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Marihuana in US-Gefängnissen: Schadensbegrenzung statt Drogenverbot

Ein Häftling aus New Jersey fordert legalen Marihuanakonsum in Gefängnissen – als Antwort auf die tödliche K2-Krise.

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Marihuana in US-Gefängnissen: Schadensbegrenzung statt Drogenverbot

Ein Gastbeitrag des Prison Journalism Project bringt eine ungewöhnliche Forderung in die Debatte: Marihuana sollte in US-Gefängnissen erlaubt werden. Der Autor Derek Jason LeCompte, selbst seit 27 Jahren inhaftiert in New Jersey, beschreibt eindringlich, wie das synthetische Cannabinoid K2 die Gefängnisse heimsucht – mit teils tödlichen Folgen.

LeCompte schildert eine Szene, die für ihn zur traurigen Normalität geworden ist: Er betritt seine Zelle und findet seinen Zellengenossen lallend, mit leerem Blick, umgeben vom stechenden Geruch von verbranntem Papier. Rund 30 Minuten lang beobachtet er ihn, um sicherzustellen, dass dieser weder an einer Überdosis stirbt noch ihn in seinem Rauschzustand angreift. „Leider ist dies in den Gefängnissen von New Jersey ein allzu häufiges Ereignis", schreibt er.

Die K2-Krise: Zahlen und Ausmaß

K2, ein synthetisches Cannabinoid, hat sich laut LeCompte zur wohl gefährlichsten und am weitesten verbreiteten Droge in US-Gefängnissen entwickelt. Die Zahlen sind alarmierend: In Texas stiegen die K2-Todesfälle von 16 im Jahr 2023 auf 65 im Jahr 2024. In Ohio verdreifachten sich die Überdosierungstode durch K2 von drei auf 13 Fälle im selben Zeitraum. In Florida wurden zwischen 2016 und 2017 ein Großteil der 62 „unfallbedingten Todesfälle" in Gefängnissen auf K2-Überdosierungen zurückgeführt. Eine umfassende nationale Datenbank zu K2-Todesfällen in Gefängnissen existiert bislang nicht, doch vorsichtige Schätzungen gehen von Dutzenden tödlicher Überdosierungen pro Jahr aus.

Ein Mitgefangener namens Fastlane beschreibt die Sucht aus eigener Erfahrung: „Es hat meinen Kopf durcheinander gebracht, und ich kann es immer in die Finger bekommen. Wenn es etwas anderes gäbe, das mir nicht so sehr schaden würde, würde ich das benutzen. Aber das gibt es nicht." Diese Aussage verdeutlicht das Kernproblem: Solange keine sichere Alternative existiert, greifen Gefangene zur gefährlichsten verfügbaren Option.

Marihuana als Schadensbegrenzung

LeComptes Argument stützt sich auf eine Studie der Washington State University aus dem Jahr 2022. Diese stellte fest, dass in Bundesstaaten, die Marihuana legalisiert hatten, die Vergiftungsmeldungen durch synthetische Cannabinoide wie K2 um 37 Prozent zurückgingen. Wenn Menschen eine sicherere Alternative haben, meiden sie demnach die gefährlichere Substanz.

In New Jersey ist Marihuana bereits legal und wird in streng regulierten Abgabestellen verkauft. LeCompte verweist zudem auf bestehende Präzedenzfälle: Zahlreiche Bezirksgefängnisse in den USA bieten bereits Alternativen an, etwa Vape-Pens in Kantinen oder Suboxone als Ersatztherapie bei Opioidabhängigkeit. Für den Einsatz in Gefängnissen schlägt er essbare Marihuana-Produkte (Edibles) vor – diese würden weder gegen Bundesgesetze zum Rauchverbot verstoßen noch die Luftqualität belasten.

Internationale Erfahrungen stützen den Ansatz der Schadensbegrenzung ebenfalls. In Deutschland, der Schweiz und Spanien haben Gefängnisse Programme zum sicheren Nadelaustausch eingeführt, um die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen. Laut LeCompte ist der Drogenkonsum in diesen Einrichtungen durch die Programme nicht gestiegen.

Kein Allheilmittel, aber ein pragmatischer Schritt

LeCompte räumt selbst ein, dass die Erlaubnis von Marihuana keine langfristige Lösung zur Eindämmung des Drogenkonsums in Gefängnissen darstellt. Dennoch plädiert er für einen pragmatischen Ansatz: Bundesstaaten haben medizinisches Marihuana bereits eingesetzt, um Menschen von Opioiden zu entwöhnen und den Entzug von Stimulanzien wie Methamphetamin zu erleichtern.

Sein zentrales Argument bleibt dabei klar: Es ist nicht realistisch, jeglichen illegalen Drogenkonsum hinter Gittern vollständig zu unterbinden. Statt auf ein unerreichbares Ziel zu setzen, sollten Behörden auf Strategien der Schadensbegrenzung setzen – zum Schutz von Gefangenen und Personal gleichermaßen. Der beißende Geruch von K2, den LeCompte mit dem Gestank einer nahen Mülldeponie vergleicht, ist für ihn täglich präsent. Eine Veränderung, so sein Fazit, ist längst überfällig.

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