höhepunkt nach dem Börsengang wieder näher an die Erde zurückgekehrt ist, hat dies die Renditen der Stiftungen kaum gemindert, da sich ihre Bewertung in den letzten Jahren enorm gesteigert hat.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Harvard Management Co. in ihrer 13F-Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC eine SpaceX-Beteiligung im Wert von 2,2 Milliarden Dollar offengelegt hat. Die Position umfasste rund 12,94 Millionen Aktien und war damit die größte Einzelposition im gemeldeten US-Aktienportfolio der Universitätsstiftung, das insgesamt einen Wert von 4,26 Milliarden Dollar aufwies. Stichtag der Meldung war der 30. Juni 2026. Besonders auffällig war die extreme Konzentration: Allein die SpaceX-Beteiligung machte mehr als 50 Prozent der offengelegten US-Bestände Harvards aus.
Ebenfalls berichtenswert ist eine Personalie aus dem Mai: Am 16.05.2026 meldete aktien.news, dass N. P. Narvekar, der Chef der Harvard Management Company, dem Vorstand der Harvard University seine Rücktrittspläne mitgeteilt hat. Ein konkretes Abschiedsdatum stand demnach noch nicht fest, jedoch soll Narvekar einen Rücktritt Ende 2027 in Betracht ziehen. Die Harvard Management Co. ist der Investmentarm der Universität.
Der SpaceX-Börsengang war auch für andere große Investoren ein Ereignis. Am 13.06.2026 berichtete aktien.news, dass das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk bei seinem Börsengang eine Bewertung von rund 1,8 Billionen US-Dollar anstrebte. Zu den größten Profiteuren zählten demnach der Stockpicker Ron Baron, Cathie Woods Ark Invest sowie der Investmentfonds-Riese Fidelity Investments. Ebenfalls vor erheblichen Gewinnen standen Risikokapitalgesellschaften wie Founders Fund, Sequoia Capital und Andreessen Horowitz sowie Hedgefonds wie D1 Capital Partners und Coatue Management.
Auch außerhalb der USA spielte SpaceX eine Rolle. Am 12.08.2026 berichtete aktien.news, dass Norwegens Staatsfonds im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordgewinn von mehr als 184 Milliarden US-Dollar erzielte und eine SpaceX-Beteiligung hält. Der von Norges Bank Investment Management verwaltete Fonds erzielte damit eine Rendite von 9,4 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Zahlen vor allem ein Lehrstück über die Bedeutung von nicht börsennotierten Beteiligungen. Die großen US-Universitätsstiftungen erzielen einen erheblichen Teil ihrer Rendite mit Anlagen, die Privatanlegern in dieser Form kaum zugänglich sind. Wer breit diversifiziert in globale Aktien investiert, partizipiert an SpaceX und vergleichbaren Unternehmen erst nach einem Börsengang – und damit zu einem Zeitpunkt, an dem ein großer Teil der Wertsteigerung bereits realisiert wurde.
Zugleich zeigt der Vergleich mit dem Benchmark-Portfolio aus 70 Prozent globalen Aktien und 30 Prozent hochqualitativen US-Anleihen, dass die durchschnittliche Stiftung mit einer Medianrendite von 16,1 Prozent den breiten Markt nicht geschlagen hat. Die spektakulären Einzelergebnisse von Harvard, North Carolina, Washington University und Stanford sind also nicht repräsentativ für die gesamte Gruppe. Sie spiegeln vielmehr die Fähigkeit einzelner Häuser wider, Zugang zu gefragten Venture-Capital-Runden zu erhalten.
Bemerkenswert ist zudem die Konzentration, die mit solchen Erfolgen einhergeht. Die offengelegten US-Bestände Harvards bestanden zu mehr als der Hälfte aus einer einzigen Position. Für Stiftungen, die üblicherweise breit diversifizierte Portfolios mit einem hohen Anteil alternativer Anlagen halten, ist ein solcher Klumpen ein bewusst eingegangenes Risiko.
Ausblick
Für das laufende Geschäftsjahr liegen noch keine belastbaren Zahlen vor. Die ersten Daten von Cambridge Associates beziehen sich auf das vergangene Geschäftsjahr und dürften sich mit weiteren Meldungen der Hochschulen noch konkretisieren. Bei Harvard steht zudem eine personelle Veränderung an: Der Chef der Harvard Management Company, N. P. Narvekar, hat dem Vorstand seine Rücktrittspläne mitgeteilt und zieht einen Rücktritt Ende 2027 in Betracht. Ein konkretes Abschiedsdatum stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht fest.
Kurz erklärt
- Stiftungsvermögen: Das langfristig angelegte Vermögen einer Universität, das Erträge für Forschung, Lehre und Stipendien erwirtschaften soll.
- Venture Capital: Beteiligungskapital an jungen, nicht börsennotierten Unternehmen, das erst bei einem Verkauf oder Börsengang realisiert wird.
- Medianrendite: Der mittlere Wert einer Reihe von Renditen, bei dem die eine Hälfte der Werte darüber und die andere darunter liegt.
- 13F-Meldung: Eine quartalsweise Pflichtmeldung großer institutioneller Anleger an die US-Börsenaufsicht SEC über ihre US-Aktienbestände.
