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Momentum- und Value-ETFs: Warum der Zusatzaufwand selten lohnt

Ein Leser will renditestark anlegen und Risiken streuen – doch die Faktor-Beimischung stößt auf Skepsis.

• 2 Min
Momentum- und Value-ETFs: Warum der Zusatzaufwand selten lohnt

Wer renditestark anlegen und gleichzeitig Risiken minimieren will, greift gern zu einer breiten Depotaufteilung. Ein Leser der Wirtschaftswoche plant genau das: 75 Prozent des Geldes sollen in einen FTSE-All-World-ETF als Kern fließen, zehn Prozent in Kryptowährungen als Satellit. Die restlichen 15 Prozent will er zu gleichen Teilen auf einen Momentum-ETF und einen Value-ETF verteilen – also jeweils 7,5 Prozent.

Beide Bausteine zählen zu den sogenannten Faktorstrategien. Sie versuchen, systematisch Renditequellen zu erschließen, die über den breiten Markt hinausgehen. Momentum setzt auf Gewinner: Der Ansatz kauft Aktien, die zuletzt stark gelaufen sind, und wettet darauf, dass sich der Trend fortsetzt. Value sucht dagegen günstige Unternehmen – Titel, deren Bewertung im Verhältnis zu ihren Fundamentaldaten niedrig erscheint.

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Theoretisch ergänzen sich die beiden Ansätze gut, weil sie oft gegenläufig laufen: Läuft Momentum stark, schwächelt Value – und umgekehrt. In der Praxis jedoch werden die Auswahlfilter der Indizes häufig angepasst. Ein ETF kann seine Filter nur zwei- bis viermal pro Jahr überarbeiten, während sich die Marktlage deutlich schneller dreht. Hinzu kommt, dass Faktor-Indizes oft sektorneutral konstruiert sind. Das dämpft die eigentliche Faktorwirkung, weil die typischen Branchenausschläge der Strategie gar nicht voll zum Tragen kommen.

Für Privatanleger bedeutet das: Der erhoffte Diversifikationseffekt fällt kleiner aus als in der Theorie. Wer Momentum und Value beimischt, bekommt nicht automatisch zwei unabhängige Renditetreiber, sondern häufig zwei Varianten eines breit gestreuten Portfolios mit leicht verschobenen Gewichten.

Kosten fressen den möglichen Vorteil

Ein weiterer Punkt wiegt schwer: Faktor-ETFs verursachen höhere laufende Kosten und müssen häufiger umschichten als ein klassischer Welt-ETF. Jede Anpassung kostet Geld, und diese Belastung geht direkt von der Rendite ab. Ob der zusätzliche Aufwand am Ende durch eine bessere Performance belohnt wird, ist keineswegs sicher.

Michael Huber, Deutschland-Chef des VZ VermögensZentrums, zeigt sich entsprechend skeptisch, ob sich der Mehraufwand lohnt. Huber ist Finanzökonom, zertifizierter Finanzplaner und CFA sowie Autor von „Finanzcoach für den Ruhestand" und „Erfolgreich anlegen mit ETFs". Seine Einschätzung: Faktorstrategien lassen sich eher mit Einzelaktien sauber umsetzen – für Privatanleger ist das jedoch komplex und mit erheblichem Aufwand verbunden.

Sein Fazit fällt dennoch eindeutig aus: Die Ansätze heben sich zwar nicht gegenseitig auf, dennoch rät Huber vom Zusatz verzichten. Wer mit einem breiten Welt-ETF als Kern bereits gut aufgestellt ist, spart sich Kosten, Umschichtungen und Komplexität – und fährt damit in vielen Fällen nicht schlechter.

Für Anleger lohnt sich daher die Frage, ob die Beimischung von Faktor-ETFs wirklich einen Mehrwert bringt oder nur das Depot unübersichtlicher macht. Die Antwort hängt stark davon ab, wie diszipliniert und langfristig man anlegt – und ob man bereit ist, für einen ungewissen Zusatzertrag höhere Gebühren zu zahlen.

Der Beitrag stammt aus dem Ratgeber-Service WiWo Coach, der sich an Abonnenten der Wirtschaftswoche richtet. Er ist ausdrücklich keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung, und zwischen Lesern und der Handelsblatt GmbH entsteht dadurch kein Vertragsverhältnis.

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