Nasdaq 100 stürzt 6,4 Prozent ab: 2,3 Billionen Dollar vernichtet
Der Tech-Index schließt auf April-Niveau, Chip- und Speicherwerte brechen ein – Zinsängste und KI-Zweifel treffen die Wall Street.

Der Nasdaq 100 ist am Freitag um 6,4 Prozent eingebrochen und hat bei 26.629 Punkten geschlossen. Damit steht der technologielastige Index wieder auf dem Niveau vom April. Insgesamt wurden nach dem Kursrutsch 2,3 Billionen Dollar Marktwert vernichtet.
Die Verluste beschränkten sich nicht auf die Technologiebörse. Der S&P 500 fiel um 4,4 Prozent auf 7.354 Zähler und verzeichnete damit seinen größten Tagesverlust seit April 2025. Der Dow Jones Industrial gab um 3,4 Prozent auf 51.523 Punkte nach. Besonders hart traf es Chip- und Speicherwerte.
Nvidia war mit einem Minus von 9,3 Prozent das Schlusslicht im Dow Jones. Qualcomm verlor 9,5 Prozent. Die Speicherwerte Seagate, Western Digital und Sandisk brachen um bis zu 22 Prozent ein, Micron um 17,5 Prozent. Auch die Neocloud-Anbieter Nebius und CoreWeave gerieten unter Druck.
Der Nasdaq 100 weist seit Jahresanfang noch ein Plus von 5,5 Prozent aus
Trotz des Einbruchs steht der Nasdaq 100 seit Jahresanfang mit 5,5 Prozent im Plus. Der Dow Jones Industrial liegt mit 7,2 Prozent im Plus. Der Tech-Index hatte im Oktober noch ein Rekordhoch erreicht — der Absturz vom Freitag löschte einen erheblichen Teil der jüngsten Gewinne aus.
Die Belastungsfaktoren sind vielfältig. Regulierungssorgen nach den US-Zwischenwahlen drückten auf die Stimmung. Hinzu kamen enttäuschende Quartalszahlen, allen voran von Qualcomm. Das Unternehmen hatte am Mittwoch einen gesunkenen Umsatz und Gewinn gemeldet; das Geschäft mit Smartphone-Chips brach deutlich ein. Auch Alphabet konnte Ende Oktober die Bedenken zu seinen milliardenschweren KI-Investitionen nicht zerstreuen.
Dazu gesellen sich Zinsängste. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte im September einen Zinsschritt vollzogen, ein weiterer wird im Dezember erwartet. Diese Erwartung ist an sich keine neue Nachricht. Entscheidend ist laut Quelle die Melange aus lang- und kurzfristigen Belastungsfaktoren.
Die asiatischen Börsen geraten am Freitag ebenfalls massiv unter Druck
Die Verluste blieben nicht auf die USA beschränkt. Auch die asiatischen Börsen standen am Freitag massiv unter Druck. Das zeigt, wie eng die globalen Märkte über die Chip- und KI-Werte miteinander verflochten sind.
Die Zweifel an den milliardenschweren KI-Investitionen wachsen. Der Tech-Index war seit Anfang 2023 rasant gestiegen und hatte stark von der KI-Hoffnung profitiert. Nun fragen sich Anleger, ob sich die hohen Ausgaben für Rechenzentren, Chips und Speicher tatsächlich auszahlen.
Verstärkt wurde die Bewegung durch hohe Marktnervosität und den Optionshandel. Der Techsektor selbst war am Mittwoch vergleichsweise ruhig geblieben — die Zwischenwahlen allein erklären den Ausverkauf also nicht.
