Niederlande nominieren Klaas Knot für die Nachfolge von Lagarde
Finanzminister Eelco Heinen informiert das Parlament in Den Haag: Der 59-jährige Notenbankchef gilt als aussichtsreichster Kandidat für die EZB-Spitze.

Die Niederlande haben Klaas Knot offiziell als Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) nominiert. Finanzminister Eelco Heinen informierte das Parlament in Den Haag über die Personalentscheidung. Damit tritt der 59-jährige Ökonom offiziell in das Rennen um die Nachfolge von Christine Lagarde ein, die ihr Amt vorzeitig aufgibt.
Der Spitzenposten in Frankfurt wird frei, weil sich Lagarde vorzeitig zurückzieht. Ihre Amtsaufgabe erfolgt im Februar. Die Nominierung Knots war in Finanzkreisen erwartet worden, und der Niederländer gilt als aussichtsreichster Kandidat für die EZB-Spitze.
Die Euroländer haben bis Freitag Zeit, ihre Kandidaten zu nominieren. Neben Knot bringt sich ein zweiter Bewerber in Stellung: Pablo Hernández de Cos, der die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel führt. Damit zeichnet sich ein Duell zweier geldpolitischer Lager ab.
Klaas Knot steht für eine straffe Geldpolitik auf Linie der Bundesbank
Knot ist in der europäischen Geldpolitik kein Unbekannter. Vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2025 stand er 14 Jahre lang an der Spitze der niederländischen Zentralbank. In dieser Zeit vertrat er eine klare Linie: Er steht für eine straffe Geldpolitik und positionierte sich auf der Linie der Bundesbank. Der promovierte Volkswirt stellte sich mehrfach gegen eine lockere Geldpolitik der EZB.
Seine akademische Laufbahn unterstreicht seine fachliche Reputation. Knot ist Honorarprofessor an den Universitäten Groningen und Amsterdam. Mit 59 Jahren bringt er sowohl praktische Notenbankerfahrung als auch wissenschaftliche Expertise mit.
Sein Mitfavorit Hernández de Cos verfügt ebenfalls über umfangreiche Erfahrung. Von 2018 bis 2024 leitete er die spanische Notenbank und war in dieser Zeit Mitglied des EZB-Rats. Seit Juli 2025 führt er die BIZ in Basel, die als Zentralbank der Zentralbanken gilt. Hernández de Cos wird als Vertreter einer lockeren Geldpolitik eingeschätzt — ein deutlicher Kontrast zu Knot.
Auch aus Deutschland gab es Interesse an dem Spitzenposten. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel meldete sein Interesse an, seine Chancen gelten jedoch als gering. Als Grund gilt, dass mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche auf einem EU-Spitzenposten sitzt. Von der Leyen ist Präsidentin der EU-Kommission.
Frankreich wollte Knot unterstützen und dafür den Chefvolkswirt-Posten erhalten
Bereits am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Debatte um die Nachfolge Lagardes an Fahrt aufnimmt. Laut einem Bericht der Financial Times könnte Lagarde ihren Posten vorzeitig räumen, um dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron noch vor möglichen Wahlen ein Mitspracherecht bei der Personalentscheidung zu sichern. Ökonomen sahen in einem vorzeitigen Rückzug die Chance, alle drei im nächsten Jahr anstehenden Direktoriumsposten im Paket neu zu besetzen. Neben Lagardes Position standen dem Bericht zufolge auch die Sitze von Chefökonom Philip Lane und von Isabel Schnabel zur Disposition.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Frankreich den Niederländer Klaas Knot zur Nachfolge Lagardes unterstützen würde — allerdings unter einer klaren Bedingung. Der einflussreiche Posten des EZB-Chefvolkswirts sollte im Gegenzug an einen französischen Kandidaten gehen. Der informelle Vorschlag genoss die Unterstützung Macrons, dürfte jedoch auf erbitterten Widerstand aus Deutschland stoßen.
