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Netflix und M&A: Endet die Ära des reinen Eigenentwicklers?

Nach dem gescheiterten WBD-Deal hinterfragen Analysten, ob Netflix künftig aggressiver auf Übernahmen setzen wird.

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Netflix und M&A: Endet die Ära des reinen Eigenentwicklers?

<a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3ANFLX">Netflix hat sich jahrelang klar positioniert: Man sei ein Entwickler, kein Käufer. Doch nach dem überraschenden Bieterprozess um Warner Bros. Discovery (WBD) stellen Investoren und Medienbeobachter diese Grundsatzaussage zunehmend in Frage. Die jüngsten Quartalszahlen vom Donnerstag haben diese Debatte neu entfacht.

Normalerweise drehen sich die Bilanzkonferenzen des Streaming-Riesen um vertraute Themen: Nutzerengagement, Content-Ausgaben, Preiserhöhungen und Mitgliederzahlen. Diesmal jedoch befragten Analysten das Management auch intensiv zu seinen Ambitionen im Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A) – ausgelöst durch den aufsehenerregenden Verkaufsprozess von Warner Bros. Discovery.

Der gescheiterte WBD-Milliardendeal

Ende vergangenen Jahres trat Netflix überraschend als Bieter für WBD auf und sorgte damit für Aufsehen in der gesamten Branche. Im Dezember folgte die noch größere Überraschung: Netflix gab bekannt, eine Vereinbarung zur Übernahme des Filmstudios und der Streaming-Assets von WBD für 72 Milliarden US-Dollar getroffen zu haben. Der Deal schien die bisherige Unternehmensphilosophie auf den Kopf zu stellen.

Doch der Mega-Deal scheiterte. Paramount Skydance überbot Netflix im Februar mit einem besseren Angebot, woraufhin sich Netflix zurückzog – und dabei immerhin eine Trennungsgebühr in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar einstrich. Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix, räumte am Donnerstag ein, dass der Bieterprozess intern wie extern Fragen zur Fähigkeit des Unternehmens aufgeworfen habe, einen solchen Mega-Deal überhaupt stemmen zu können.

Die Reaktion der Wall Street auf den ursprünglichen Deal war eindeutig negativ: Zwischen der Ankündigung und dem Scheitern des WBD-Deals fiel die Netflix-Aktie um rund 15 Prozent. Seit dem Ende des Deals ist sie hingegen um etwa 26 Prozent gestiegen – ein deutliches Signal, dass Investoren die Rückkehr zur bewährten Strategie begrüßen.

Offene Fragen zur künftigen M&A-Strategie

Die neu gewonnene Offenheit von Sarandos gegenüber Übernahmen lässt Beobachter rätseln, ob Netflix aktiv nach neuen Akquisitionszielen sucht. Denn die Ausgangslage hat sich durch das Scheitern des WBD-Deals nicht verändert: Die Bibliothek an geistigem Eigentum und die Beziehungen zum Filmstudiogeschäft befinden sich noch immer auf demselben Stand wie zuvor.

Hinzu kommt ein wachsender Wettbewerbsdruck: Sollte die geplante Übernahme von WBD durch Paramount genehmigt werden, würde ein gigantischer Konkurrent entstehen – mit Kabelfernsehsendern, Filmstudio, Streaming und weiteren Assets unter einem Dach. Das würde die Medienlandschaft grundlegend verändern und den Druck auf Netflix erhöhen.

Trotz eines Umsatzplus im ersten Quartal und der Auflösung des WBD-Deals enttäuschte Netflix die Anleger mit seinem Ausblick. Das Unternehmen behielt seine Prognose für das Gesamtjahr bei, was die Aktie im nachbörslichen Handel um rund 10 Prozent belastete.

Fokus bleibt auf dem bewährten Kerngeschäft

Während der Bilanzkonferenz verbrachte Netflix vergleichsweise wenig Zeit mit dem Thema M&A. Stattdessen konzentrierte sich das Management auf die vertrauten Wachstumstreiber: Nutzerengagement, das wachsende Werbegeschäft und Ausgaben für Inhalte, die Mitglieder binden und Preiserhöhungen rechtfertigen sollen.

Analystin Proulx von Forrester kommentierte nach der Konferenz, dass Netflix zwar wieder „fest darauf konzentriert sei, sein bewährtes Konzept umzusetzen", dennoch blieben Fragen offen. Ob der Streaming-Marktführer tatsächlich in eine neue Ära der Übernahmen eintritt oder zur reinen Eigenentwicklung zurückkehrt, bleibt damit vorerst unbeantwortet.

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