Bereits am 06.06.2026 berichtete aktien.news von einem massiven Ausverkauf bei Tech-Aktien
Die aktuelle Korrektur hat Vorgeschichte. Bereits am 06.06.2026 berichtete aktien.news, dass Tech-Aktien einen massiven Ausverkauf erlebten. Angeführt wurde der Einbruch von Halbleiterwerten, die zuvor eine rasante Rallye auf Rekordhochs hingelegt hatten. Der Nasdaq Composite verlor mehr als 4 Prozent — die schlechteste Tagesperformance seit dem sogenannten „Liberation Day" im April. Besonders hart traf es Sandisk und Micron, die zuvor seit Jahresbeginn um 670 Prozent bzw. 280 Prozent im Plus gelegen hatten.
Am 05.02.2026 berichtete aktien.news über den zweiten deutlichen Rückgang der Nasdaq in Folge — den schlimmsten Zweitages-Rückgang seit den Turbulenzen im April. Auslöser war damals die Präsentation neuer KI-Tools des Startups Anthropic, die bei Investoren die Befürchtung schürte, dass KI bestehende Geschäftsmodelle verdrängt.
Ebenfalls am 06.06.2026 meldete aktien.news, dass ein doppelter Schock aus Zinsängsten und wachsenden Zweifeln an den Renditen von KI-Investitionen die Wall Street traf. Der Nasdaq Composite fiel um 4,2 Prozent. Auslöser war ein robuster US-Arbeitsmarktbericht, der die Sorge schürte, die Fed müsse die Zinsen zur Inflationsbekämpfung anheben.
Am 06.06.2026 berichtete aktien.news zudem, dass der Nasdaq 100 um 4,7 Prozent einbrach — der schlechteste Handelstag seit April 2025 und die schwächste Woche seit März 2025. Der S&P 500 gab damals um 2,6 Prozent nach.
Für Privatanleger sind Streuung und ein Blick auf die Geschäftszahlen entscheidend
Für deutsche Privatanleger ist wichtig, dass die Verluste vor allem die zuvor stärksten Gewinner treffen. Wer in den vergangenen Monaten auf die KI-Rallye gesetzt hat, spürt den Rückschlag überproportional. Der Nasdaq 100 steht trotz des Einbruchs seit Jahresanfang noch im Plus — die Korrektur frisst also einen Teil, aber nicht alle Gewinne.
Zu beachten ist die Konzentration. Chip- und Speicherwerte wie Nvidia, Micron, Seagate, Western Digital und Sandisk reagieren besonders heftig, weil sie direkt an den KI-Investitionen hängen. Anleger sollten prüfen, wie stark ihr Depot von einzelnen Werten oder vom Tech-Sektor insgesamt abhängt.
Die hohe Marktnervosität und der Optionshandel können Bewegungen verstärken. Kurse können dadurch schneller und heftiger ausschlagen, als es die Fundamentaldaten allein rechtfertigen. Eine breite Streuung und ein Blick auf die tatsächlichen Geschäftszahlen helfen, solche Schwankungen einzuordnen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der erwartete Zinsschritt der Fed im Dezember bleibt der nächste wichtige Termin
Der nächste wichtige Termin ist der erwartete Zinsschritt der Fed im Dezember. Die US-Notenbank hatte zuletzt im September an der Zinsschraube gedreht. Ob die Fed im Dezember tatsächlich handelt, ist offen — der Markt erwartet es.
Entscheidend dürften zudem die kommenden Quartalszahlen der Tech- und Chipkonzerne sein. Qualcomm hat bereits enttäuscht, Alphabet konnte die Bedenken zu seinen KI-Investitionen nicht zerstreuen. Anleger achten darauf, ob die Unternehmen die hohen Erwartungen an das KI-Geschäft künftig bestätigen können. Weitere belastende Nachrichten aus dem Sektor dürften die Nervosität an den Märkten hoch halten.
Drei Begriffe helfen Anlegern, die Ursachen des Ausverkaufs einzuordnen
- Halbleiterwert: Aktie eines Unternehmens, das Chips für Computer, Smartphones oder Rechenzentren entwickelt und produziert.
- Marktkapitalisierung: Gesamtwert aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens an der Börse.
- Leitzins: Zinssatz, den eine Notenbank festlegt und der die Finanzierungskosten der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