Am 17.09.2026 meldete aktien.news, dass sich ein hochkarätiges politisches Manöver abzeichnet. Frankreich war einem Bericht zufolge bereit, den früheren niederländischen Notenbankchef als nächsten EZB-Präsidenten zu unterstützen, unter der Bedingung, dass der Chefvolkswirt-Posten an einen französischen Kandidaten geht. Die informelle Absprache soll auf Macron zurückgehen und markierte den Beginn komplexer Verhandlungen zwischen den großen Euro-Ländern.
Ebenfalls am 16.09.2026 berichtete aktien.news über das Rennen um die EZB-Nachfolge. Frankreich könnte dem Vernehmen nach Knot unterstützen — im Rahmen eines möglichen Kompromisses, bei dem ein französischer Kandidat für den Posten des Chefvolkswirts ausgewählt würde. Der 59-jährige Geldökonom Knot hatte dem Bericht zufolge zwei volle Amtszeiten als Leiter der niederländischen Zentralbank absolviert.
Für Anleger ist vor allem der geldpolitische Kurs des künftigen EZB-Chefs entscheidend
Für deutsche Privatanleger ist die Personalie vor allem wegen ihrer geldpolitischen Signalwirkung relevant. Der Präsident der EZB prägt den Kurs der Notenbank und damit das Zinsniveau im Euroraum. Ein Präsident, der für eine straffe Geldpolitik steht, dürfte den Kurs stärker auf Preisstabilität ausrichten. Eine lockere Geldpolitik zielt dagegen eher auf die Unterstützung der Konjunktur.
Diese Unterscheidung wirkt sich auf viele Anlageklassen aus. Der geldpolitische Kurs beeinflusst die Renditen von Anleihen, die Bewertung von Aktien und die Konditionen von Sparprodukten. Anleger sollten deshalb die Personalentscheidung an der EZB-Spitze aufmerksam verfolgen, statt nur auf kurzfristige Marktbewegungen zu schauen.
Wichtig ist dabei: Die Nominierung ist nur der erste Schritt. Über die Besetzung des Spitzenpostens entscheiden am Ende die politischen Gremien der Eurozone. Bis dahin bleibt offen, welcher Kandidat sich durchsetzt. Der Ausgang des Rennens hängt damit nicht allein von der fachlichen Qualifikation ab, sondern auch von den Machtverhältnissen zwischen den großen Euroländern.
Die Entscheidung fällt bis Freitag, Lagardes Amtsaufgabe folgt im Februar
Der Zeitplan ist eng gesteckt. Die Euroländer nominieren ihre Kandidaten bis Freitag. Danach beginnt die eigentliche Abstimmung über die Nachfolge. Lagarde gibt ihr Amt im Februar auf.
Aus den früheren Berichten von aktien.news geht hervor, dass neben dem Präsidentenposten weitere Führungspositionen zur Disposition stehen. Genannt wurden die Sitze von Chefökonom Philip Lane und von Isabel Schnabel. Eine koordinierte Neubesetzung der Führungsspitze galt in den Berichten als Chance, die künftige Ausrichtung der EZB in einem Zug festzulegen.
Diese Fachbegriffe helfen Anlegern, die Personaldebatte einzuordnen
- EZB-Rat: Das zentrale Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank, in dem die Notenbankchefs der Euroländer und das Direktorium über die Geldpolitik beraten.
- Straffe Geldpolitik: Ein Kurs, der vor allem auf stabile Preise ausgerichtet ist und dafür höhere Zinsen in Kauf nimmt.
- Lockere Geldpolitik: Ein Kurs, der die Konjunktur stützen soll und dafür niedrige Zinsen oder umfangreiche Anleihekäufe einsetzt.
- BIZ: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel ist eine Institution, in der Zentralbanken zusammenarbeiten und die deshalb als Zentralbank der Zentralbanken gilt.
