MSC: Kreuzfahrt-Riese peilt Übernahme der Meyer Werft an
MSC will die Meyer Werft übernehmen – Milliardenauftrag bis 2035 unterzeichnet.

Die Meyer Werft in Papenburg steht vor einer historischen Wende. Der Schweizer Reedereiriese MSC hat eine Absichtserklärung für den Bau mehrerer Kreuzfahrtschiffe unterzeichnet – das Auftragsvolumen soll bis zu zehn Milliarden Euro betragen. Branchenbeobachter werten dies als klares Signal für eine mögliche Übernahme der angeschlagenen Werft.
Pierfrancesco Vago, Verwaltungsratspräsident von MSC, besuchte Anfang Februar die traditionsreiche Werft in Papenburg und fand dabei bemerkenswerte Worte. „Als Familienunternehmen sind langfristige Beziehungen für uns von entscheidender Bedeutung“, sagte Vago nach dem Besuch. Der Auftrag soll die Werft nach eigenen Angaben bis 2035 auslasten.
Milliardenschwere Absichtserklärung
Die Dimension des geplanten Deals ist gewaltig. MSC und die Meyer Werft haben eine Absichtserklärung für den Bau mehrerer Kreuzfahrtschiffe unterzeichnet. Der Gesamtwert liegt bei bis zu zehn Milliarden Euro. Für die Werft, die in den vergangenen Jahren mehrfach in wirtschaftliche Schieflage geraten war, käme dies einer Rettung in letzter Minute gleich.
Die Meyer Werft zählt zu den renommiertesten Schiffbauunternehmen Deutschlands. Das Familienunternehmen aus Papenburg hat sich auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert und beliefert nahezu alle großen Reedereien der Welt. In der Vergangenheit musste der Staat mehrfach mit Bürgschaften und Finanzhilfen einspringen, um die Werft und tausende Arbeitsplätze zu sichern.
Strategische Bedeutung für MSC
Für MSC, das weltweit drittgrößte Containerreederei-Unternehmen, wäre der Einstieg bei der Meyer Werft ein strategischer Coup. Der Konzern mit Hauptsitz in Genf hat in den vergangenen Jahren sein Kreuzfahrtgeschäft massiv ausgebaut. Die eigene Flotte der MSC Cruises zählt bereits zu den modernsten der Welt. Mit einer eigenen Werft könnte MSC langfristig Planungssicherheit gewinnen und sich von externen Lieferanten unabhängiger machen.
Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die globale Kreuzfahrtbranche nach der Pandemie wieder deutlich an Fahrt aufnimmt. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten steigt weltweit, und die Reedereien investieren kräftig in neue Schiffe. MSC scheint dabei auf eine langfristige Partnerschaft mit der deutschen Werftindustrie zu setzen.
Ausblick für Anleger
Für Anleger an den internationalen Börsen ist die Entwicklung interessant. MSC selbst ist nicht börsennotiert, das Unternehmen befindet sich mehrheitlich im Besitz der Familie Aponte. Die Meyer Werft ist ebenfalls in Privatbesitz. Dennoch hat die Nachricht Signalwirkung für die gesamte Schifffahrts- und Kreuzfahrtbranche. Börsennotierte Wettbewerber wie Carnival Corporation oder Royal Caribbean dürften die Entwicklung genau beobachten.
Sollte die Übernahme tatsächlich vollzogen werden, wäre dies einer der größten Deals in der deutschen Werftindustrie der letzten Jahrzehnte. Die Verhandlungen dürften in den kommenden Monaten konkretere Formen annehmen. Fest steht: Die Meyer Werft hat mit MSC einen potenziellen Partner gefunden, der nicht nur finanzstark ist, sondern auch langfristig denkt.
